MUSIK

Chris de Burgh: Sagen-haft!

Portraitfoto Chris de Burgh mit Akustikgitarre
Foto: Ruth Medjber

Chris de Burgh, wie haben sich die vergangenen anderthalb Pandemie-Jahre für dich angefühlt?
Chris de Burgh: Ich hatte relativ viel Glück. Die Aufnahmen zu meinem neuen Album „The Legend Of Robin Hood“ wurden am 12. März 2020 beendet. Am Tag danach war alles vorbei. Ich bin von Heathrow zurück nach Dublin geflogen und wusste sofort, dass sich die Dinge gewaltig ändern werden. Aber ich denke immer positiv und habe mich beschäftigt. Also habe ich die Geschichte von „Robin Hood“ noch weiter entwickelt, ein Buch geschrieben und es als Hörbuch veröffentlicht.
Neben dem Konzeptalbum hast du auch ein Musical über „Robin Hood“ geschrieben, das im kommenden Jahr – mit deutschen Texten – in Fulda Premiere feiern wird. Wie kam es zu der Entstehung?
Chris De Burgh: Die Macher der Produktionsfirma Spotlight hatten bereits mehrere Musicals präsentiert, und „Der Medicus“ hat mir besonders gut gefallen. Also sind wir miteinander in Kontakt getreten. Als sie mir dann auch noch berichtet haben, dass meine eigene Familiengeschichte bis in die Zeit von King John zurückgeht, war ich noch mehr interessiert. Denn mein Vorfahre Hubert de Burgh war im damaligen Königreich der oberste Justiziar – und damit der größte Widersacher von Robin Hood. Wenn es den denn überhaupt gegeben hat …

Du sagst es. Es ist nicht belegt, dass der sagenumwobene „König der Diebe“ überhaupt je existiert hat. So konntest du deine Geschichte frei erdenken und erzählen. Was für ein Typ ist Robin Hood für dich?
Chris De Burgh: Es geht nicht um eine fantastische Figur aus dem Mittelalter. Robin Hood ist bei uns kein geborener Held, kein Kevin Costner, dem alles gelingt. Wenn er aus dem Krieg zurückkehrt, leidet er unter den Dingen, die er erlebt und gesehen hat. Er ist traumatisiert wie Soldaten in der heutigen Zeit auch. Er ist ein ganz normaler Mensch mit Stärken und Fehlern. Wir wollen mit der Geschichte sagen: Es gibt viele Robin Hoods in unseren Gemeinden und Kommunen. Menschen, die täglich Gutes tun und die keiner kennt.

Wäre es nicht auch denkbar gewesen, ein Musical ausschließlich mit den Hits von Chris de Burgh zu produzieren, wie es etwa Tina Turner oder Queen gemacht haben?
De Burgh: Wir haben darüber nachgedacht, aber letztlich war ich dagegen. Als Kompromiss wurde in „Robin Hood“ nun aber aus „Don’t pay the Ferryman“ der Song „Freiheit für Nottingham“, der als Leitmotiv durch das ganze Stück führt.
Welche neue Musik interessiert dich heutzutage?
De Burgh: Ich höre kaum Radio. Heute kann jeder Künstler mit der Hilfe von Protools und technischen Tricksereien im Studio einen Hit bauen. Mir fehlt dabei die künstlerische Integrität, die ich mir glücklicherweise über die Zeit erhalten habe. Aber jede Generation wird die Beatles, die Rolling Stones und die Eagles für sich entdecken. Solange man zusammen Lieder am Lagerfeuer singen kann, habe ich Hoffnung.
Wenn dein Name fällt, fangen Menschen überall auf der Welt ungefragt an, „The Lady in Red“ zu singen. Hast du deinen Frieden damit gemacht, dass dieses Lied deine Karriere definiert wie kein anderes?
De Burgh: Als ich gestern in Berlin ein Restaurant betreten habe, hat der Kellner sofort „The Lady in Red“ auf volle Lautstärke gedreht. Das sagt wohl alles. Im Ernst: Dieses Lied hat mir alle Türen geöffnet, auch wenn ich vorher bereits mit „High on Emotion“ und „Don’t pay the Ferryman“ echte Rocksongs zu Hits gemacht hatte. Und es gibt eine klare Regel: Wer „Lady in Red“ nicht mag, der mag keines meiner Lieder!

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