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Die besten Krimis 2022: Empfehlungen für den Juni

die besten Krimis im Juni 2022: Buchcover von Marie Rutkoski, Michael Connelly, Peter Eckmann, Kevin Barry, Camilla Läckberg und Henrik Fexeus, Chang Kuo-Li

So spannend hat die Sommersaison schon lange nicht mehr begonnen: Die besten Krimis im Juni 2022 mit Kevin Barry, Camilla Läckberg und Michael Connelly

Warum man in Malaga besser keinen Oktopus essen sollte? Das ist nur eine Frage, die Kevin Barry mit seinem neuen Roman beantwortet. In „Nachtfähre nach Tanger“ erzählt er eine seiner typischen Losergeschichten um zwei ehemalige irische Drogenschmuggler, die am Fährterminal der südspanischen Hafenstadt Algericas rumhängen und warten … Ob Barry damit auf unserer Liste der besten Krimis im Juni 2022 an Camilla Läckberg vorbeizieht? Die hat sich für „Schwarzlicht“ mit dem Mentalisten Henrik Fexeus zusammengetan und legt damit den ersten Band einer geplanten Trilogie vor. Auch Michael Connelly ist ein heißer Anwärter auf die Spitzenposition bei unserer Liste der besten Krimis im Juni 2022. Mit „Tödliches Muster“ kehrt nach über zehn Jahren Pause sein ermittelnder Reporter Jack McEvoy zurück. Außenseiterchancen haben auch der Milieu-Krimi „Hallo, Herr Kommissar“ von Peter Eckmann und „Der grillende Killer“ von Chang Kuo-Li, Hardboiled-Action, die mit ordentlich schwarzem Humor veredelt ist. Oder steht am Ende Marie Rutkoski an der Spitze unserer Liste der besten Krimis im Juni 2022? Ihr Thriller „Real Easy“ überzeugt als cleverer Whodunit, bei dem es um Übergriffe gegen Frauen geht – nicht nur im Stripklub.

Die besten Krimis im Juni 2022

6. Peter Eckmann: Hallo, Herr Kommissar

die besten Krimis im Juni 2022: „Hallo, Herr Kommissar“ von Peter EckmannMatthias „Matte“ Haderer aus München hat seinen Mann für’s Grobe, wenn Störenfriede verschwinden müssen. Seinen Ruf als „König von St. Pauli“ will er schließlich nicht verlieren. Doch könnte ihm ausgerechnet seine neue Freundin Susanne „Häschen“ Haase in die Quere kommen, die sich auf einen Deal mit Kommissar Umland einlässt … Stimmiger Milieu-Krimi, inspiriert von den „Pinzer-Morden“, die Mitte der 1980er den Kiez erschütterten.

Kadera, 2022, 336 S., 16 Euro

5. Camilla Läckberg u. Henrik Fexeus: Schwarzlicht

Buchcover „Schwarzlicht“ von Camilla Läckberg und Henrik FexeusFrau in eine Kiste sperren, Schwerter von allen Seiten durchstoßen und wieder rausziehen, Frau entsteigt unverletzt: Sword Box ist ein Zaubertrick, den es in etlichen Varianten gibt. Das Spiel mit dem scheinbar lebensgefährlichen Szenario ist wie geschaffen für wohligen Schauer. Im Thriller „Schwarzlicht“ wird die Illusion zum sadistischen Mord. Damit legt Bestsellerautorin Camilla Läckberg zusammen mit Mentalist Henrik Fexeus das erwartbare Grusel-Level hoch. Im ersten Band der gemeinsamen Trilogie trifft die zielstrebige Stockholmer Kommissarin Mina Dabiri auf den autistischen Profiler Vincent Walder. Wertvolle Zeit vergeht, bis sie sich als Team zusammenraufen und den seltsamen Code des Täters knacken können. Offensichtlich will jemand sie zu einem perfiden Spiel zwingen und überrascht mit fiesen Tricks, die keinen doppelten Boden haben …

Knaur, 2022, 624 S., 18 Euro

Aus d. Schwed. v. Katrin Frey

4. Chang Kuo-Li: Der grillende Killer

Buchcover „Der grillende Killer“ von Chang Kuo-LiDen besten Reis in ganz Italien gibt es im Asia-Imbiss von Alex Li. Doch nur wenige wissen, dass der Taiwanese nicht nur scharf anbraten, sondern auch scharf schießen kann. Der Profi-Sniper gerät nach einem Auftragsmord in Rom allerdings selbst in die Schusslinie eines Scharfschützen. Alex wird anscheinend von einem ehemaligen Kollegen gejagt und flieht Hals über Kopf zurück nach Taipeh. Dort zählt Kommissar Wu schon die Tage bis zur seiner Pensionierung, bekommt es jedoch noch mit rätselhaften Morden an Offizieren zu tun. Die Zusammenhänge der verworrenen Fälle werden erst deutlich, als Wu ausgerechnet auf Alex trifft … Chang Kuo-Li serviert seinen schrägen Taiwan-Thriller mit rasanter Hardboiled-Action, die er genüsslich anheizt und mit ordentlich schwarzem Humor würzt.

Kroemer, 2022, 320 S., 16 Euro

Aus d. Japan. v. Alice Jakubeit

Die besten Krimis im Juni 2022

TOP 3

3. Michael Connelly: Tödliches Muster

Buchcover „Tödliches Muster“ von Michael ConnellyEr verdreht Frauen den Kopf, erst im romantischen, dann im wörtlichen Sinn: Der „Shrike“ bricht seinen weiblichen Opfern nach einer gemeinsamen Nacht das Genick, indem er ihre Schädel 90 Grad über das Limit dreht. Knack! Der Verdacht fällt auf Jack McEvoy, der einmal einen One-Night-Stand mit einer der Getöteten hatte. Trotz seines windigen Alibis können die Lesenden jedoch sicher sein: Auch nach über zehn Jahren Pause wird Michael Connelly seinen Serienhelden nicht vom ermittelnden Reporter zum Frauenmeuchler degradieren. Packend schildert Connelly, wie die penible Recherche des Investigativ-Journalisten McEvoy zu einem DNA-Analyseinstitut führt, von welchem die Daten mehrerer Frauen im Darknet und somit bei der misogynen Incel-Szene landen. McEvoy kommt somit einem Serienkiller auf die Spur, der seine Taten bislang clever getarnt hat. Wie kein Zweiter versteht es Michael Connelly, eine akribische Fakten- und Indiziensuche mit einem steil ansteigenden Spannungsbogen zu koppeln. Und dieser bekommt am Ende – auch wieder im wörtlichen Sinn – nochmal richtig Schwung nach oben: McEvoy erinnert sich nämlich beim entscheidenen Zweikampf mit dem Killer, über welches hilfreiche Extra sein neuer SUV verfügt …

Kampa, 2022, 480 S., 21,90 Euro

Aus d. Engl. v. Sepp Leeb

2. Kevin Barry: Nachtfähre nach Tanger

Buchcover „Nachtfähre nach Tanger“ von Kevin BarryMaurice hat ein Matschauge und blickt seltsam irre. Charlie hat seit 1994 nicht mehr in den Spiegel geschaut. Die beiden ehemaligen Drogenschmuggler aus Cork sind zwar immer noch mit allen dreckigen Wassern gewaschen, aber mit Anfang 50 längst nicht mehr die wilden Hunde, die sie einmal waren. Am Fährterminal der südspanischen Hafenstadt Algeciras hat man da schon schlimmere Typen gesehen. Hier geht’s rüber nach Marokko, und hier warten die beiden auf Dilly, denn Maurice hängt das Herz schief: Seit Jahren hat er seine 23-jährige Tochter nicht mehr gesehen. Abgehauen ist sie, doch irgendwann wird sie hier auftauchen – so viel ist klar. Sprach- und Wortvirtuose Kevin Barry ist bekannt für seine atmosphärisch-melancholischen Losergeschichten, die er im Original in irischem Gälisch verfasst. Er gibt den derben Späßen und dem versufften Geplänkel der beiden Harrenden einen sich hochschaukelnden Rhythmus: Barry lässt sie lallend treiben, bedrohlich wogen und rau toben, bevor er sie wieder in die regennasse Nacht entlässt. Bis dahin erahnt man durch Rückblenden, was hinter der ganzen Warterei steckt. Die Lesenden erfahren von Maurices Ehe mit Cynthia, dem Irrsinn des gemeinsamen Lebens, Betrug, einem tödlichen Sturz in die Tiefe und warum man in Malaga lieber keinen Oktopus essen sollte. Kevin Barry verneigt sich etwas vor Becketts „Warten auf Godot“, will aber nicht damit konkurrieren: Dilly wird schließlich auftauchen – nur um gleich wieder unbemerkt entkommen zu wollen. Sie hat ihre Gründe …

Rowohlt, 2022, 208 S., 22 Euro

Aus d. Engl. v. Thomas Überhoff

Die besten Krimis im Juni 2022

1.  Marie Rutkoski: Real Easy

Die besten Krimis im Juni 2022: „Real Easy“ von Marie Rutkoski22 Marmeladengläser, mit Frauennamen beschriftet und jeweils bis zum Rand mit Sperma gefüllt. Selbst dieser beachtliche Fund im Kühlschrank eines Verdächtigen lässt nicht unbedingt darauf schließen, dass er ein Serienmörder ist. Im Jahr 1999 ermittelt Detective Holly Meylin zusammen mit ihrem Kollegen Victor Amador in dem Mordfall an einer jungen Striptänzerin, bei dem gleichzeitig ihre Kollegin Ruby entführt wird. Beide haben in dem Club Lovely Lady in Fremont, Illinois gearbeitet, auf dessen Umfeld sich fortan die Recherchen konzentrieren. Da die Detectives Ähnlichkeiten mit älteren Mordfällen sehen, gehen sie von einem Wiederholungstäter aus. Sie können eine Stripperin als Informantin gewinnen, die im Club unauffällig nach Hinweisen sucht, und geraten im Wettlauf mit der Zeit trotzdem immer wieder auf falsche Spuren … Die amerikanische Autorin Marie Rutkoski hat selbst als Stripperin gearbeitet, bevor sie zu einer erfolgreichen Jugendbuchautorin und Literaturprofessorin avanciert ist. Sie kennt das selbstsüchtige Gezicke untereinander und die Szene, in der die Tänzerinnen ständig in Gefahr vor männlichen Übergriffen leben und den Schikanen der Clubbesitzer ausgesetzt sind. Trotzdem versuchen die Frauen, ein halbwegs geordnetes Familienleben zu führen, bekommen aber wenig Unterstützung von ihren Partnern. Diese Hintergründe offenbaren sich aus den Perspektiven der Tänzerinnen, der Detectives, Clubbesucher – und des Mörders. So beschreibt Rutkoski neben der Tätersuche auch vielschichtig die Auswirkungen des alltäglichen Sexismus. Sie zeigt Männer, die nicht nur in der erotisch aufgeladenen Club-Atmosphäre die Zurschaustellung von nackter Haut als Einladung zu Übergriffen missverstehen und nach Chancen suchen, ihre Machtphantasien in der Wirklichkeit umzusetzen. Ist die Cum-Tribute-Sammlung im Kühlschrank also vielleicht doch mehr als nur ein harmloses Hobby?

Suhrkamp, 2022, 400 S., 14,95 Euro

Aus d. Engl. v. Stefan Lux

 

 

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