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TV-Tipp: „No Country for old Men“, das Meisterwerk der Coen-Brüder

No Country for Old Men
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Der Sheriff gibt per Telefon die Festnahme des gesuchten Killers Anton (Javier Bardem) durch. Hinter ihm, in der Unschärfe, steigt Anton über seine auf den Rücken gefesselten Hände. „Alles unter Kontrolle“ sagt der Sheriff, legt auf; im selben Moment zieht ihm der Killer von hinten seine Handschellen über den Kopf, reißt ihn zu Boden, erwürgt ihn. Der Sheriff strampelt wie ein Insekt, die Kamera fährt auf Antons Gesicht. Er blickt zur Seite, in den aufgerissenen Augen liegt entspannte Entschlossenheit und ein Hauch von Genuss.

Allein in dieser Szene, so simpel wie eindrucksvoll inszeniert, zeigt sich die Meisterschaft der Coen-Brüder, die sie in so manchen Filmen vermissen ließen. Wie niemand sonst verstehen sie es, sich nicht nur auf das Wesentliche zu konzentrieren, sondern auch das nur so anzudeuten, dass ein präzises Bild erst im Kopf des Zuschauers entsteht.

Wenn der Taugenichts Llewelyn (Josh Brolin) einen Geldkoffer aus einem geplatzten Drogendeal findet und fortan von der Polizei und Killer Anton gejagt wird, dann reichen den Coens Bremsgeräusche und rostrot aufwirbelnder Wüstenstaub. Kein Verfolger könnte bedrohlicher aussehen – und pittoresker.

Mit diesem mythischen Thrillerdrama ist den Coens eine grandiose Hommage an die Western von Sam Peckinpah und Sergio Leone gelungen, aufgemischt von moralischer Unruhe über ein Land, das sich vor lauter Besitzstandswahrungsängsten mit Schusswaffen überversorgt und nun zu leben verlernt hat. „No Country for old Men“ war 2007 der beste Coen-Film seit „Fargo“ – und ist bis heute einer der besten Thriller aller Zeiten. (rk)

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