FILM

Zwölf Runden gegen Diskriminierung

Alina, du bist wie deine Figur Ali eine Romni aus Rumänien. Hatte es für dich eine persönliche Bedeutung, die Rolle in Gipsy Queen zu spielen?

Alina Șerban: Ich las das Script und fühlte sofort: Hier ist endlich die Geschichte, nach der ich gesucht habe, seit ich denken kann. Ich habe immer davon geträumt, Geschichten von Roma – insbesondere Romafrauen – zu sehen, in denen ich mich wiederfinden kann. Leider werden wir in Filmen sonst immer entweder als exotisch oder als böse dargestellt. Beim Lesen dachte ich nur: Wow, das ist ja meine Mutter! Denn auch meine Mutter ist eine Kämpferin, und sie hat uns auch in den schwersten Situationen niemals aufgegeben. So ein Mensch ist Ali für mich.

Was zeichnet Ali aus?

Șerban: Im Spiel der Privilegien kann Ali nicht gewinnen. Sie hat keine Chance, ihrem Umfeld und dem Teufelskreis aus Armut und strukturellem Rassismus zu entkommen. Nur im Boxen findet sie eine kleine Welt, in der sie die Regeln bestimmt. Zumindest dort hat sie etwas zu sagen. Deshalb greift es auch zu kurz, den Film nur als Boxfilm zu sehen. Er ist sehr unterhaltsam, aber zugleich ist er ein Liebesbrief an alle, die kämpfen müssen – Immigranten, Frauen, Women of Color, alleinerziehende Mütter. Ich glaube, die Kraft des Films liegt darin, wie universell seine Botschaft ist: Obwohl er einerseits eine sehr spezifische Geschichte erzählt, können sich alle Zuschauer darin wiederfinden.

Trotzdem spielt auch das Boxen eine zentrale Rolle in „Gipsy Queen“. Hattest du vor dem Dreh jemals geboxt?

Șerban: Nein, überhaupt nicht! Das ist das Verrückte. Auch heute noch kommt es mir so vor, als sei das alles einer anderen Person passiert. (lacht) Ich sehe die Aufnahmen und denke: Bin das wirklich ich? Insgesamt habe ich vielleicht sechs Monate trainiert, bevor wir angefangen haben zu drehen. Meine Trainerin war Maria Lindberg, eine wunderbare Person und Boxweltmeisterin, die auch meine Gegnerin im Film spielt. Am Ende treten wir ja im Ring gegeneinander an – das ist die längste ungeschnittene Boxszene, die es je in einem Film gegeben hat. Wir haben sie ganz am Schluss gedreht, und alle waren sehr nervös. Es war unglaublich heiß und stickig im Raum, man konnte nicht atmen. Bis heute habe ich keine Ahnung, wie ich das geschafft habe. Ich glaube, meine Vorfahren haben mir beigestanden.

Interview: Matthias Jordan