MUSIK

„Consumed in Key“ von Plastikman & Chilly Gonzales: Plastik und Klavier

Portraitfoto mit Bäumen im Hintergrund: Chillt Gonzales und Plastikman alias Richie Hawtin
Foto: Camille Blake

Was haben Richie Hawtin alias Plastikman und Chilly Gonzales außer ihrer kanadischen Herkunft gemeinsam? Auf den ersten Blick: wenig. Und eigentlich bleibt das auch auf den zweiten und dritten Blick so. Auf der einen Seite Hawtin, Pionier des Minimal Techno, dessen strenge Kompositionen und Mut zur Leere seinem Publikum einiges abverlangen können. Auf der anderen Gonzales, Klaviergenie und Entertainer, der ursprünglich für seine schlechten Raps bekannt geworden ist. Dass ausgerechnet diese beiden Künstler sich nun zusammengetan haben, um Hawtins einflussreiches Album „Consumed“ von 1998 neu aufzulegen, ist im ersten Moment verwirrend.

Das darf es auch sein, denn „Consumed in Key“ ist genau genommen keine Kollaboration im engeren Sinn. Als Gonzales entschieden hat, die langen, elektronischen Stücke Plastikmans um eigene Klavierkompositionen zu erweitern, hat er das ohne dessen Wissen getan. Er hat das Album erst kurz nach dessen 20. Geburtstag zum ersten Mal gehört und konnte mit den geduldigen Rhythmen und spärlichen Melodien zunächst gar nichts anfangen. Genau aus dieser Fremdheit ist jedoch eine Faszination erwachsen, und Gonzales hat begonnen, sich zu (fast) jedem Track ein Piano-Arrangement zu überlegen. Erst der gemeinsame Freund Tiga hat Chilly und Plastikman daraufhin zusammengebracht – und das entstandene Album nun auf seinem Label Turbo Records veröffentlicht.

Es sind die Brüche, die „Consumed in Key“ von Plastikman und Chilly Gonzales so interessant machen

Hawtin hat bei der Neuauflage vornehmlich als Mixer fungiert. Dadurch stehen Gonzales’ Klavier und ebenfalls neue Cello-Passagen mal mehr, mal weniger im Vordergrund. Stellenweise, etwa im vergleichsweise treibenden Titeltrack, ist die Kombination aus alt und neu sehr organisch. Dagegen wird im langsam anschwellenden Opener „Contain“ sehr deutlich, dass das Klavier eigentlich ein Fremdkörper ist. Doch genau die Brüche machen „Consumed in Key“ so interessant: Es ist, als könnten wir Gonzales beim Hören von Plastikmans Original zuhören – und so nicht nur eine neue Seite an besagtem Meilenstein, sondern an beiden Künstlern entdecken.

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