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Annie Taylors neue Single „The Fool“: Einfach komplex

Annie Taylor mit Band
Foto: Claudia Knöpfel

Annie Taylor wissen auch ohne große Gesten Atmosphäre zu erzeugen: ein wenig Overdrive auf der Gitarre, ein knurrender Bass und eine im Ohr bleibende Melodie im Refrain reichen aus, um  unmissverständliche Kopfnicksignale an die Nackenmuskulatur zu senden. Die neue Single „The Fool“ ist gänzlich unprätentiöser Indierock: schnörkellos, unaufgeregt, aber dennoch eigen und catchy.

„Für mich ist ,The Fool‘ definitiv der bedeutungsvollste Song der Platte“, erzählt Sängerin Gini Jungi. „Ich habe ihn mit großem Herzschmerz geschrieben und erinnere mich daran, dass sogar ein paar Tränen vergießen musste, als ich ihn die ersten Male auf der Gitarre gespielt hatte. Es geht um die Sehnsucht nach jemandes Liebe und wie man sich selbst dabei erwischt, dass man sich stets ziellos im Kreis dreht und sich so selbst zum Narren macht.”

Bereits im letzten Jahr ist der Song auf dem Annie Taylors Debütalbum „Sweet Mortality“ erschienen. Nun hat die Schweizer Band ihn mit einem Video versehen – und auch das kommt, wie der Song selbst, ohne unnötiges Spektaktel aus.

Wirklich viel geschieht in dem Video nämlich nicht: Die Mitglieder von Annie Taylor sitzen in einem dunklen Raum und starren auf einen alten Fernseher, während Sängerin Gini Jungi symbolisch auf einem Fahrrad Kreise um sie zieht. Der Kniff: Die Bilder des Fernsehers geben wieder, was sich auf einer Bühne direkt vor den Betrachtenden abspielt.

Bühne? Fernseher? Aufmerksamkeit? Ein medienwissenschaftliches Studium ist wohl nicht notwendig, um zu verstehen, dass auch eine gewisse Medienkritik in dem Video eine Rolle spielt. Und genau hier schließt sich auch der Kreis zum Song: Denn Komplexität ist nicht immer eine Frage von großen Arrangements oder Spezialeffekten. Manchmal reicht eine gute Idee – und das Vertrauen in die eigene Handschrift.

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