„Als wäre es leicht“: Viel mehr als nur ein sensibler Liebesfilm
„Als wäre es leicht“ heißt das Filmdebüt des Regisseurs Milan Skrobanek. Die Liebesgeschichte von Kati und Florian ist so zärtlich wie komplex – auf vielen Ebenen.
Die gehörlose Kati und der blinde Florian verlieben sich und gehen nicht nur durch die Höhen und Tiefen einer jungen Beziehung. Denn: Regisseur Milan Skrobanek erzählt in seinem Debüt zärtlich eine Liebesgeschichte, aber auch ungeschminkt die Probleme der beiden mit den Anforderungen der Außenwelt, wenn diese mit der Haltung und den Lebenszielen von Kati und Florian kollidieren. „Als wäre es leicht“ kommt jetzt in die Kinos.
Dass beide nicht die einfachsten Menschen sind, wird schon in den ersten Minuten klar. Der Mann bei der Agentur für Arbeit macht den blinden Florian rund, weil der immer wieder alle Angebote eines Jobs sabotiert. Florian will lieber weiterhin Stadionkommentator für Sehbehinderte beim FC St. Pauli sein – dumm nur, dass dieser Job unentgeldlich ist und die Arbeitsagentur weiterhin das volle Bürgergeld zahlen muss. Kati ist Fotografin und verdient ihr Geld mit Aufträgen für Familienfeiern. Für eine eigene Wohnung reicht es aktuell noch nicht, Hilfe von den Eltern will sie aber auch nicht annehmen, denn mit der Mutter liegt sie absolut überquer. Dann lernen sich Kati und Forian kennen, als die Arbeitsagentur Florian zu einem Job im Dialoghaus Hamburg verpflichtet.
„Als wäre es leicht“: So zärtlich wie ruppig
Regisseur Milan Skrobanek hat bisher nur Dokumentarfilme gedreht. In seinem ersten Spielfilm bedient er sich unterschiedlichster Mittel, um zu erzählen. Die sich entwickelnde Liebe zwischen Kati und Florian wird von Katis Seite mit größter Nähe der Kamera gezeigt. Sie streift mit Katis zärtlichem Blick über Florians Körper, seine Haut bis in die Unschärfe der extremen Nähe. Richtet sich die Kamera auf den blinden Florian, so zeigt sie seine Verletzlichkeit, die aus der Blindheit resultiert, auch seine manchmal auftretende Unbeholfenheit fängt sie ein, was durchaus auch für komische Momente sorgen soll: So versagt Florian beim gemeinsamen Bouldern von Gehörlosen und Blinden, weil er bei einem Absturz nicht rechtzeitig absichert – nicht seine Schuld, Katia war mehr mit ihrem Blick auf Florian geschäftigt als auf den kletternden Gehörlosen und hat Florian nicht gewarnt. Katias Behinderung fängt Milan Skrobanek ein, indem er den Ton immer wieder in Dumpfheit wegsacken lässt, bis man überhaupt nichts mehr versteht, während Florians Blindheit ausschließlich von außen gezeigt wird bis hin zum gemeinsten Moment Katis Florian gegenüber, der gleichzeitig der Moment von Florians größter Verletzlichkeit ist. Überhaupt: „Als wäre es leicht“ schont seine Heldin und seinen Helden überhaupt nicht. Die Beziehung der beiden leidet sowohl durch die Härte Katis, die diese sich aneignen musste, um im Leben zu bestehen, als auch durch Florians Ausbrüche an Aggression. Sein Bruch mit der Familie wird zwar nicht deutlich erklärt, aber in die Handlung implementiert. Katis Abgrenzung von ihrer Famlie wird deutlicher gezeigt, ihre Nähe zum rückhaltlos liebenden Vater und ihre Distanz zur Noch-immer-Helikoptermutter. Als Kind musste sie auf Druck der Mutter sprechen lernen, jetzt kommuniziert sie mit ihren Eltern nur noch per Gebärdensprache, obwohl sie sprechen kann.

Inklusion beim Drehen und im Kino
David Knors und Cindy Klink sind die perfekte Besetzung für Florian und Kati. Cindy Klink spielt den aktiveren Part der beiden so zärtlich wie später rigoros zurückweisend, David Knors bringt den wegen seiner Blindheit stärker behinderten Florian in aller Verletzlichkeit differenziert auf die Leinwand, und dass seine Figur mehr als nur verletzlich und sensibel ist, zeigen Florians aggressiven Ausbrüche nicht nur gegenüber seinem Bruder. Die Behinderung von Knors und Klink im realen Leben und ihre Hauptrollen in disem Liebesfilm sind ein Novum: „Als wäre es leicht“ ist der erste deutsche Film überhaupt, in dem Behinderung nicht nur die Handlung bestimmt und eine zweite Ebene neben dem Liebesfilm etabliert. Noch einmal darüber hinausgehend heißt es in der Pressenotiz: „Da der Film Inklusion und Barrierefreiheit nicht nur thematisieren, sondern auf allen Ebenen der Produktion und Auswertung konsequent umsetzen möchte, wird der Film mit Untertiteln für gehörlose und schwerhörige Menschen in den Kinos gezeigt. Blinde Menschen können den Film per Audiodeskription über die Greta App barrierfrei erleben. Auf diese Weise soll allen Besucher*innen ein bestmögliches Kinoerlebnis ermöglicht und ein Zeichen für Diversität und kulturelle Teilhabe gesetzt werden.“