Get back – to The Beatles
Al Di Meola widmet sich einmal mehr den Songs der Fab Four. Dank seiner Virtuosität gelingt es ihm noch immer, mit ihnen ganz neue Universen zu eröffnen.

„Ich bete, wenn ich spiele, Musik ist eine Religion!“, hat Al Di Meola einmal in einem Interview gesagt. Mit religiösem Eifer widmet sich der Gitarrist nicht nur jedem einzelnen Konzert, auch seine Diskografie mit nun 30 Studioalben zeugt von Meolas kreativer Besessenheit. Als Highlight seiner Live-Karriere gilt bis heute das legendäre Konzert „Friday Night in San Francisco“, das er vor fast 40 Jahren zusammen mit den Gitarristen John McLaughlin und Paco de Lucia eingespielt hat. Doch ruht sich der bedeutendste Fusion-Gitarrist keineswegs auf seinen Lorbeeren aus. Erst kürzlich hat er sein neustes Studioalbum „Across the Universe“ veröffentlicht, das einmal mehr Beatles-Songs neu interpretiert.
Al Di Meola macht Beatles-Coverversionen wieder spannend
Mit Recht könnte man fragen, ob es wirklich noch eine weitere Interpretation von „Yesterday“ und „Dear Prudence“ braucht. Antworten wir so: Es schadet auch nicht – zumindest dann nicht, wenn die Songs sich in einem solch neuen Gewand präsentieren wie auf Al Di Meolas Tribute-Album. Es ist nach „All your life“ bereits die zweite Platte, die der ehemals „schnellste Gitarrist der Welt“ der Band aus Liverpool widmet. Gemäß seinem Status als Jazz-Virtuose ist das technische Niveau der Interpretationen enorm. Durch die Beschränkung auf die Gitarrenparts muss man allerdings in Kauf nehmen, dass Al Di Meola Songs wie „Norwegian Wood“ als lose Vorlage für seine Improvisationen benutzt, die die Songs teilweise kaputtgniedeln. Das mag an Al Di Meolas Mischung aus Jazzrock, Fusion und Latin liegen – nur können seine Crossover-Fähigkeiten kaum über einige Unstimmigkeiten im Arrangement überdecken.
Angenehm überraschend ist dann aber doch das synkopierte und um Cello sowie elektrische Lead-Gitarre erweiterte „Hey Jude“. Besonders in den Strophen demonstriert der Italoamerikaner seine charakteristische Dämpf-Technik, die den Song um ein perkussiv anspruchvolles Element bereichert. Mit ähnlichem Feingefühl hebt Meola das wunderbar melancholische Thema in „Golden Slumbers“ hervor, ohne dabei zu sehr einem technischen Egotrip zu verfallen. Gerade deshalb kann man nach „Across the Universe“ immer noch guten Gewissens den Fusion-Gott verehren.
Lennard Kühl
Musik

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