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Der Tod strahlt

Die französische Regierung verlängert die Laufzeit ihrer Atomkraftwerke, Bill Gates propagiert die Kernspaltung als Rettung gegen die Klimaerwärmung, und auch in Deutschland wird immer häufiger über Atomenergie als vermeintliche Retterin des Klimas diskutiert. 35 Jahre nach dem Super-GAU von Tschernobyl und zehn Jahre nach dem Mehrfach-Super-GAU von Fukushima werden wissenschaftlich nicht haltbare Behauptungen über die angeblich klimaneutrale Stromproduktion durch Atomkraftwerke aufgestellt und dabei weder Zwischen- noch Endlagerung in die Rechnung mit aufgenommen. Die politischen Diskussionen führen aktuell in eine ganz gefährliche Richtung, weshalb dringend an Chernobyl und Fukushima erinnert werden muss.

Wo das enden kann, zeigt in diesem Monat ProSieben (12., 19. + 26. 4.) und ebenfalls ab 12. 4. Joyn free. Die HBO-Miniserie „Chernobyl“ ist Fiktion, basiert aber ganz genau auf den Tatsachen zur Kernschmelze in der damaligen Sowjetunion. Die Serie ist Katastrophenfilm, Gerichtsfilm, ein Requiem auf die Toten, im Grunde aber ein tieftrauriges Drama über den Reaktorunfall im Jahr 1986: „Chernobyl“ ist, kurz gesagt, ein kleines Juwel der TV-Kultur, mit Starbesetzung gefilmt. Die Bilder dreckig, grau und trist, die Musik der isländischen Komponistin und diesjährigen Grammy-Gewinnerin Hildur Guðnadóttir zurückhaltend emotional, nur manchmal kommen beim verzweifelten Kampf gegen die Kernschmelze Spezialeffekte zur Geltung. Feuerwehrleute, Minenarbeiter, dann die Liquidatoren, die den radioaktiven Dreck vom Dach des Reaktors räumen müssen und sich dabei alle kontaminieren – sie sind Helden in einer Situation, die sie nicht im Ansatz verstehen können.

Längst ist berechnet, in welchem Intervall ein nächster Super-GAU möglich ist, nämlich alle zehn bis 20 Jahre. Am wahrscheinlichsten wird diese Katastrophe dort stattfinden, wo die meisten Atomkraftwerke stehen: im Ländereck Deutschland, Belgien und Frankreich. Genau daneben liegt auch Luxemburg. Und weil gerade mit 35 und zehn Jahren ein Super-Jubiläum der Super-GAUs begangen wird, zeigt der Sender Arte die Dokufiktion Supergau. Die letzten Tage Luxemburgs (21. 4., 20.15; in der Mediathek vom 14. 4. bis 19. 7.). Und National Geographic wiederholt den Dokufilm Atomtod in Tschernobyl (26. 4., 22.40 Uhr). Der japanische Thriller Fukushima (neu auf DVD & BluRay von Capelight) zeigt den Einsatz der 50 Männer bis ins kleinste Detail, die nach dem Mehrfach-Super-GAU in der Anlage blieben, um das Kraftwerk zu stabilisieren. jw

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