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„American Sweatshop“: Gewalt im Auge des Betrachters

Der Thriller „Amercian Sweatshop“ der Regisseurin Uta Brieswitz läuft ab dieser Woche in den Kinos.
Der Thriller „Amercian Sweatshop“ der Regisseurin Uta Brieswitz läuft ab dieser Woche in den Kinos. (Foto: Plaion Pictures / © Guido Marx)

Was geschiet mit Menschen, die Gewalt aus dem Netz entfernen? Der Thriller „American Sweatshop“ schaut genau in einen dieser Sweatshop genannten Räume wo „Content Moderatoren“. sich alles anschauen müssen.

Uta Briesewitz sagt zu ihrem Film: „American Sweatshops gibt es wirklich. Die Menschen, die dort arbeiten, sind real. Ihr Schmerz ist real.“ Die deutsche Regisseurin, die schon seit Jahrzehnten in den USA lebt, hat einen solchen Raum zu schockierendem Leben erweckt. Ihr Film „American Sweatshop“ über Menschen, die das Internet von brutalen Videos säubern, läuft jetzt in den Kinos.

Lili Reinhart („Hustlers – Rache ist sexy“, „3 Engel für Charlie“) spielt mit Daisy eine irgendwo in den USA arbeitende Content-Cleanerin in einem Großraumbüro. Wobei Cleanerin schon wieder der falsche Begriff ist, wie Daisys Chefin (Christiane Paul, „Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße“, „Hijack“) nicht müde wird zu sagen, Moderatorin sei der richtige Begriff. Begründung: Die Firma übt keine Zensur aus. Das ist eine absicherung, denn übertrieben schnell gelöschte Videos können ein teures Nachspiel haben, wenn die Reinigungsfirma von den Besitzern des Videos verklagt wird. Obwohl „American Sweatshop“ meistens im Großraumbüro spielt, wo mal in den Mülleimer gekotzt, mal einfach nur geweint wird oder ein Nervenzusammenbruch die Folge eines brutalen Videos ist, werden diese Videos im Film nicht gezeigt. Wie Uta Briesewitz das gemacht hat, erzählt die Regisseurin in unserem Interview, das Sie hier lesen können. Dass beim Schauen der Eindruck entsteht, die Videos zumindest in Schnipseln zu sehen, ist eine Sinnestäuschung, die noch von den entstellten Gesichtszügen der Moderatorinnen und Moderatoren unterstützt wird. Während ihre Kolleginnen und Kollegen einfach nur ihren Job möglichst unbelastet abarbeiten möchten – es gelingt ihnen aber absolut nicht –, kann Daisy so nicht weitermachen. Ihr Berufswunsch war eh seit langem Krankenschwester. Aber jetzt kommt noch das Hammer-Video hinzu, ein Video, das sie endgültig an ihre Grenzen bringt.

Daisy konfrontiert den vermeintlichen Täter mit seinem Gewaltvideo. Der Trhiller „Amercian Sweatshop“ läuft ab dieser Woche in den Kinos.
Daisy konfrontiert den vermeintlichen Täter mit seinem Gewaltvideo. Der Trhiller „Amercian Sweatshop“ läuft ab dieser Woche in den Kinos. Foto: Foto: Plaion Pictures / © Guido Marx

„Amercian Sweatshop“: Wenn die Seele nicht mehr durchhält

Daisy, die privat inzwischen unzuverlässig wird und ein Kind, das ihr anvertraut wurde, allein lässt; die einen Kollegen nach einer Schusswaffe fragt und einen anderen bittet, die Adresse zu einer IP-Adresse zu ermitteln. Die plötzlich einen Mann niederschlägt, der sie lediglich etwas unbeholfen angesprochen hat: Daisy beginnt zu handln und begibt sich selbst in Lebensgefahr. Unter der Regie von Uta Briesewitz zeigt Lili Reinhart dieses Brüchigwerden der Heldin ganz sachte und ohne überzogene Thrillerelemente. So wie Brisewitz Gewalt nur in schnellen Schnitten oder als Widerspiegelung in der Iris des Auges zeigt, so wenig ist „American Sweatshop“ ein echter Thriller. Und doch ist es einer; aber einer, der sich fast vollstänig in den Köpfen der Zuschauenden abspielt. Manchmal erinnert das an Michael Hanekes unerträglich gewalttätige Filme wie „Funny Games“ oder „Bennys Video“, in denen aber keine Sekunde Gewalt gezeigt wird, manchmal ist es einfach das Drama über einen Menschen, der seine Ohnmacht im Beruf überwinden muss, um wieder frei leben zu können. Dass „American Sweatshop“ auch eine überaus deutliche Kritik an den Zuständen im Netz ist, müsste eigentlich gar nicht erwähnt werden, soll hier aber dennoch nicht unter den Tisch fallen.

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