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„Playground“ von David Helbock und Camille Bertault: „Da muss man schon mithalten können!“

Der österreichische Pianist David Helbock hat ein Album mit der französischen Sängerin Camille Bertault eingespielt – und das hat ihm so einiges abverlangt.

Portraitfoto David Helbock und Camille Bertault
Foto: ACT/Joanna Wizmur

David Helbock, dein Album mit Camille Bertault heißt „Playground“ – ging es bei den Aufnahmen wie auf dem Spielplatz zu? Hat da auch mal einer dem anderen die Schaufel weggenommen, oder war’s friedlich?

David Helbock: Ach, es ging schon friedlich zu. Camille hat ja wie ich auch klassisches Klavier studiert, da war also ohnehin schon ein großer gemeinsamer Nenner da. Wir lieben beide die Klassik und die brasilianische Musik, das war eine weitere wichtige Gemeinsamkeit für das Gelingen.

Warum startet das Album mit „Frevo“, dieser so bekannten Nummer von Egberto Gismonti – bei all eurem kompositorischen Potenzial?

Helbock: Für Camille und mich war das einfach eine logische Klammer für das Album: erst die brasilianische Musik Gismontis, dann am Ende meine Komposition „Para Hermeto“. Diese Musik ist einfach der wichtigste musikalische Einfluss für uns.

Welche Herausforderung ist es für einen Pianisten, mit diesem exaltierten, spielerisch-theatralischen Vokaleinsatz von Camille Bertault mithalten zu können? Setzt das selbst experimentelles Potenzial am Flügel frei, oder hält man sich da als Begleiter vornehm zurück?

Helbock: Das ist ganz unterschiedlich gewesen – je nach Stück. Camille Bertault ist ja optisch erstmal eine eher zierliche Person, aber wenn sie auf der Bühne steht, kommt sie total aus sich heraus – da muss man schon mithalten können! Sie hat schon mit so vielen großen Pianisten gespielt, dass es im Duo mit ihr für mich wichtig ist, meine eigene Stimme, den eigenen Ausdruck zu bewahren und nicht einfach der Begleiter am Klavier zu sein.

Und das geht wie?

Helbock: Na ja, ich habe bei diesen Aufnahmen zum Beispiel zum ersten Mal einen Looper für das Klavier eingesetzt. Das hatte ich vorher so noch nie gemacht, und es hat mir die Möglichkeit gegeben, zeitweise drei Klaviere gleichzeitig zu spielen, direkt in die Saiten zu greifen und viel mit Effekten zu arbeiten. Mittlerweile bin ich so flexibel, dass ich das auch auf der Bühne machen kann.

Es ist nicht so ganz klar rauszuhören: Wie weit war das Material durchkomponiert, wo gibt es improvisatorische Elemente?

Helbock: Da sind schon viele Improvisationsteile in den Kompositionen. Camilles Scatpassagen zum Beispiel klingen zwar sehr organisiert, aber da steckt auch viel freier Gesang drin.

Wie ist es zur Auswahl der Standards und Covers gekommen?

Helbock: Na ja, Camille und ich haben erstmal viel Brainstorming reingesteckt und dabei gemerkt, dass wir ziemlich gleich ticken. Mir gefallen ihre Eigenkompositionen sehr gut, aber es war eben auch der Wunsch nach Klassik und brasilianischer Musik da.

Steht dieses Projekt für euch beide momentan im Vordergrund? Sind weitere Aufnahmen geplant?

Helbock: Weitere Aufnahmen? Nein, soweit sind wir momentan noch nicht. Aber für mich steht grundsätzlich immer das jeweils aktuelle Projekt im Vordergrund, so ist das auch bei „Playground“. Ich habe aber daneben noch mein Trio mit zwei österreichischen Bläsern, mit denen ich schon lange zusammenarbeite. Außerdem gibt es noch ein weiteres Trio mit zwei Berliner Musikern, und ich mache viele Soloprojekte. Viel zu tun also, und das ist bei Camille ähnlich. Sie arbeitet in erster Linie mit ihrem französischen Quartett.

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