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César Aira: Wie ich Nonne wurde

Ersparen Sie sich die Mühe, im Voraus herauszufinden, wer César Aira ist. Denn in „Wie ich Nonne wurde“, das der Matthes & Seitz-Verlag als ersten Band seiner „Bibliothek César Aira“ veröffentlicht hat, erfahren Sie eigentlich alles, was Sie über den Verfasser wissen müssen. Aira erzählt in dieser schmalen Novelle die Geschichte, wie ein sechsjähriges Mädchen zur Nonne wird, und zwar in der Form eines merkwürdig schiefstehenden Bildungsromans. Aber das ist natürlich nur die halbe Wahrheit: Tatsächlich ist das, womit der Leser es hier zu tun bekommt, eine Art Kryptobiographie, und der Erzähler vielleicht doch ein kleiner Junge namens César Aira, der von sich selbst als Mädchen spricht. Und eine Nonne gibt es natürlich auch nicht – zumindest nicht so, wie man sich das gemeinhin vorstellt. Dafür liefert das Buch einen bizarren Einblick in den unruhigen Verstand eines Kindes, in dem verspulte und sich selbst verwirrende Gedankengänge eine Schicht nach der anderen auf die Wirklichkeit auftragen, bis diese völlig deformiert ist. Bald schon wird klar: Das, was wir als Realität bezeichnen, ist für die Fantasie dieses Kindes nur bloße Formmasse, eine Wirklichkeitsebene von vielen, beliebig wegzukratzen, endlos überspielbar. Ein hartnäckiger Widerstandsgeist durchweht dieses Buch, sich von der offensichtlichen Banalität des Lebens nicht irritieren zu lassen. Da ist es selbstverständlich, dass der Autor Aira sich auf der bloßen Handlungsebene ebenfalls nicht lumpen lassen will: „Wie ich Nonne wurde“ ist geradezu bestürzend originell. Man könnte auch sagen: Weltliteratur für Abenteurer und Entdecker, nicht weniger.

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