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„Weather alive“ von Beth Orton: Tausend Tränen tief

Beth Orton Portraitfoto im Wald
Foto: Eliot Lee Hazel

Für Beth Orton war es an der Zeit, auf ihrem neuen Album „Weather alive“ eine ernsthafte Unterhaltung mit sich selbst zu führen.

Beth Orton, wenn ich richtig gezählt habe, wird in vier deiner acht neuen Songs auf „Weather alive“ geweint. Was hat dich so traurig gemacht?

Beth Orton: Weinen ist gesund. Manchmal musst du die Tränen zulassen, um herauszufinden, was eigentlich mit dir los ist. Diese Lieder sind dunkel, hart und abgründig. Ja, das Album geht tief. Denn es bildet das Leben ab, mein Leben. Ich habe versucht, beim Schreiben so weit nach unten zu kommen, wie es geht. Es war fast wie ein Zwang, mich in der Schwermut zu vergraben.

Warum bist du so unglücklich gewesen?

Beth Orton: Es war nicht so, dass ich in einem kreativen Tief gesteckt habe. An Ideen hat es mir nicht gefehlt. Aber persönlich war ich vor einigen Jahren förmlich vor die Wand gefahren. Ich hatte zwei damals noch recht kleine Kinder, wir waren wieder nach London gezogen – und da habe ich irgendwie festgesteckt. Parallel habe ich mein Leben umgestellt und auf Alkohol und Ausgehen verzichtet. Es hat gedauert, bis ich mich damit anfreunden konnte. Schließlich habe ich angefangen, diese Songs zu schreiben, um mit mir selbst eine ernsthafte Unterhaltung zu führen.

„Ich habe mich in die Ecke gedrängt gefühlt. Doch ich wurde auch trotzig.“ Beth Orton im Interview über ihr neues Album „Weather alive“.

Was hast du mit dir besprochen?

Beth Orton: Dass ich gegenüber meiner Familie Verantwortung trage. Meine Kinder sind jetzt größer, Nancy ist 15, Arthur ist 11. Du siehst an den Kindern, wie schnell die Zeit vergeht und wie schnell du selbst älter wirst. Gedanken wie diesen habe ich aufgeschrieben und in die Lieder einfließen lassen. Darin habe ich Beruhigung und Trost gefunden.

Die meisten Stücke von „Weather alive“ hast du in eurer Gartenlaube auf einem alten, halb kaputten Klavier geschrieben, das du im Camden Market erstanden hast.

Beth Orton: Das Instrument hat mir Frieden und Freude gebracht. Ich habe darauf wie in Trance komponiert und durch die Songs erkannt, wie niedergeschlagen ich gewesen bin. Schließlich hat mich auch noch meine Plattenfirma rausgeschmissen. Ich habe mich in die Ecke gedrängt gefühlt. Doch ich wurde auch trotzig. Irgendwann konnte ich gar nicht mehr anders, als mir selbst zu vertrauen.

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