Charlize Theron

Charlize Theron hat einmal zu oft die hübsche Blondine in einem Hollywood-Streifen gespielt. Die 28-jährige Südafrikanerin sah das ähnlich und verpasste sich einen radikalen Imagewechsel. Für „Monster“ nahm sie etliche Kilo zu und verbannte jegliche Eitelkeit aus ihrem Modelgesicht. Der Lohn: Golden Globe und Oscar.

kulturnews: Sie spielen Aileen Wuornos, eine Prostituierte, die sechs Männer umbrachte und 2002 hingerichtet wurde. Ist das eine Rolle, auf die man als Schauspielerin lange warten muss?

Charlize Theron: Genauso ist es! Ich bin froh, mal eine Rolle bekommen zu haben, in der es nicht nur darum geht, gut auszusehen. In Hollywood zählt sonst nur, wie schön und wie berühmt du bist. Damit konnte ich mich aber noch nie anfreunden. Ich bin kein Modepüppchen, sondern Schauspielerin, die bewegende Geschichten erzählen will.

kulturnews: Sie hatten also keine Bedenken, sich dermaßen verwandeln zu müssen?

Theron: Es war meine Idee, mir ein paar Kilo anzufressen, was in Hollywood einer Todsünde gleichkommt. Aber ich spiele eine Frau, die wirklich existiert hat, weshalb ich ihr auch äußerlich so nah wie möglich kommen wollte. Ihr Aussehen war der Spiegel ihrer Gefühlswelt. Sie warf ständig ihre Schultern nach vorn, um stärker zu wirken. Denn sie war eine Prostituierte von der Straße, wo man sich durchsetzen muss, um zu überleben.

kulturnews: Was reizte Sie an der Rolle?

Theron: Ich war sehr davon angetan, wie konfliktreich dieser Mensch war. Normalerweise kriegen im Filmgeschäft nur Männer wie Robert De Niro oder Dustin Hoffman solche Rollen. Für uns Frauen wird es auch zukünftig schwierig sein, in Filmen wie „Monster“ mitzuspielen. Mir fällt nur Jodie Foster ein, die eine ähnliche Figur in „Angeklagt“ spielte. Damals wusste man auch nicht, ob man sie nun mögen soll oder nicht. Als Frau hat man es immer noch schwer in Hollywood, wenn man nicht das Liebchen an der Seite des starken Helden sein will. Ich erinnere mich noch an meine Rolle in „Gottes Werk und Teufels Beitrag“. Dass ich eine verheiratete Frau spielte, die ein Verhältnis mit einem anderen hat, bereitete den Studiobossen Kopfzerbrechen. Sie wollen, dass Schauspielerinnen sofort die Sympathien der Zuschauer kriegen, was manchmal ziemlich langweilig sein kann.

kulturnews: Haben Sie Aileen vor ihrem Tod noch getroffen?

Theron: Patty Jenkins, meine Regisseurin, stand mit ihr im Briefkontakt. Ich selbst wollte sie nur kennen lernen, wenn ihre Berufung Erfolg gehabt hätte. Als es anders kam, wollte ich so respektvoll sein, ihr die letzten Stunden des Lebens mit einem Menschen verbringen zu lassen, der ihr wirklich nahe steht. Aber sie war damit einverstanden, dass ich all ihre persönlichen Briefe lese, was sehr hilfreich für mich war.

kulturnews: Können Sie nachvollziehen, warum Sie zur Mörderin wurden?

Theron: Interessant ist, dass in Amerika immer wieder betont wurde, dass sie eine Lesbe war. Damit wurde sie sofort zur Männerhasserin abgestempelt, was mir zu einfach ist. Ich glaube nicht mal, dass sie eine Lesbe war. Sie war eine Frau auf der verzweifelten Suche nach Liebe, die sie weder von ihren Eltern noch von ihren Liebhabern bekam. Verständlich, dass sie nicht wählerisch war, als sie diese Liebe endlich von einer anderen Frau bekam und sich darauf einließ. Aileen war kein schlechter Mensch, sie hat leider nur keinen anderen Ausweg mehr gefunden.

kulturnews: Als Sie 15 waren, wurde ihre Mutter von ihrem Vater attackiert und erschoss ihn in Notwehr. Nahm diese persönliche Tragödie Einfluss auf ihre Rolle?

Theron: Darüber möchte ich eigentlich nicht reden. Es war auch nicht der Grund, warum ich diese Rolle angenommen habe. Ich unterscheide stark zwischen der Schauspielerei und meinem persönlichen Leben, das nicht mehr und nicht weniger kompliziert ist als das von anderen.

kulturnews: „Monster“ wurde von einer Frau inszeniert. Glauben Sie, dass sie den Stoff sensibler angehen konnte als ein Mann?

Theron: Darüber sprach ich mit meiner Regisseurin sehr oft. Für mich ist Patty Jenkins jedoch eine universelle Filmemacherin, die jede Geschichte erzählen könnte. Ich glaube sogar, dass zukünftig noch mehr Frauen die Chance bekommen werden, ihre Vorstellungen von Filmen zu verwirklichen. Ich bin sehr aufgeregt, was diese neue Generation von Regisseurinnen demnächst vollbringen wird, und hoffentlich werde ich in manchen ihrer Filme dabei sein können.

kulturnews: Wie schwer sind Ihnen die Liebesszenen mit Christina Ricci gefallen?

Theron: Gar nicht, denn „Monster“ ist zugleich eine wunderschöne Liebesgeschichte. Wenn es um ehrliche Gefühle geht, ist es doch völlig egal, ob sich nun Mann und Frau, Mann und Mann oder Frau und Frau lieben.

Interview: Markus Tschiedert

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