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Fink

Country? War mal. Die neuen Fink klingen dunkler, tanzbarer und verschrobener als je zuvor. Vor der Tour erklärt Sänger Nils Koppruch, warum ihm trotzdem ein Pferd noch immer mehr bedeutet als ein klingelndes Handy.

citymag: Nils, du singst vom Unterwegssein, vom Ausbrechen, von der Durchreise. Wovor läufst du weg?

Nils Koppruch: Ich lauf nicht weg! Dieses Bewegungsmotiv hat mit einer grundsätzlichen Haltung zu tun, mit meinem Verständnis von Musikmachen. Für mich ist der Prozess des Suchens wichtiger als das Finden. Es geht bei Fink nicht darum, einen Stil zu entwickeln, den einzufrieren und dann anzubieten. Für uns ist die Motivation immer, Musik zu machen, um sich selbst weiterzuentwickeln. Wenn Joe Cocker sein 28. Album aufnimmt, dann ist er mehr Dienstleister als Künstler. Ich möchte aber etwas machen, was länger Bestand hat, was universeller ist.

citymag: Wie zum Beispiel Metaphern von Pferden und Wüsten.

Koppruch: Ein Pferd ist einfach ein beständigeres Bild als ein klingelndes Handy. Es hat eine ganz andere Bedeutung, weil es uralt ist, es trägt unglaublich viele Möglichkeiten in sich. Und das hat gar nichts mit Cowboys zu tun. Es geht darum, das, was eigentlich viel zu groß ist, auf etwas Kleineres zu reduzieren, auf einen Mikrokosmos. Ich lebe ja oft mit einem Gefühl des Fremdseins, sowohl in der musikalischen Szene, in der ich mich bewege, aber auch persönlich. Ich betrachte die Welt einfach mit Unverständnis. Trotzdem gebe ich die Hoffnung nicht auf und jage den weißen Wal durchs Meer.

citymag: Derweil werden deine Texte von Album zu Album wortkarger. Hast du alles Wesentliche schon gesagt?

Koppruch: Ich weiss nicht mal, ob ich vorher schon was Wesentliches gesagt habe … Nein, es geht da um den Versuch, Sprache extrem zu reduzieren, in der Tradition von Trios „Da Da Da“ vielleicht. Es geht um den unmittelbaren Ausdruck. Und deshalb haben wir das Album auch „Bam Bam Bam“ genannt – wie der einfache Rhythmus auf einer Trommel.

citymag: Du bedienst dich in einen Texten vieler Redewendungen, die du aus dem Englischen übernommen hast: „Hüftschwung, tu den Hüftschwung“ …

Koppruch: Ja, Hüftschwung würde es natürlich nicht geben, wenn es den hipshake nicht gäbe. Und der Song „Totes Pferd“ geht zurück auf die Redewendung „to beat a dead horse“, wofür es im Deutschen keine Entsprechung gibt. Das hat mit der Perspektive zu tun, aus der man das Leben betrachtet. Ich finde es immer interessant, wenn man selbstverständliche Sachen übersetzt und sie dadurch mit anderer Bedeutung füllt. In der englischen Sprache gibt es einfach viele Ausdrücke, die umfassender oder schöner sind. Obwohl auch das Deutsche Wörter besitzt, die etwas besser erklären können.

citymag: Weltschmerz ist so ein Wort.

Koppruch: Blitzkrieg auch!

citymag: Vor zwei Jahren habt ihr die Single „Bagdad Blues“ aufgenommen, ein politisches Statement gegen den Irakkrieg – und seid dafür hart kritisiert worden. Wird es von euch bald einen „Teheran Blues“ geben?

Koppruch: Sicher nicht. Wir würden so etwas nicht mehr machen. Wir wollten damals, dass diese Platte auch im Schlagerradio gespielt wird, deshalb die klassische Country-Instrumentierung. Leute wie meine Eltern sollten das hören und sagen: Aha! Aber plötzlich fanden auch meine Eltern die Amerikaner doof, und es gab viele Leute, die uns vereinnahmen wollten, von der äußersten Rechten bis zur SPD. Scheiße gelaufen.

citymag: Letzte Frage: Warum winden sich eigentlich so viele Leute in Krämpfen, wenn sie ein Banjo oder eine Steel-Gitarre hören?

Koppruch: Keine Ahnung. Ich krieg auch Krämpfe, wenn ich ein Saxofon höre oder eine Querflöte. Aber es kommt nicht auf das Instrument selbst an, sondern darauf, wie man es einsetzt. Das ist ja das, was Fink ausmacht: Statt sich wie alle anderen ein paar E-Gitarren umzuhängen und den normalen Indierock zu spielen, versuchen wir den gleichen Ausdruck mit anderen Instrumenten zu erreichen.

Interview: Alexander R. Meyer

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