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Die besten Filme im Februar

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Foto: Pexels

Kapitalismuskritik, #MeToo, Nazi-Widerstand, Verschwörungen und ein Geheimtipp aus Rumänien: Der Kino-Februar zeigt sich besonders politisch und doch unterhaltsam. Hier sind die besten fünf Filme.

Ein verborgenes Leben, jetzt im Kino

Nachdem sich Terrence Malick mit Filmen wie „Knight of Cups“ oder „Song to Song“ immer mehr dem fragmentarisch-assoziativen Bewusstseinsstrom hingegeben hat, wagt sich der 76-jährige Filmemacher mit „Ein verborgenes Leben“ wieder an eine vergleichsweise klassische, narrative Kinoerzählung. Und mehr als 20 Jahre nach „Der schmale Grat“ kehrt er thematisch zum Zweiten Weltkrieg zurück. Diesmal aus der Perspektive des österreichischen Bauern Franz Jägerstätter (August Diehl), der sich weigert, für die Wehrmacht zu kämpfen – und für diesen Grundsatz schließlich sogar seine Hinrichtung in Kauf nimmt.

Jägerstätters Lebensgeschichte wurde im Kino bisher noch nicht erzählt; in den Händen des enigmatischen Kinoauteurs Malick wird daraus kein herkömmliches Biopic. Auch, wenn er erstmals seit vielen Jahren wieder mit einem Drehbuch gefilmt hat, so bleibt der Regisseur seiner unverwechselbaren Ästhetik und seinen Themen treu: die schwebende, suchende Weitwinkelkamera folgt nicht einfach den Figuren, sondern lässt sich immer wieder ablenken, meistens sinniert eine Stimme aus dem Off – und wie fast alles bei Malick ist auch Antifaschismus eine Frage von Gottgläubigkeit. msb

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Sorry we missed you, jetzt im Kino

Nach diesem Film wird man die allzu gern verfluchten Paketzusteller mit anderen Augen betrachten. Ricky ist einer von jenen, die in Newcastle mit ihrem Lieferwagen durch die Stadt hetzen. Er hatte sich als selbstständiger Paketfahrer endlich etwas Wohlstand erhofft, doch stattdessen häufen sich nun die Schulden: Die vermeintliche Freiheit als Franchisenehmer erweist sich als moderne Form der Sklaverei. Und auch seine Ehefrau Abbie, eine Altenpflegerin, ist Opfer einer ausbeuterischen neoliberalen Marktwirtschaft. 

Ken Loach („Ich, Daniel Blake“) hat noch nie einen Hehl daraus gemacht, dass sein Herz links und für die sozial Benachteiligten schlägt; dennoch ist „Sorry we missed you“ weder Agitprop noch Sozialkitsch. Loach beobachtet den Arbeitsalltag seiner beiden Hauptfiguren mit einem fast dokumentarischen Blick, und auch die Momentaufnahmen aus dem zunehmend unter dem Dauerstress leidenden Familienleben wirken auf beklemmende und berührende Weise glaubwürdig. Wie Ricky und Abbie – großartig gespielt von Kris Hitchen und Debbie Honeywood – dabei auch um ihre Würde kämpfen, lässt einem bisweilen den Atem stocken. ascho

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Intrige, im Kino ab 6. Februar

Kann man den Mann vom Kunstwerk trennen, wenn der Mann sich sexueller Belästigung schuldig gemacht hat oder ihrer beschuldigt wird? Eine seit der #MeToo-Bewegung vieldiskutierte Frage, im Kino vor allem anhand der Altmeister Woody Allen und Roman Polanski. Polanski droht weiterhin der Prozess in den USA für Sex mit einer Minderjährigen im Jahr 1977; „Intrige“ wurde beim Filmfest in Venedig von massiven Protesten und Boykottaufrufen begleitet. Dass der 86-Jährige nun ausgerechnet einen Film über die legendäre Affäre Dreyfus gedreht hat, hat für viele ein Geschmäckle: Alfred Dreyfus wurde 1984 aus antisemitischen Gründen mit rechtswidrigen Beweisen der Spionage und des Landesverrats für schuldig befunden und auf die Teufelsinsel verbannt. Dreyfus war unschuldig – doch die antisemitische Hetzpresse, der aufgestachelte Pöbel und das Militär selber verhinderten seine Rehabilitation bis 1899. Polanski hat in Interviews erklärt, dass er Parallelen zwischen dem historischen Fall und seinem eigenen Fall sieht – das muss man nicht mögen, aber Polanski ist auch kein Idiot, der sich mit einem ultimativ zu Unrecht Verfolgten gleichsetzt.

Denn der Jude Polanski, der den Holocaust nur knapp überlebte, hat noch weitere Gründe, den Dreyfus-Fall zu verfilmen: Antisemitismus, Militarismus, Fake News, Verschwörungstheorien, Whistleblower – das alles sind auch Themen unserer Zeit. Polanski arbeitet sie nüchtern, entschleunigt, ohne Effekthascherei und mit einem atemberaubendem Sinn fürs Detail auf. Marie-Georges Picquart, Leiter des französischen Auslandsnachrichtendienstes, stößt auf Ungereimtheiten im Fall Dreyfus – und entscheidet sich gegen Kadavergehorsam und für die Pflicht, ergo: die Wahrheit. Obwohl er selber Antisemit ist … Hauptdarsteller Jean Dujardin („The Artist“) versinnbildlicht den mühsamen Weg des Gerechten zu der von Chauvinisten verbogenen und verborgenen schrecklichen Wahrheit mit ständiger Mobilität: Er geht unzählige Treppen hoch und wieder runter, öffnet und schließt zahllose Türen, läuft von rechts nach links und dann wieder von links nach rechts durchs Bild, setzt sich hin, steht auf, geht durch den Raum, und dann ist da meist immer wieder eine Tür. Die Anfänge der Forensik und der modernen Geheimdienstarbeit sind zu sehen, wenn abgefangene Briefe neu zusammengesetzt, Schriften verglichen, Fälschungen enttarnt, Wohnungen mit menschlichem Ohren „verwanzt“ werden. Der Ausgang der Affäre Dreyfus ist bekannt: Sie spaltete das ganze Land, ein nationales Trauma. Was die aktuellen Bezüge betrifft, so sagt Polanski: Ein Aufstand der Aufrechten muss stattfinden, sonst gewinnen die Rechten. Was die Polanski-Bezüge betrifft und die Frage, ob man dem Mann von seiner Kunst trennen kann: Man muss. Ein Film wie „Intrige“ darf der Welt nicht vorenthalten werden. Sie braucht ihn, um sich selber zu verstehen. vs

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La Gomera, im Kino ab 13. Februar

El Silbo ist eine Pfeifsprache, die ausschließlich auf der kanarischen Insel La Gomera verwendet wird. Cristi kommt auf die Insel, um diese Sprache zu lernen – der korrupte rumänische Polizist soll so helfen, einen in Bukarest verhafteten Kriminellen freizubekommen. Allerdings sind die Polizeikollegen Cristi auf den Fersen, und der Verhaftete hatte vor, die Mafia über den Tisch zu ziehen, weswegen diese Rache will. Und dann ist Cristi auch noch verliebt … 

Wenn man sich nur die Handlung anschaut, dann ist Corneliu Porumboius „La Gomera“ eine Räuberpistole, die eine abstruse Thrillerhandlung zwischen Spanien, Rumänien und mit einer extrem übertriebenen Schlussvolte Singapur spinnt. Aber Porumboiu wäre nicht einer der interessantesten europäischen Filmemacher der Gegenwart, würde er seinen Krimi nicht weit über die Genrekonvention hinaus entwickeln. „La Gomera“ ist entsprechend auch eine linguistische Studie, die die eigentümliche Pfeifsprache der Gomeros mit den Sprachmitteln des Films kurzschließt. Und da eröffnen sich nahezu im Minutentakt Querverweise zu anderen Filmen – diese zu decodieren, ist ein cineastisches Vergnügen, das den Kinobesuch schon alleine lohnt. Darüber hinaus ist „La Gomera“ in seiner Hardboiled-Anmutung allerdings auch hochspannend. fis

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Bombshell – Das Ende des Schweigens, im Kino ab 13. Februar

Zur Erinnerung: Als die Fox News-Journalistin Gretchen Carlson im Jahr 2016 den sexuellen Missbrauch durch den Senderchef Roger Ailes anzeigte, gab es noch keine Me-Too-Bewegung, keine Time’s-Up-Bewegung. Männer wie Harvey Weinstein und Jeffrey Epstein konnten ihren monströsen Machenschaften noch unbehelligt nachgehen. Sich gegen diese mächtigen und einflussreichen „Sexual Predators“ zu stellen und ihre Taten öffentlich zu machen, war völlig undenkbar. Die Geschichte von drei Frauen, die innerhalb des konservativen US-Fernsehsenders Fox News genau dies taten, zeigt den Mut, der nötig war, um die kommenden Entwicklungen erst möglich zu machen. 

In „Bombshell – Das Ende des Schweigens“ spielen die Oscar-Gewinnerinnen Nicole Kidman und Charlize Theron die Fox-Moderatorinnen Gretchen Carlson (Nicole Kidman) und Megyn Kelly (Charlize Theron), die den Stein ins Rollen brachten.Der fiktive Charakter der von Margot Robbie gespielten Praktikantin Kayla Pospisil setzt sich aus den Berichten diverser betroffener Frauen zusammen. In der HBO-Serie „The Loudest Voice“ standen eher der Aufstieg von Ailes (gespielt von Russell Crowe) und der Aufbau seines Netzwerkes im Vordergrund. „Bombshell – Das Ende des Schweigens“ stellt nun die Frauen in den Mittelpunkt. Und das in eindrucksvoller und manchmal schmerzhafter Weise.

Parallel zu den Ereignissen innerhalb des Senders deutet der Film auch den Weg von Ailes-Freund Donald Trump an die Macht an. Denn ohne die Propaganda von Fox und dessen Gründer Rupert Murdoch wäre die Wahl des TV-Reality-Stars Trump zum US-Präsidenten so wohl nicht möglich gewesen. Eine im Rückblick unheilvolle Allianz. In einer Szene des Films brüstet sich Ailes (brillant dargestellt von John Lithgow) damit, dass ihn der Vergleich mit dem widerlichen „Star Wars“-Schurken Jabba nicht stört. Im Gegenteil. Warum auch? Denn nichts anderes war Ailes: ein schleimiger, abstoßender Typ, der Frauen in kurzen Röcken für sich tanzen ließ. Er starb 2017 – noch bevor er für seine Taten bestraft werden konnte. rw

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