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TV-Tipp: Gérard Depardieu und Isabelle Huppert im „Valley of Love“

Gérard Depardieu und Isabelle Huppert
Gérard Depardieu und Isabelle HuppertFoto: Le Pacte

„Wenn der fette Kerl meine Heldin Isabelle Huppert in „Valley of Love“ auch nur anrührt, renne ich zur Leinwand und niete ihn um!“, sage ich. Das geht nur deshalb nicht im Gelächter der Kollegen unter, weil Gérard Depardieu seit Jahren noch peinlicher drauf ist als ich in diesem Moment. Zu lange hatte der Putin-Freund sich vor einigen Jahren über den Spitzensteuersatz in Frankreich ausgeheult. Inzwischen hat er die russische Staatsbürgerschaft angenommen und ist nach Belgien gezogen. Kurz: From Hero to Zero – Depardieu hat’s komplett verkackt.

Gérard Depardieu: dick, fett und, verfressen. Zart und selbstironisch

Und dann dieser Film: „Valley of Love“ spielt inmitten der Hitze des Death Valley in der Wüste Kaliforniens, wohin die seit 30 Jahren geschiedenen Isabelle (Huppert) und Gérard (Depardieu) reisen, weil ihr gemeinsamer Sohn sich umgebracht hat. Depardieus massiger Körper schwitzt in diesem Tal der Toten; er schwitzt ein Hemd nach dem anderen durch. Wenn er – weil in Eile – außer Atem gerät und die Handkamera ganz nah dran ist an ihm, sieht man regelrecht sein Keuchen. Der Film spielt mit Depardieus dickem, fettem, voluminösem, verfressenem Körper. Depardieu aber – spielt mit mir. Er zeigt mir, wie falsch ich liege, wenn ich den Autokratenumarmer als Schauspieler abschreibe. Ob Staunen, Grummeln, Anbaggern oder Trauern: Was Depardieu auch tut, er tut es so nebenbei, zart und selbstironisch, wie man es dieser Masse Mann nicht zugetraut hätte. Auch nicht, dass er Isabelle dann noch rumkriegt – und ich nicht aufspringe.

Jürgen Wittner

„Valley of Love – Tal der Liebe“ läuft im Rahmen des Isabelle-Huppert-Themenschwerpunktes heute Abend um 20:15 Uhr auf Arte.