Brothers Keepers

Im Videoclip ist schwarze Haut cool, doch im richtigen Leben oft ein Handicap. Deshalb holt das afrodeutsche Musikerkollektiv Brothers Keepers e. V. mit Xavier Naidoo, Samy Deluxe, Denyo und anderen nun zum zweiten Schlag gegen Rassismus aus – mit der CD „Am I my Brother’s Keeper?“ Doch warum rehabilitieren sie die umstrittene Band Mia? Ein Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden Adè Bantu.

kulturnews: Adé, hast du als Vorstandsvorsitzender des Vereins eigentlich mehr zu sagen als die anderen?

Adé Bantu: Nein. Ich schlage Themen und Projekte vor, aber das können die anderen Mitglieder genauso.

kulturnews: Einige sind sehr viel bekannter als andere. Gibt es da Stress oder Reibereien?

Bantu: Bei uns absolut nicht, denn wir kennen uns schon ewig. Wenn Torch neben Xavier sitzt, dann reden sie darüber, wie Xavier als Türsteher in Mannheim gearbeitet hat – und nicht darüber, wie viele Platten er jetzt verkauft.

kulturnews: Ein gemeinsames Stück mit den umstrittenen Mia ist in Arbeit. Dabei hat die Band sogar Beifall von der NPD bekommen …

Bantu: Klar, die NPD versucht sich mit allen, die angegriffen werden, zu solidarisieren, um Aufmerksamkeit zu bekommen.

kulturnews: Aber der Verdacht liegt schon nahe, dass die Kooperation mit Brothers Keepers für Mia, die als rechts gelten, eine elegante Art ist, die Vorwürfe zu entkräften. Wer ist denn da auf wen zugegangen?

Bantu: Wir auf Mia. Die Gruppe wurde missverstanden. Sie drückt das große Bedürfnis der jüngeren Generation aus, sich mit dem eigenen Land zu identifizieren. Wenn Altlinke lieber Europäer oder Weltbürger sein wollen als Deutsche, entsteht ein Vakuum. Bevor das von den Rechten mit ihren alten, vermotteten Parolen besetzt wird, muss ich diesen Raum besetzen – und klar machen, warum ich stolz darauf bin, ein Deutscher zu sein.

kulturnews: 2002, auf eurer fünftägigen Schultour durch Ostdeutschland, habt ihr Erschreckendes erlebt. Ist dort nicht Hopfen und Malz verloren?

Bantu: Überhaupt nicht! Es gibt dort großes Engagement – aber keine Kontinuität, weil die Regierung immer wieder Projektgelder kürzt.

kulturnews: Was sollen die Politiker denn konkret tun?

Bantu: Zum Beispiel Künstler fördern, die zwei Kulturen in sich tragen. Denn Künstler geben der Gesellschaft mit ihren Visionen weitreichende Impulse.

kulturnews: Arbeitslosigkeit und rechtes Gedankengut werden oft in Zusammenhang gebracht. Wenn das so ist, sieht es aber finster aus.

Bantu: Dann hätten wir fünf Millionen Rechtsradikale! Aber Arbeitslosigkeit gleich Rechtsradikalismus: Das ist mir zu einfach. Im Zeitalter des Internets und des kompletten Informationszugangs gibt es keine Entschuldigung dafür, dass man rechts wird.

Interview: Katharina Behrendsen

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