„Der Klang der Stradivari“: Wahre Gefühle, echte Musik
Vier ungleiche Menschen müssen sich zusammenraufen, um ein Streichquartett zu werden. Gespielt werden sie – und die Musik – von echten Musiker:innen.
Kann man große Kunst schaffen, nur weil man Talent hat? Oder Bedarf es dazu mehr, Teamfähigkeit etwa? Diese Frage stellt Grégory Magnets Film über ein außergewöhnliches Konzert. Astrid (Valérie Donzelli) will den Traum ihres verstorbenen Vaters erfüllen, der sich zu Lebzeiten ein Streichquartett des modernen Komponisten Charlie Beaumont (Frédéric Pierrot) schrieben ließ und es nach seinem Tod ausgeführt sehen wollte – allerdings mit vier sündhaft teuren Instrumenten des legendären Geigenbauers Antonio Stradivari. Astrid hat nun das letzte der vom Vater festgelegten Instrumente aufgestöbert, gekauft und trommelt die ebenfalls vom Vater festgelegte Besetzung des Quartetts für das Konzert zusammen. Die jedoch passen höchstens theoretisch zusammen: Lise (Marie Vialle), Violincello, hatte früher was mit Peter (Daniel Garlitsky), zweite Violine, was nicht gut ausging, Apolline (Emma Ravier), Viola, ist Klassi-Influencerin ohne Konservatoriumsausbildung, was den eitlen Geck George ((Mathieu Spinosi), erste Violine, zu Spott hinreißt. Zudem wurde das Quartett noch nie aufgeführt und es gibt keine Referenz für die Musiker.
Die Uhr tickt, und Astrid greift nach Dauerzwist und null Fortschritt zur Notbremse: Sie sucht Charlie Beaumont auf, damit er dem Quartett die Richtung vorgibt. Der Eigenbrötler ziert sich erst, kommt dann doch – und gemeinsam arbeiten er und die Musiker daran, aus den vielen Dissonanzen eine unvergleichliche Harmonie zu machen … Schauspieler und Schauspielerinnen, die die Virtuosen geben und dabei mit dem Bogen irgendwie über das Streichinstrument wischen? Weit gefehlt. Magnet hat für die Rollen echte Musiker und Darsteller mit klassischer Ausbildung rekrutiert, alle spielen ihre Instrumente wirklich – und das verleiht diesem Kampf mit dem musikalischen Leviathan eine Glaubwürdigkeit, die mitreißt.