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„Die Aussprache“ bei Arte: Voll #MeToo? Viel zu zaghaft!

Die Aussprache läuft bei Arte.
Salome (Claire Foy, Mi.) ist entschlossen, ihr Kind zu schützen. (© 2022 Orion Releasing LLC./All rights reserved Foto: ZDF)

Die Frauen eine Glaubensgemeinschaft sprechen über ihre Zukunft und die brutalen Männer – aber sind dabei viel zu vorsichtig!

„Die Aussprache“ läuft am 9. März bei Arte und ist bis 7. April in der Arte-Mediathek finden:

Eine Gruppe von acht Frauen (unter anderem Frances McDormand, Rooney Mara, Claire Foy aus „Wolf Hall“ und Jessie Buckley aus „Hamnet“) aus einer Glaubensgemeinschaft versammelt sich auf einem Heuboden, um zu entscheiden, ob alle Frauen ihre Religionsgemeinschaft verlassen sollen, in der sie ohne rudimentäre Bildung leben – in der Küche und auf dem Feld arbeitend und Kinder gebärend. Einziger Mann bei der Zusammenkunft ist der Dorflehrer (Ben Whishaw), der in der Schule unterrichtet und jetzt Protokoll führt. Ratschläge darf er aber nicht erteilen, weil er den Frauen intellektuell überlegen ist und sie nicht dominiert werden wollen. Die Flashbacks sowie Rückblenden auf dem Feld oder in den Küchen sind die einzige Erweiterung des ansonsten wie ein Kammerspiel anmutenden Films. Dabei drehen sich die Gespräche der Frauen nicht um das Verbrechen, das die Männer vor wenigen Tagen begingen und für die diese auch bei der Polizei angezeigt wurden.

Vielmehr sprechen sie ausschließlich über drei Möglichkeiten zu handeln: Bleiben und alles weiter ertragen, bleiben und sich widersetzen oder weggehen. Vor allem das fehlende Rustikale macht die Schwäche des Films aus, der doch eigentlich den Entschluss der Frauen, sich zu erheben, wiedergeben will. Zaghaft, allgemein und in immer wiederkehrenden Schleifen deklinieren sie statt dessen alle Argumente durch und gehen dabei so unrealistisch achtsam miteinander um, als hätten sie nicht gerade traumatische Erlebnisse hinter sich.

Von durchdacht-trotzigem Aufbegehren über ängstliches Taktieren bis zur traumatisierten Akzeptanz alles Gegebenem reicht die Palette der Reaktionen auf die Gewalttat der Männer. Und doch ist das zu wenig, ist die Diskussion inhaltlich zu abstrakt und gleichzeitig zu verhalten, ist die Form der Auseinandersetzung viel zu betulich und wie auch der Heuboden viel zu sauber geputzt und abgehoben von der rauen, brutalen Wirklichkeit wirkt.

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