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Borgen: Schaubühne, Berlin

Theater oder TV? An der Berliner Schaubühne wird die dänische Serie „Borgen“ dramatisiert.

Wenn Theaterkritiker beweisen wollen, wie cool sie sind, erzählen sie auf die Frage, was ihre beeindruckendste Theatererfahrung der letzten Monate war, dass sie ein verlängertes Wochenende alle Staffeln „Breaking Bad“ geschaut hätten. Weil nämlich das Drehbuchniveau von Fernsehserien seit der Jahrtausendwende shakespearesche Höhen erklommen hätte, verschachtelt, indifferent, narrativ anspruchsvoll gehe das da zu, da käme kein Staatstheater mit.

Nun denn. Die dänische Vorzeigeserie „Borgen“ jedenfalls beschäftigt sich mit den Ränkespielen der europäischen liberalen Demokratie, Parteien und Politiker kämpfen um Mehrheiten in Parlament wie Bevölkerung, und in diesem Kampf ist ihnen jedes Mittel recht – es ist was faul im Staate Dänemark, der Shakespeare-Vergleich ist so falsch nicht. Adam Price, Jeppe Gjervig Gram und Tobias Lindholm haben die 30 Folgen von „Borgen“ virtuos komponiert, es gibt eine klare Spannungsdramaturgie, es gibt vielschichtige Identifikationsfiguren, und wenn der Stoff allzusehr menschelt, wird wieder politisch abstrahiert – ein dankbarer Theaterstoff, auf jeden Fall.

Den an der Schaubühne Nicolas Stemann bearbeitet, wobei der freilich mit virtuosen Kompositionen wenig zu tun hat und lieber die postdramatische Dekonstruktion von Stoffen pflegt

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