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Ominöses Instagram-Statement: Was ist bei Feine Sahne Fischfilet los?

Übergriffe und Machtmissbrauch? Das steckt hinter den Vorwürfen gegen Feine-Sahne-Fischfilet-Sänger Monchi.

Feine Sahne Fischfilet
Feine Sahne Fischfilet, Foto: Bastian Bochinski
  • Auf Instagram hat die Band Feine Sahne Fischfilet ein Statement veröffentlicht, das viele Fans verwirrt hat.
  • Darin spricht die Gruppe von einer Internetseite, die angedroht hat, Vorwürfe gegen die Bandmitglieder zu veröffentlichen.
  • Bezug nimmt die Band damit auf eine andere Instagram-Seite mit dem Titel „Keiner muss Täter sein“, die die Anschuldigungen auch wie angekündigt erhoben hat.
  • Update: Jan Gorkow sagt Termine seiner Lesereise ab, Feine Sahne positioniert sich weiter übers Internet, und noch eine Gruppe stellt sich hinter „Keiner muss Täter sein“.

Mit einer ominösen Botschaft hat sich die Punkrock-Gruppe Feine Sahne Fischfilet an ihre Follower auf Instagram gewandt. In dem Post sprechen sie von möglichen Vorwürfen, die bald gegen sie publik werden könnten. In ihrem Statement schreibt die Band auch: „Wir wissen nicht worum es geht, aber wir werden diese Vorwürfe ernst nehmen und uns damit auseinandersetzen. Wir haben auch in der Vergangenheit nie versucht, irgendwelche Vorwürfe zu deckeln.“

Was hat die Gruppe mit dem Post bezwecken wollen? Fans sind verunsichert und nehmen auch in den Kommentaren auf Auszüge des Statements Bezug: „,Uns ist bewusst, dass eine Band, die nur aus Typen besteht zu Problematiken führen kann‘ Sorry, aber hä!?“ fragt eine Instagram-Nutzerin, ein anderer Nutzer meint: „Ich bekomme gerade Wolfdown Flashbacks…“, und nimmt damit Bezug auf den Skandal um die deutsche Hardcore-Punk-Band. Die löste sich 2017 auf, nachdem zwei Bandmitglieder mit Vorwürfen der Vergewaltigung konfrontiert worden waren. Ähnlich wie Fynn Kliemann bei den Recherchen durch Jan Böhmermann könnten Feine Sahne Fischfilet mit ihrem Vorab-Post einem Shitstorm zuvorkommen wollen. Ob ihnen das im Gegensatz zu Kliemann gelingt, bleibt fraglich.

Inzwischen solidarisieren sich zumindest online bereits einige Menschen mit der Band. Konkret betreffen die Vorwürfe Frontmann Jan Gorkow alias Monchi, der eigentlich gerade sein Buch „Niemals satt“ mit einer Lesetour promotet. Die Anschuldigungen stehen inzwischen öffentlich einsehbar im Netz.

 

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Vorwurf der sexualisierten Gewalt und des Machtmissbrauchs durch eine anonyme Gruppe

Das Statement von Feine Sahne Fischfilet hat mehr Fragezeichen hinterlassen, als es Antworten gegeben hat. Doch auch die Betreiber:innen der Instagram-Seite, die die Anschuldigungen erhebt, sowie der dazugehörige Blog bleiben vage in ihren Aussagen. Wer die Menschen hinter dem Statement sind und auf welche Quellen sie sich beziehen, bleibt unklar und geht auch aus dem Blog nicht hervor. Der verweist lediglich auf die linke Plattform autistici.org. Besagter Instagram-Account hat bisher wohl feministische Treffen organisiert, soll sich nun umbenannt haben und ältere Posts der Seite wurden offenbar gelöscht.

Der Account bestünde heute nur noch, weil die Betreiber:innen von einer „Gruppe“ angesprochen worden seien, die „ein unglaublich starkes Ziel verfolgen will und dafür schnell Reichweite braucht“, hieß es in einem der Posts. Und weiter: „Es wird um jemanden gehen, den ihr wirklich alle kennt, viele die Gerüchte schon gehört und viele sich nicht getraut haben gegen ihn und seinen Einfluss vorzugehen.“

Seit dem deutlichen Statement ist klar, es geht um Sänger Monchi. Noch am Abend nach dem Feine-Sahne-Fischfilet-Statement wurde der angekündigte Post von „Keiner muss Täter sein“ veröffentlicht. Auf der Instagram-Seite sowie auf dem eingerichteten Blog heißt es, auch „Linke Räume sind nicht frei von patriarchalen Machtstrukturen, Diskriminierung, Machtmissbrauch und (sexuellen) Übergriffen“. Dann wird es konkreter: Sänger Jan Gorkow soll sich der Ausübung sexueller Gewalt und des Machtmissbrauchs schuldig gemacht haben. Und weiter: „Wir meinen: Jan Gorkow ist ,schonungslos‘, ,gewalttätig‘, ,narzisstisch‘, ,hart‘, ,maßlos‘, grenzüberschreitend und bekennender Lokalpatriot.“

Feine Sahne Fischfilet haben seitdem nicht öffentlich auf die erhobenen Vorwürfe reagiert.

Unter dem Post der feministischen Gruppe wurde indes die Kommentarfunktion deaktiviert. Grund seien die vielen „unangebrachten und widerwärtigen Kommentare“. Neben den Anschuldigungen bietet die anonyme Gruppe sich weiteren Betroffenen mit ihren Social-Media-Accounts und einer Mailadresse als Anlaufstelle an. In Kommentaren unter dem Post von Feine Sahne Fischfilet wird mehr Solidarität mit Opfern gefordert, die ihre Taten nicht beweisen können. Ob sich Gorkow tatsächlich strafbar gemacht hat, bleibt so offen wie sein Image angekratzt.

Hier kannst du das komplette Statement von „Keiner muss Täter sein“ lesen:

 

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Update, 1. Juni 2022: Lesereise-Termine abgesagt, Kommunikation via Social Media, und noch eine Gruppe unterstützt „Keiner muss Täter sein“

Nachdem den Anschuldigungen gegenüber Jan Gorkow eine heftige Debatte im Netz gefolgt ist, die auch seine Band Feine Sahne Fischfilet laut eigener Aussage überfordert, hat der 34-jährige Frontmann der offen linkspolitisch orientierten Punkgruppe erklärt, es gäbe „keine perfekte Lösung“ für die Situation, und hat die kommenden Termine seiner Lesereise in Hamburg, Köln, Leipzig und Münster bis auf Weiteres verschoben.

In der Zwischenzeit sind zu den bisherigen, unkonkreten Vorwürfen weitere dazu gekommen: Das linke Projekt NoBell e.V. prangert in einem Beitrag auf Instagram an, dass „Bedrohungsszenarien, Rape Culture und Victim Blaming“ in der linken Szene Rostocks seit Jahren ein bekanntes Problem seien. Das Verhalten von Jan „Monchi“ Gorkow sei darüber hinaus kein Einzelfall. kulturnews sind ebenfalls Gerüchte zu Ohren gekommen, dass Gorkow wegen Übergriffigkeiten auch in einer Hamburger Fußballkneipe auf St. Pauli Hausverbot habe.

Ihr Vorgehen und ihrer Haltung zu den Vorwürfen kommunizieren der Musiker und seine Band vornehmlich über die sozialen Netzwerke. Auch Gerüchten, zwei Bandmitglieder würden die Band aufgrund der heftigen, weiterhin ungeklärten Anschuldigungen gegen Gorkow verlassen, hat die Band auf Instagram und Facebook dementiert:

 

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