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Amanda Gorman: Wer ist die junge Poetin von Bidens Amtseinführung?

Amanda Gorman steht in einem gelben Oberteil auf einem Podium.
Amanda Gorman in der Library of Congress 2017

Nach ihrem Auftritt bei der Amtseinführung von Joe Biden ist die Aufmerksamkeit groß: Amanda Gorman ist die jüngste Poetin, die je bei der Inauguration eines Präsidenten in den USA gesprochen hat. In ihrem Gedicht „The Hill we climb“ sprach die 22-Jährige über die Last, die auf der neuen Präsidentschaft läge, die Schwierigkeiten der Vergangenheit, aber auch die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Das bringen auch die am häufigsten zitierten Zeilen ihres Gedichts zum Ausdruck: „For there is always light, if only we’re brave enough to see it, if only we’re brave enough to be it“ – denn es gibt immer Licht, wenn mir nur mutig genug sind, es zu sehen, wenn wir nur mutig genug sind, es zu sein.

Der Auftritt bei der Inauguration des neuen Präsidenten wird die Karriere von Gorman mit Sicherheit stark vorantreiben. Doch auch wenn es sich bei ihrem Auftritt bestimmt um einen Höhepunkt im Leben der Künstlerin handelt, las sich ihre Biografie schon davor wie eine Erfolgsgeschichte.

Wer ist Amanda Gorman?

Gorman wuchs in Los Angeles mit zwei weiteren Geschwistern bei ihrer alleinerziehenden Mutter auf. In ihrer Kindheit litt sie unter einer Sprachstörung und widmete sich dem Schreiben, um einen Umgang damit zu finden.

Sie selbst habe ihre Störung jedoch nie als Schwäche gesehen. In einem Interview mit der Los Angeles Times erzählt sie: „Es hat mich zu der Performerin und der Geschichtenerzählerin gemacht, die ich sein möchte. Wenn du dir selbst beibringen musst, bestimmte Klänge auszusprechen, wenn du dich stark mit der Aussprache auseinandersetzen musst, gibt dir das ein gewisses Bewusstsein für den Klang, für die Hörerfahrung.“

Im Alter von 14 Jahren nahm Gorman an einem Mentorinnennprogramm mit dem Titel WriteGirl teil, das junge Frauen dabei unterstützt, sich kreativ auszudrücken. Die ersten Erfolge ließen nicht lange auf sich warten: Im Jahr 2014 wurde die damals 16-Jährige als youth poet laureate der Stadt Los Angeles ausgezeichnet – als erste Person überhaupt. Im darauffolgenden Jahr veröffentlichte Gorman ihren ersten Gedichtband mit dem Titel „The One for Whom Food Is Not Enough“.

Nach ihrem Abschluss an einer Privatschule in Santa Monica erhielt Gorman ein Stipendium der privaten Milken Family Foundation und entschied sich, Soziologie in Harvard zu studieren. Noch während ihres Studiums wurde sie 2017, wieder als erste Person jemals, als national youth poet laureate ausgezeichnet. Im gleichen Jahr eröffnete sie als erste Jugendpoetin die jährliche Literatursaison der Kongressbibliothek in Washington. Ihr Studium schloss Gorman erst kürzlich mit cum laude ab.

Mit ihrem Auftritt bei der Inauguration Joe Bidens hat Amanda Gorman ihrer Karriere einen weiteren Höhepunkt hinzugefügt. Lob erhielt sie unter anderem vom ehemaligen Präsidenten Barack Obama sowie dem Musiker John Legend.

Und auch für die Zukunft hat die Poetin große Pläne. In ihrem Gedicht sprach sie darüber, dass ein Mädchen wie sie heute in der Lage sei, davon zu träumen, Präsidentin zu werden. Die Zeile bezieht sich auf Gorman selbst. Denn eines Tages möchte sie erneut bei der Amtseinführung vor dem Kapitol in Washington dabei sein – dann jedoch als Präsidentin.