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Back to the Blues

Mit der East Blues Experience kehrt eine Ostlegende zurück – und verpasst der Musik des Westens ein Upload. Von Ron Haller

Nennen wir’s zur Annäherung mal Bluesrock. Und dann Rolle rückwärts: Ende 1990er, deutsche Wiedervereinigung, auf einmal gibt es eine Musikszene in Berlin, die sich aus einem Fundus von Musikern speist, die in der DDR ebenso hart gearbeitet hatten wie ihre Kollegen im Westen. Peter Schmidt, der mit der Potsdamer Band Handarbeit im Osten unterwegs gewesen war, formiert die East Blues Experience und geht bei der Namensgebung keine Kompromisse ein: Die eigene Herkunft muss aufs Plakat, die musikalische Richtung wird auch programmatisch im Namen genannt. Sie spielen Blues in allen denkbaren Spielarten. Vieles muss sich da hinruckeln in den turbulenten frühen 90ern, es gibt diverse Personalwechsel, bis neben Schmidt schließlich nur noch Jäcki Reznicek von der ursprünglichen Besetzung übrig bleibt. Detailverliebte Ostalgiker wird es interessieren, dass Reznicek aus dem Umfeld von DDR-Bands wie Silly, Pankow und Veronika Fischer stammt. Schmidt und seine Mitmusiker erackern sich eine solide Fanbase, indem sie überall dort auftauchen, wo Bands wie ZZ Top, Molly Hatchett oder aber Uriah Heep und Jethro Tull als Headliner auf den Festivalbühnen stehen. 30 Jahre später, nach weiteren Umbesetzungen und schöpferischen Pausen, ist die East Blues Experience zurück mit einem Album, das den Titel „Make it better“ trägt – der aber ebenso gut „We made it better“ lauten könnte.

Es zahlt sich aus, dass die Blues Experience so ziemlich alles Genretypische ausprobiert, vieles davon wieder über Bord geworfen und das Beste aus allen Welten zu einer Produktion zusammengeschnürt hat, die sehr US-amerikanisch klingt, ohne sich mit irgendjemandem messen zu wollen. Dabei sind die Vergleiche so evident, dass ausnahmsweise mal ein wenig Namedropping zugestanden werden sollte: Hardrock, der es locker mit Black Country Communion aufnehmen kann. Zweistimmige Gitarrenparts in der Tradition der Allman Brothers, eine Spur Frampton, aber auch immer wieder traditionellere Shufflenummern („The last Laugh“), wie sie einst B.B. King gespielt hat. Mitterweile ist Adrian, der Sohn von Drummer Ronny Dehn, als zweiter Gitarrist mit von der Partie. Der macht im Rund der in Ehren ergrauten Herren eine formidable Figur – und bringt an der Pedal-Steel-Gitarre noch eine zusätzliche Farbe ins Spiel. Peter Schmidt hat die meisten Texte geschrieben, doch die Band bedient sich auch gern mal bei Neil Young: „For the Turnstiles“ funktioniert auch ohne Banjo und ohne Youngs sägendes Falsett. Schmidts Stimme ist meist eher im leicht knödeligen Register John Hiatts angesiedelt und fühlt sich in den tiefen Lagen am wohlsten. Zwischendrin wird’s dann auch mal Deutsch: „Himmelblau“ ist ein Song, auf den Peter Maffay mit Neid im Blick schielen dürfte. Die East Blues Experience tourt in diesen Tagen. Erst mal zwischen Stralsund, Magdeburg und Dresden, ausschließlich im Osten. Okay, der Name verpflichtet – doch auf diese Band werden sich ganz sicher auch die Fans zwischen Freiburg und Norddeich freuen.