MUSIK

„Wir sind noch sehr lebendig, Darling!“

Bonnie Tyler
Foto: earMusic / Tina Korhonen

Bonnie, ist die Grundlage für das Cover von „The Best is yet to come“ ein altes Foto aus den 80ern? Du sieht darauf wirklich topfrisch aus.

Bonnie Tyler: Darling, also bitte! (lacht) Das Foto haben wir vor zwei Jahren gemacht. Aber ich stimme zu, das Cover sieht sehr nach den 80ern aus. Naja, es ist ein Gemälde, da sieht man die Falten nicht so. Aber davon abgesehen möchte ich behaupten, dass ich für mein Alter ziemlich jung aussehe – und auch junge Sachen mache.

Junge Sachen?

Tyler: Ich habe in den vergangenen zwölf Monate zwei Dinge aus der Abteilung „Besser spät als nie“ gelernt: Kochen und Schwimmen. Es war ein gutes Jahr, trotz Covid.

Lernt man Schwimmen nicht als Kind?

Tyler: Bei uns in Wales nicht. Aber jetzt wurde es wirklich mal Zeit. Im stolzen Alter von 69 Jahren! Kannst du dir das vorstellen?

Wer hat es dir denn beigebracht?

Tyler: Robert, mein Mann. Wir haben ein Haus an der Algarve in Portugal, und seit Mitte März bin ich ohne Unterbrechung dort. Wir haben einen Pool, und es ist mir einfach sinnvoll und angebracht erschienen, diesen blinden Fleck in meinem Leben jetzt anzugehen. War auch gar nicht so schwer. Irgendwann hat es „klick“ gemacht. Nur im Tiefen habe ich noch ein bisschen Angst, und im Meer zu schwimmen, traue ich mich auch noch nicht.

Dein Album heißt ja nicht ohne Grund „The Best is yet to come“. Ich nehme an, der Titel beantwortet die Frage, ob dich das Älterwerden nervt.

Tyler: Als ich den Titelsong gehört habe, wusste ich sofort: Das bin ich. Überhaupt ist das Album voll und ganz Bonnie. Ich habe es ganz kurz vor Corona mit dem Produzenten David Mackay aufgenommen. Der gute, alte David: Wir haben schon 1978 „It’s a Heartache“ zusammen gemacht. Während der Aufnahmen habe ich mich wieder so wie damals mit 26 gefühlt – so frisch und voller Enthusiasmus.

Wie hältst du deine Stimme während der Zwangspause in Schuss?

Tyler: Sie ist heute stärker als vor 40 Jahren, oder? Bei manchen Künstlern ist das einfach so. Nimm‘ Tom Jones. Tom ist 80, und er singt dir immer noch den Putz von der Decke. Jedenfalls habe ich drei Mal pro Woche eine Online-Verabredung mit meinem Gesangslehrer in England, damit die Stimme trainiert bleibt.

Musikalisch erinnert das neue Album stark an deine Songs aus den Achtzigern, als du mit „Holding out for a Hero“ und „Total Eclipse of the Heart“ extrem erfolgreich warst. Auch die Texte sind bisweilen jugendlich ungestüm.

Tyler: Ja, bei „Call me Thunder“ geht es ganz schön zur Sache. (lacht) Ich hatte erst Bedenken und habe meinen Produzenten gefragt, ob die Nummer für eine 69-Jährige nicht etwas zu wild und explizit sei. Aber David meinte nur: Quatsch, du kannst das machen. Also singe ich über das, was mein Mann und ich einst so am Strand getrieben haben – und vielleicht immer noch treiben. (lacht) Wir sind noch sehr lebendig, Darling.

The Best is yet to come ist gerade erschienen.