„Boglands – Die Tote im Moor“ bei Arte: Raues, graues Irland
Ein Leichenfund im Moor reißt alte Wunden auf und bringt ein nordirisches Dorf aus dem Gleichgewicht. „Boglands – Die Tote im Moor“, ein ruhiger, eindringlicher Krimi über Schuld und Loyalität, läuft jetzt bei ARTE.
Mit „Boglands – Die Tote im Moor“ zeigt Arte eine spannende Krimiserie aus Irland, die klassische Ermittlungsarbeit mit True-Crime-Elementen verbindet. In einer abgelegenen Kleinstadt im Norden Irlands ruft ein Leichenfund nicht nur einen alten Vermisstenfall auf die Tagesordnung, sondern erschüttert auch das fragile Gleichgewicht einer eingeschworenen Dorfgemeinschaft. In nebligen Moorlandschaften entfaltet sich zwischen verdrängten Geheimnissen und persönlicher Betroffenheit ein ruhiger, aber eindringlicher Sechsteiler. Die Krimiserie ist nun zum streamen in der Arte-Mediathek verfügbar.
„Boglands“: Wenn die Vergangenheit aus dem Moor zurückkehrt
In Carricknanaul scheint die Zeit stillzustehen. Der Alltag des Polizisten Conall Ó Súilleabháin (Dónall Ó Héalai) besteht aus Routinefällen und kleinen Vergehen. Ein Ort, an dem jeder jeden kennt und Konflikte selten offen ausgetragen werden. Diese trügerische Ruhe endet, als im Moor eine Leiche gefunden wird: Conalls Mutter Sabine (Anne Marie Bridges), die vor 15 Jahren spurlos verschwand. Offiziell von den Ermittlungen ausgeschlossen, beginnt Conall dennoch eigene Fragen zu stellen, nicht nur an sein Umfeld, sondern auch an sich selbst. Parallel dazu rollt die junge Journalistin und Podcasterin Ciara-Kate (Hannah Brady) den Fall neu auf. Mit ihren farbenfrohen Outfits ist sie in der grauen, bedrückenden Landschaft kaum zu übersehen – oft der einzige Farbakzent in einer neblichen Welt des Schweigens. Dennoch gewinnt sie schnell das Vertrauen vieler Dorfbewohner. Ihre Recherchen zeigen, wie unterschiedlich Geschichten klingen, je nachdem, wer zuhört. Während die Polizei auf Mauern stößt, öffnen sich andere bereitwillig gegenüber dem Mikrofon.

Ein Geflecht aus parallelen Ermittlungen und wechselnden Allianzen entsteht, das nach und nach die Strukturen der Dorfgemeinschaft offenlegt. Alte Loyalitäten, verdrängte Schuld und ungeklärte Machtverhältnisse wirken bis in die Gegenwart hinein. „Boglands – Die Tote im Moor“ fokussiert sich dabei auf die Frage, was passiert, wenn Vergangenheit öffentlich verhandelt wird, und welche Folgen Gerüchte, mediale Zuspitzung und vorschnelle Schuldzuweisungen für alle Beteiligten haben.
„Boglands – Die Tote im Moor“ überzeugt vor allem durch seine Stimmung. Visuell lebt die Serie stark von der irischen Landschaft. Die Moore, die raue Küste und der fast permanent graue Himmel verstärken die gedrückte Stimmung. Auch die starke Verknüpfung von persönlichem Drama und Kriminalfall sowie der interessante True-Crime-Blickwinkel durch die Podcasterin machen diesen Krimi des preisgekrönten irischen Regisseurs Philip Doherty („Redemption of a Rogue“) sehenswert. Bis zum Ende bleibt Raum zum Miträtseln, während die Serie tief in das dichte Beziehungsgeflecht des Dorfes hineinzieht. Fans von atmosphärischen Krimis, leiser Spannung und komplex gezeichneten Figuren kommen dabei voll auf ihre Kosten.