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7 Gründe, warum der Grinch zum Kultphänomen der Weihnachtszeit geworden ist

Er hat keinen Zauberstab, keine Superkräfte und seine große Tat ist ein Diebstahl. Trotzdem gehört der Grinch seit Jahrzehnten so selbstverständlich zu Weihnachten wie Lichterketten und Lebkuchen. Dass eine mürrische grüne Figur aus einem Kinderbuch von 1957 zum Kultphänomen wurde, ist kein Zufall.
Die folgenden sieben Gründe gehen dem nach: von der schlechten Laune seines Erfinders über die Farbwahl eines Zeichentrick-Regisseurs bis zu Kinorekorden und Pullovern im Kleiderschrank. Manches davon hat mit Weihnachten wenig zu tun und viel mit der Frage, warum wir ausgerechnet den Griesgram so mögen.
1. Sein Erfinder war selbst ein bisschen Grinch
Theodor Seuss Geisel, besser bekannt als Dr. Seuss, schrieb den Grinch nicht aus der Distanz. Nach eigenen Worten blickte ihm beim Zähneputzen am Morgen des 26. Dezember ein ziemlich grinchiges Gesicht aus dem Spiegel entgegen. Mit Weihnachten, so seine Erkenntnis, war etwas schiefgelaufen, oder wahrscheinlicher mit ihm selbst. Die Geschichte war sein Versuch, etwas von dem wiederzufinden, was ihm abhandengekommen war.
Das merkt man der Figur an. Der Grinch war laut Bibliotheksbeschreibung der erste Erwachsene und der erste Bösewicht als Hauptfigur in einem Seuss-Buch. Geisel selbst war bei Erscheinen 53 Jahre alt, und die Zahl taucht im Text auf. Später fuhr er mit einem Nummernschild, auf dem schlicht „GRINCH“ stand. Wer sich in einer Figur so offensichtlich wiedererkennt, schreibt sie nicht als Karikatur.
2. Die Botschaft passt in jede Zeit
Das Buch erschien 1957, als Weihnachten in den USA längst ein Geschäft war, und es kritisiert genau das: die Kommerzialisierung des Festes. Der Grinch klaut Geschenke, Dekoration, sogar den Braten. Am Ende steht trotzdem das Fest, weil die Bewohner von Whoville nicht auf Päckchen angewiesen sind. Für ein Kinderbuch ist das eine ziemlich aufgeräumte Moral.
Und sie bleibt aktuell. In einer Statista-Umfrage gab rund jeder siebte Befragte in Deutschland an, Weihnachten bedeute für ihn vor allem Stress. Ein Viertel nannte zu hohe Erwartungen als Grund. Wer sich im Dezember zwischen Geschenkelisten und Terminen aufreibt, versteht den Grinch besser, als er zugeben würde.
3. Grün, Karloff und ein Ohrwurm: das Fernsehspecial von 1966
Seuss war skeptisch, als es um eine Verfilmung ging. Überzeugen konnte ihn sein Freund Chuck Jones, der Mann hinter Bugs Bunny und Road Runner. Das Ergebnis lief am 18. Dezember 1966 auf dem US-Sender CBS. Boris Karloff, der Horror-Star der Dreißigerjahre, erzählt die Geschichte und spricht auch den Grinch. Die Musik stammt von Albert Hague, die Songtexte schrieb Seuss selbst. „You’re a Mean One, Mr. Grinch“ kennt man bis heute.
Und Jones gab dem Grinch die Farbe. In der Buchausgabe von 1957 war die Figur nur in wenigen Tönen gezeichnet. Das berühmte Grün kam erst mit dem Fernsehen. Seuss soll beim Anblick von Jones’ Entwürfen gesagt haben: Das sieht nicht aus wie der Grinch, sondern wie Jones selbst. In den USA gilt das Special bis heute als traditioneller Auftakt der Weihnachtsprogramme im Fernsehen.

4. Jim Carrey macht ihn zum Kinostar
Im Jahr 2000 holte Ron Howard den Grinch auf die Leinwand, mit Jim Carrey unter dicker Maske und Anthony Hopkins als Erzähler. Der Film spielte weltweit rund 345 Millionen US-Dollar ein und war in den USA der erfolgreichste Film des Jahres. Für viele deutsche Kinogänger war es die erste Begegnung mit der Figur. Die Buchvorlage kam hierzulande laut Filmportal erst im Zuge dieser Verfilmung breiter auf den Markt.
Carreys Grinch ist überdreht, boshaft und seltsam verletzlich. Er erzählt eine Vorgeschichte, die im Buch fehlt, und macht damit aus dem Ekel einen Menschen mit Kränkungen. Auch das hat zum Kult beigetragen: Der Grinch ist nicht nur böse, sondern erklärbar.
5. Der Rekord von 2018
Noch einmal ein Jahrzehnt-Sprung: 2018 brachte das Studio Illumination, bekannt für „Ich – Einfach unverbesserlich“ und die Minions, eine Animationsversion in die Kinos. Benedict Cumberbatch spricht im Original, in der deutschen Fassung leiht Otto Waalkes dem Grinch seine Stimme. In Deutschland startete der Film am 29. November 2018.
Das Ergebnis überraschte selbst die Branche. Bei einem Budget von 75 Millionen Dollar spielte „Der Grinch“ weltweit über 500 Millionen ein und wurde damit zum erfolgreichsten Weihnachtsfilm aller Zeiten. Er überholte „Kevin – Allein zu Haus“, der auf rund 477 Millionen kam. Dass ein Spielverderber so viele Menschen in die Kinos lockt, sagt einiges über unser Verhältnis zu den Feiertagen.
6. Man kann ihn tragen
Zum Kult gehört, dass man dazugehören will. Wer den Grinch nicht nur sehen, sondern anziehen möchte, landet früher oder später bei einem Grinch-Pullover. Beim Flensburger Shop SillySanta gibt es dafür eine eigene Rubrik für Herren, darunter den „Merry Grinchmas“-Pullover und einen weiteren Weihnachtspullover mit dem Grinch. Dazu kommen ein Weihnachtspyjama, HappyHoodies in Grün und Rot, Weihnachtssocken, Hausschuhe und ein Who-Ville-University-Sweatshirt, das augenzwinkernd auf die Heimatstadt des Grinch anspielt.
Die Preise liegen bei den Pullovern derzeit bei 60 bis 65 Euro, bei Socken und Hausschuhen bei rund 30 Euro. Erhältlich sind die Teile laut Filter in Größen von XXS bis 4XL. Ein Hinweis: Der „Merry Grinchmas“-Pullover war bei der letzten Prüfung nur noch in Restgrößen verfügbar, bei knappen Größen lohnt also Schnelligkeit. Für Familienlooks gibt es eigene Rubriken für Damen und Kinder. Der Versand dauert zwei bis drei Tage; das Rückgaberecht beträgt 100 Tage.
Das Konzept leuchtet ein: Der Grinch ist das ideale Motiv für Menschen, die Weihnachten mögen, aber nicht kitschig feiern wollen. Ein grüner Pullover sagt: „Ich bin dabei, aber auf meine Art.
7. Er ist unser Weihnachtsmuffel
Der Grinch hat es in den Alltag geschafft. Im Englischen bezeichnet man als Grinch jemanden, der anderen die Freude verdirbt. Im Deutschen gibt es dafür den Weihnachtsmuffel, und die beiden Figuren sind inzwischen beinahe austauschbar. Wer Glühwein ablehnt und lieber zu Hause bleibt, bekommt schnell den Beinamen verpasst.
Das Schöne daran: Man darf sich damit identifizieren, ohne das Fest an sich abzulehnen. Hinter dem Grinch steckt, ähnlich wie hinter vielen Muffeln, womöglich eine eigene Geschichte. Auch jenseits der Mode hat der Handel das erkannt. Es gibt Kalender für Weihnachtsmuffel, Tassen mit dem grimmigen Gesicht und ein Grinch-Set aus Likör, Senf und Salzfässchen unter dem Motto „Weihnachten fällt aus“. Eine Figur, die sich so gut vermarkten lässt, muss etwas Wahres treffen.

Fazit
Der Grinch ist deshalb so erfolgreich, weil er mehrere Geschichten in einer erzählt: die eines mürrischen Autors, die einer Gesellschaft, die Weihnachten manchmal überfrachtet, und die einer Figur, die sich am Ende verändert. Dass er dabei grün ist, laut spricht und auf jedem Pullover gut aussieht, hilft. Fast siebzig Jahre nach seinem ersten Auftritt ist der Griesgram vom Berg Crumpit damit so etwas wie der ehrlichste Gast beim Fest.