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Die besten Bücher im Februar

die besten bücher

Ob Tabuthema, politischer Weckruf oder der Gin des Lebens – der Februar meldet sich mit reichlich Anregung zu Wort. Hier kommen die fünf besten Bücher des Monats.

 

 

Jan Costin Wagner: Sommer bei Nacht

Jan Costin Wagner: Sommer bei Nacht

Seine Reihe um den finnischen Ermittler Kimmo Joentaa hat Jan Costin Wagner mit „Sakari lernt durch Wände zu gehen“ vorerst beendet. Der neue Roman „Sommer bei Nacht“ spielt in Wiesbaden und auch hier stehen Fragen des Erlebens von Trauer und des Weiterlebens im Mittelpunkt. Wagner erzählt den Fall eines entführten Jungen, doch ist sein Buch beileibe nicht nur ein weiterer Krimi über Kindesentführung und Missbrauch: Mit Ben Neven etabliert er einen Ermittler, der Sympathieträger und eine Figur ist, in die man sich einfühlt – doch gleichzeitig erfährt man als Leser, dass er aus einer früheren Ermittlung kinderpornografisches Beweismaterial gestohlen hat, das er als Vorlage zum Onanieren nutzt. „Ich wollte eine Perspektive finden, mit der ich über zu einfache Denkstrukturen hinwegkomme“, kommentiert Wagner im Interview mit kulturnews sein differenziertes Psychogramm, das in dieser Form in der Literatur bislang nicht zu finden ist. cs

Galiani Berlin, 2020, 320 S., 20 Euro

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Ab 13. 2. erhältlich

Attica LockeAttica Locke: Heaven, my Home

Attica Locke gelingt ein Porträt über innere Zerrissenheit: Darren Mathews arbeitet als schwarzer Texas Ranger in einer Sonderkommission, die gegen die terroristische Arische Bruderschaft ermittelt. Am eigenen Leib erfährt er, wie längst überwunden geglaubter Hass sich ausbreitet. Als er auf die Suche nach einem vermissten Redneck-Jungen geschickt wird, führen ihn die Ermittlungen zur Hinterfragung seiner Selbstverortung: Schuld lässt sich auch von ihm nicht einfach einer Hautfarbe zuordnen, Gut und Böse sind nicht klar zu trennen.  Der Südstaaten-Noir – der Dank stimmiger Übersetzung atmosphärisch und sprachlich überzeugt – legt das Beziehungsgeflecht dar, in dem sich Darren auf allen Ebenen verorten muss. nh

Polar Verlag, 2020, 322 S., 22 Euro

Aus d. Engl. v. Susanna Mende

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Janna Steenfatt Die Überflüssigkeit der Dinge

Janna Steenfatt: Die Überflüssigkeit der Dinge

Ina weiß nur zu genau, dass ihr Mitbewohner Falk in sie verliebt ist. Zwar will sie nicht mit ihm schlafen, doch nimmt sie seinen Beistand dankend an, als sie sich mit dem Tod ihrer Mutter konfrontiert sieht. Plötzlich sind da die Erinnerungen an die ständigen Umzüge, an eine Mutter, die immer mehr trinkt,  – und vor allem ist da Inas Vater, der berühmte Regisseur, den Ina nie getroffen hat. Als sie hört, dass dieser ans Schauspielhaus Hamburg kommt, nimmt sie einen Küchenjob in der Kantine des Theaters an und verliebt sich zum ersten Mal –  in die Schauspielerin Paula. Mit ihrem Debütroman präsentiert die 37-jährige Autorin eine Ich-Erzählerin, die wegen ihrer Antriebslosigkeit nur schwer zu ertragen ist – und von der man dank ihres wunderbar spröden Humors doch nicht genug bekommen kann. Hier spricht eine Antiheldin, die den Schmerz runterspielt und ihr Leid vor allem in Auslassungen und Anspielungen preisgibt. cs

Hoffmann und Campe, 2020, 240 S., 22 Euro

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Ab 4. 2. erhältlich

Niklas Natt och Dag 1794 Niklas Natt och Dag: 1794

Mit der Fortsetzung seines ersten Romans „1793“ entführt uns der Bestsellerautor erneut in ein Stockholm, in dem Kotkarren übers Kopfsteinpflaster gezogen werden und das durch das Regime von Graf Reuterholm längst noch nicht im Zeitalter der Aufklärung angekommen ist. Als eine junge Frau in ihrer Hochzeitsnacht  grausam ermordet wird, gerät der Ehemann vorschnell zum überführten Täter. Doch die Mutter des Opfers wendet sich an das Ermittlerduo Cardell und Winge, um die wahren Bastarde zu überführen. Bei ihrer Spurensuche greifen die beiden auch mal zur Selbstjustiz, bei der sie Schuldige sadistisch an einem Mühlrad richten. Natt och Dags gekonnte Mischung aus historischem Schauerroman in Briefform, Detektivgeschichte und Horrorstory verfällt man schon nach wenigen Seiten. nh

Piper, 2020, 350 S., 16,99 Euro

Aus d. Schwed. v. Leena Flegler

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Billy Bragg: Die drei Dimensionen der Freiheit – Ein politischer Weckruf

Billy Bragg: Die drei Dimensionen der Freiheit – Ein politischer Weckruf

Kein popkulturelles Geschwafel, sondern ein politisches Pamphlet, mit dem der 62-jährige Autor die gegenwärtige politische Debatte auf den Punkt bringt: „Liberalität gibt der Freiheit einen Fokus, Gleichheit gibt ihr den Rahmen, aber erst Verantwortlichkeit gibt ihr den Biss.“ Neu und spektakulär ist Braggs These von der so wichtigen Verantwortung nicht, doch illustriert er sie anschaulich mit Verweisen auf die wütenden Bürger*innen, Ohnmachtsgefühle, Lügenpresse und das gezielte Schüren solcher Gemengelagen. Auch wenn er die Verantwortungslosigkeiten des Brexit-Verursachers David Cameron aufzeigt und die britische Europa-Feindlichkeit als einen historischen Prozess erklärt, sitzt jedes Wort. cs

Heyne Encore, 2020, 144 S., 12 Euro

Aus d. Engl. v. Timo Hanekamp

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