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Den Oscar? Gibt’s nur bei Behinderung oder Armut!

Dallas Buyers Club läuft bei Arte und in der Mediathek.
Rayon (Jared Leto, li.) und Ron Woodroof (Matthew McConaughey, re.) sind beide HIV-infiziert und gründen gemeinsam den "Dallas Buyers Club" zur Medikamentenbeschaffung. (© Ascot Elite Foto: ZDF)

„Dallas Buyers Club“ in der Arte-Mediathek beweist wieder mal: Den Oscar kriegste nur, wenn du im Kopf oder am Körper krank bist.

„Dallas Buyers Club“ läuft am 23. März bei Arte und ist bis 22. April in der Arte-Mediathek zu finden.

Aus aktuellem Anlass: Für den Oscar-Triumph ist es oft hilfreich, Figuren mit einem körperlichen oder psychischen Krankheiten zu verkörpern: Dustin Hoffman (Autismus in „Rain Man“), Tom Hanks (aidskrank in „Philadelphia“, minderinelligent in „Forrest Gump“), Al Pacino (blind in „Der Duft der Frauen“), Geoffrey Rush (schizoaffektive Störung in „Shine“), Eddie Redmayne (ALS in „Die Entdeckung der Unendlichkeit“) oder Brendan Fraser (Adipositas in „The Whale“) bewiesen das eindrücklich.

Mach dich dünn, um dick rauszukommen

Zweiter Bildungsweg: kleine Indiedramen aus dem White-Trash-Milieu. Charlize Theron (Oscar) machte das so in „Monster“, Mickey Rourke (Nominierung) in „The Wrestler“, und auch Matthew McConaughey verfuhr 2013 nach diesem Schema und „mixte“ es mit dem Krankheits-Schema: 25 Kilo hungerte sich der sonst durchtrainierte Sonnyboy runter, um den Elektriker und Cowboy Ron Woodroof zu spielen, der sich 1985 mit dem HIV-Virus infiziert und an Aids erkrankt. Das Ende aller aus Alkohol, Drogen, Sex und Homophobie zusammengeschweißten Männerfreundschaften, nun hält man ihn für eine Schwuchtel. 30 Tage geben die Ärzte Ron noch. Doch weil er durchschaut, dass die Gesundheitsbehörde nur Medikamente zulässt, die die Phamaindustrie absetzen will, die Pillen den Kranken aber eher schaden als helfen, eröffnet er zusammen mit dem ebenfalls Aids-kranken Transvestiten Rayon (Jared Leto) einen schwungvollen Handel mit in den USA zwar illegaler, aber wirksamerer Arznei – den Dallas Buyers Club …

McConaughey kann in dem auf Tatsachen basierenden Film noch so sehr aus ausgehöhlten Augen mit trotzigem Machismo in die Welt starren, seine Denim sich um seinen einst prallen Hintern wallen, die Handkamera ausgewählt wackeln: Man merkt dem Drama von Jean-Marc Valée deutlich an, dass es Kritikerliebling sein möchte. Die Dramaturgie ist Standard, das moralische Raster simpel, McConaugheys Kraftakt lenkt die gesamte Aufmerksamkeit auf sich. Berechenbares und berechnendes Kino für die Preisverleihungen der Saison. McConaughey und Leto haben dann 2014 auch je einen Oscar gewonnen …

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