- Review
Lingua Ignota: Sinner get ready
Auf „Sinner get ready“ wendet sich Kristin Hayter alias Lingua Ignota vom Metal hin zu Country, Folk und Gospel.

Es wäre so leicht gewesen, diesen Geniestreich einfach ein weiteres Mal zu wiederholen. Auf ihren ersten beiden Alben hat Kristin Hayter alias Lingua Ignota einen ganz und gar eigenen Sound zwischen opernhafter Avantgarde, Metal und Noise erschaffen. Und jetzt: kein Rauschen, kein Feedback, kaum Lärm. Auch ihr Gesang ist auf „Sinner get ready“ beinahe lieblich und lässt ihre Fähigkeiten als ausgebildete Opernsängerin glänzen. Ausgehend von den traditionellen Instrumenten der Appalachenregion, in der Hayter zum Zeitpunkt der Entstehung des Albums gelebt hat, wendet sie sich vom Metal hin zu Country, Folk und Gospel: Diese neun Stücke atmen südstaatliches Pathos, alttestamentarische Wut und staubige Tradition. Doch wie die beiden Vorgänger „All Bitches die“ und „Caligula“ ist auch „Sinner get ready“ eine zutiefst persönliche Auseinandersetzung mit Missbrauch und untrennbar mit Hayters jahrelangen Erfahrungen häuslicher und sexualisierter Gewalt verbunden. Daher ist es so schmerzhaft, wenn Lingua Ignota diese Erfahrungen in ihrer Erkundung religiöser Motive wiederentdeckt: Unterwerfung, Sünde, Bestrafung, Erlösung und Vergeltung – diese archaischen Konzepte erhalten hier eine ganz neue Deutungsebene. Die Gefühle der Wut, der Angst und der Schutzlosigkeit, die Hayter offenlegt, werden niemanden, der dieses Album gehört hat, je wieder verlassen.
Das Debütalbum „Caligula“ von Lingua Ignota belegt in den Jahrescharts 2019 unseres Kritikers Jonah Lara die Spitzenposition.
Musik

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Hörenswert

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