Benno Fürmann

Richtig viele Filme dreht er nicht mehr. So ist das halt, wenn man Daddy ist. Benno Fürmann hat akzeptiert, dass eine andere Musik spielt, wenn man vom Solokünstler zum Trio wird. Passend dazu schmettert Fürmann im Kriegsdrama „Merry Christmas“ als Operntenor liebliches Liedgut ins Parkett

_ulysses: Benno, singst im Film nicht selber …

Benno Fürmann: Wer sagt das? Manchmal erkennt man bei sich als Schauspieler eine Brillanz, der man sich vorher gar nicht bewusst war. (lacht) Auch wenn ich nicht gesungen habe, war es trotzdem eine Menge Arbeit und alles andere als einfach. Ich musste ein sechswöchiges Gesangstraining in Berlin und Paris absolvieren und die Techniken eines Opernsängers lernen, um am Set authentisch agieren zu können.

_ulysses: Wo lagen die Schwierigkeiten?

Fürmann: Als Schauspieler muss ich die Spannung im Gesicht und im Hals halten und meine Lippen synchron bewegen können. Das schafft man nicht, wenn man nur halbherzig mitsummt. Ich habe großen Respekt vor jedem Tenor, der es trotz dieses doch sehr technischen Vorgangs schafft, sein Herz und seine Seele in einen Song zu bringen. Ich glaube, dass meine Stimme durch das ganze Training wesentlich brauchbarer geworden ist. Zumindest ist mein Selbstvertrauen gestiegen.

_ulysses: Wie sagte bereits Friedrich Gottlieb Klopstock? „Sing, unsterbliche Seele, der sündigen Menschheit Erlösung.“

Fürmann: Singen hat ganz viel mit Gewohnheit zu tun. Man muss Töne zulassen, in sich finden und wie von selbst wieder abgeben. Der Körper ist ein Klangkörper, mit dem man arbeiten muss. Ich hatte anfangs Berührungsängste. Natürlich kannte ich Sprech- und Gesangstraining ansatzweise aus der Schauspielschule, nur habe ich mich meistens ferngehalten, wenn es darum ging, einen Frank-Sinatra-Song vor den Dozenten zu trällern. Aber als ich schließlich das sichere Ufer verließ, fühlte sich das Meer wesentlich angenehmer an, als ich es mir gedacht hätte. Ich habe gelernt: Beim Singen muss man seine Ängste beiseite lassen, damit es funktioniert. Und wenn du dann einen Song richtig laut gesungen hast, kannst du von dem Gefühl danach regelrecht high werden.

_ulysses: Welchen Stellenwert hat Musik sonst in deinem Leben?

Fürmann: Einen sehr großen. Ich habe knapp 2 000 CDs, und meine Stereoanlage ist teurer als mein Auto.

_ulysses: Ist Musik für dich eine Lebenseinstellung?

Fürmann: Nein, dafür bin ich viel zu passiv. Früher, als mir zeitweise nur dämliche Drehbücher angeboten wurden, hätte ich mir ein Leben als Musiker schon vorstellen können. Aber ich war nie konsequent genug, den Gitarrenunterricht konstant durchzuziehen. Außerdem höre ich auch zu viele unterschiedliche Musikrichtungen, um daraus einen way of life ableiten zu können. Wie heißt es in „Bittersweet Symphony“ von The Verve? „I’m a million different people from one day to the next.“ So fühle ich mich auch als Mensch, und das spiegelt sich zwangsläufig in meinem breiten Musikgeschmack wieder.

_ulysses: Vermisst du im geregelten Leben als Familienvater etwas?

Fürmann: Natürlich hat man Tage, an denen man gerne Abenteuer erleben würde, aber stattdessen seine Kleine vom Kindergarten abholen muss. Aber sobald ich sie an der Hand halte, weiß ich, warum ich mich dafür entschieden habe. Meine Familie ist das Großartigste, was mir im Leben passiert ist – und dafür nimmt man eine phasenweise Sehnsucht nach Freiheit gerne in Kauf.

Interview: Johannes Bonke

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