Die besten Krimis 2025: Empfehlungen für den Dezember
Wer auf die Besinnlichkeit zum Fest lieber verzichtet … Die besten Krimis im Dezember 2025 mit Viveca Sten, Arno Strobel und Pascal Garnier.
Viveca Sten überzeugt mit allerbesten Scandi-Crime, der ihre Polarkreis-Reihe so perfekt für lange Winternächte macht. Da führt „Lügennebel“ doch sicher unsere Liste der besten Krimis im Dezember an, oder? Pascal Garnier schreibt in „Die Eskimo-Lösung“ über einen Autor, der einen Kriminalroman schreibt. Die Art und Weise, wie für den die Grenze zwischen Fiktion und Realität verschwimmt, sollte den Roman auf unserer Liste der besten Krimis im Dezember 2025 ganz weit nach vorne bringen. Oder dominiert Jake Hinkson unsere Liste der besten Krimis im Dezember 2025? In „Die Tochter des Predigers“ stellt sich die Protagonistin mit Vertrauen auf den Heiligen Geist gegen ihr unbekannte Gewalt und niedere Abscheulichkeiten.
Auf der Bestsellerliste steht „Welcome Home“ bereits ganz oben. Aber wie schlägt sich Arno Strobel auf unserer Liste der besten Krimis im Dezember 2025? Und auch ein Krimiklassiker in Neuauflage geht in diesem Monat ins Rennen: Kann „Der falsche Erbe“ von Josephine Tey auf unserer Liste der besten Krimis im Dezember 2025 bestehen?
Die besten Krimis im Dezember 2025
6. Andreas Pflüger: Kälter
Als Provinzpolizistin auf Amrum hat Luzy im Jahr 1989 ein lockeres Leben: schön im Reetdach-Häuschen wohnen, mit Kollege Jörgen im Radarwagen am Leuchtturm lauern und höchstens mal ein paar Teenies mit Hasch hopsnehmen. Kommt das Schietwetter aus Südsüdwest, bleiben die Touris eh weg, und man hat seine Ruhe. Denkste! Beginnt so ein Roman von Andreas Pflüger, braucht man sich keine Sorgen zu machen, dass der Großmeister des deutschen Action-Thrillers ins Genre des beschaulichen Inselkrimis abrutscht. Natürlich ist Luzy mehr als nur eine Inselpolizistin, und mit ihrer Ruhe ist es bald vorbei. Dem BKA hat sie als verdeckte Ermittlerin und Personenschützerin gedient, und ausgebildet in Geheimdienstcamps in Israel betrachtet sie das professionelle Töten als angewandte Geometrie.
Zum Ende des Kalten Kriegs belauern sich KGB, BND, SED, RAF und alle dazwischen, die falsche Ausweise und Ersatzmagazine in der Tasche haben. Und da gibt es auch jemanden, der Luzy ein Killerkomando auf die Insel schickt: Sie ist zwar etwas eingerostet, doch ahnt sie die Gefahr und kämpft mit allen Tricks im Kugelhagel gegen einen alten Feind. Als gewiefter Drehbuchautor und vor allem mit Sach- und Geschichtskenntnis versteht es Andreas Pflüger glaubhaft, in die Geheimdienstwelt der damaligen Zeit einzutauchen und Actionszenen zu choreografieren. So klingeln beim blutigen Finale zu überlauter Beatles-Musik auch beim Lesen die Ohren. Unbedingt allem vorziehen, was man sonst so im Buchregal der Ferienwohnung auf Amrum findet!
Suhrkamp, 2025, 495 S., 25 Euro
5. Jake Hinkson: Die Tochter des Predigers
„Ich sag’s Ihnen, in dem Zimmer läuft eine echt schräge Scheiße.“ Ed Greb erhält Beschwerden von Mietern seines Motels wegen verstörender Geräusche aus Appartement 15. Daraufhin wird dort im Badezimmer eine üble Sauerei entdeckt, bei der ein Bolzenschneider und eine Machete keine unwesentliche Rollen spielen. Ja, hier in Arkansas sterben Menschen nicht nur durch wütende Hirsche und Gottes Hand. Dies erkennt auch die schwangere 18-Jährige Predigertochter Lily, die auf der Suche nach ihrem verschwundenen Verlobten die behütete Gemeinde der Pfingstler verlässt. Zusammen mit ihrem hünenhaften Onkel Allan trifft Lily dabei auf ihr bislang unbekannte Gewalt und niedere Abscheulichkeiten. Mit Vertrauen auf den Heiligen Geist tritt sie all dem jedoch entschlossen entgegen.
Jake Hinkson hat einen Master of Fine Arts (MFA) in Kreativem Schreiben von der UNC-Wilmington erhalten. Sein Roman „Hell on Church Street“ wurde 2016 mit dem französischen Prix Mystère de la Critique ausgezeichnet und „No Tomorrow“ erhielt 2018 den Grand Prix des Littératures Policières.
Polar, 2025, 352 S., 17 Euro
Aus d. Engl. v. Jürgen Bürger
4. Josephine Tey: Der falsche Erbe
Simon ist sich sicher: Er wird mit seiner kurz bevorstehenden Volljährigkeit als ältester Spross der Familie Ashby das große Anwesen in Südengland mitsamt einem ganzen Stall voller erstklassiger Pferde erben. Seine Eltern sind schon vor Jahren bei einem Flugzeugunglück gestorben, sein nur wenige Minuten älterer Zwilligsbruder Patrick hat kurz darauf allem Anschein nach Suizid verübt. An einer Klippe findet man seine Kleidung und einen Abschiedsbrief. Eine angeschwemmte Leiche scheint Patricks Tod zu bestätigen, obwohl diese nicht zweifelsfrei zu identifizieren ist. Ausgerechnet wenige Tage vor Simons 21. Geburtstag steht der totgeglaubte Patrick vor der Tür …
Krimiautorin Josephine Tey (1896–1952) macht klar: Hier gibt sich jemand als Patrick aus, der von einem Betrüger angestiftet wird. Bei dem Täuschungsdrama vergallopiert sich Tey jedoch in allzu dialogreichen Nebenszenen und unterstellt, dass sich alle für Pferde-Content interessieren. So kommt der Stand-alone aus dem Jahre 1949 für längere Passagen plotmäßig nicht so richtig auf Trab. Doch ohne Ross und Reiter zu nennen, bleibt es spannend. Welcher Zwilling hat hier wohl aufs falsche Pferd gesetzt?
Oktopus, 2025, 416 S., 24 Euro
Aus d. Engl. v. Christina Müller
TOP 3
3. Pascal Garnier: Die Eskimo-Lösung
Morgens die Nase in die Sonne halten, ein Mittagsschläfchen am Strand, den ganzen Nachmittag lang im Bistro sitzen und Leute beobachten, später dann die Sonne im Meer versinken sehen: Mannigfaltig lassen sich die Tage an der Küste der Normandie vertrödeln, an denen man eigentlich produktiv sein soll. Ein Autor hat sich dort von dem dürftigen Vorschuss seiner Verlegerin ein Häuschen gemietet, um in Ruhe seinen ersten Kriminalroman zu schreiben. Ja, die Rohfassung steht, aber so richtig geht es mit seiner Hauptfigur Louis nicht weiter, die aus Geldnot zunächst die eigene Mutter umbringt, um das Erbe einzusacken, und später auch die Eltern seiner Freunde killt.
Pascal Garnier (1949–2010) verschränkt in seinem Roman aus dem Jahr 2006 beide Geschichten geschickt miteinander. Zunächst wechselt sich die Story von Romanfigur Louis (in kursiver Schrift gesetzt) mit dem Leben des Autors ab. Doch mehr und mehr mogelt sich Louis aus dem Roman in das Leben des Erzählers – und bringt Schwung in dessen öden Alltag. Während der lustlos die Verbrechen von Louis zu Papier bringt und seine Freundin Hélène beruflich in Paris festhängt, steht plötzlich deren 16-jährige Tochter Nathalie vor seiner Tür. Sie macht ihn spitz mit Spitzenslip und Peperoni und kuschelt sich zum „Derrick“-Schauen zu ihm ins Bett. Verführerisch drückt sie ihre Pobacken – hart wie Tennisbälle – an ihn, bis er schließlich weich wird. Auch Kumpel Christophe wirft – hopp – seine Schwiegermutter aus dem Fenster und gesellt sich zu ihnen. Das kann doch alles nicht wahr sein. Oder doch?
Septime, 2025, 144 S., 20 Euro
Aus d. Franz. v. Felix Mayer
2. Arno Strobel: Welcome Home
Neubausiedlungen sind die natürlichen Habitate für Menschen, deren Lebensentwürfe heteronormativen Vorstellungen entsprechen. Auch für Marco, seine Frau Ines, der vierjährigen Tochter Emilia und Labradoodle James erfüllt das endlich bezogene Eigenheim im Spessart den Kleinfamilientraum von sozialer Geborgenheit in gleichgesinnter Nachbarschaft. Doch kleine Irritationen lösen schon bald leichte Unbehaglichkeit aus: Der Strom bleibt weg, und man wähnt nächtens einen Einbrecher in der Wohnung. Kaum etwas vergällt Marco allerdings mehr die Laune, als dass im leerstehenden Nachbarhaus eine Frau mit aufgeschlitzter Kehle kopfüber von der Decke baumelt. Bei einem Psychothriller von Arno Strobel wird langsam die Eskalationsschraube gedreht. Es wird eine weitere ausgeblutete Tote geben, dann verschwindet Emilia, und nicht nur Marc befürchtet, statt in die ersehnte Idylle in eine tödliche Falle geraten zu sein, die seine Familie zerstört.
Hauptkommissarin Gräfen tappt da genauso im Dunkeln wie die Bewohner der Siedlung bei ihren nächtlichen Patrouillen. Klar, einer von den netten Nachbarsleuten wird’s gewesen sein. Etwa der merkwürdige Guido? Man beäugt sich gegenseitig mit Argwohn. Verdächtig ist, wer sich abseits der Vorstellung von Normalität bewegt. Arno Strobel will hier allzu heile Welten als Fiktion entlarven. Ja, arg konstruiert ist die ganze Chose schon, aber immerhin schont Strobel seine Protagonisten-Familie keinesfalls. Gott behüte: Dem Labradoodle geschieht nichts!
S. Fischer, 2025, 350 S., 18 Euro
1. Viveca Sten: Lügennebel
Zu den todbringenden Dummheiten im Winter gehört zweifelsohne übermäßiger Alkoholkonsum in frostiger Kälte. Wie leicht fällt man ratzedicht im meterhohen Schnee, schläft ein und erfriert alsbald. Tot liegt die 19-jährige Fanny nur mit Slip, BH und Hemdchen bekleidet und von Eiskristallen bedeckt bei Minus 25 Grad vor einem Blockhaus im Bergdorf Åre im nördlichen Nordschweden. Zusammen mit ihrer Freundin Olivia sowie den vier Kommilitonen Wille, Amir, Pontus und Emil wollte man sich dort eigentlich für eine Januarwoche den üblichen Lustbarkeiten hingeben: ausufernde Trinkspiele, riskante Skiabfahrten und Fummeleien unter der verschwitzten Thermo-Unterwäsche.
War es nun also ein tragischer Unfall oder etwa gar ein Mord, weil die Stimmung unter den Freunden beim Après-ski in die Hanglage gekippt ist? Auch bei Ermittlerin Hanna Ahlander wallen gerade die Emotionen: Zu Champagner und Rentiergeschnetzeltem überreicht ihr Henry ein love bracelet (Jetzt schon an Weihnachten denken: Armreif von Cartier, 36.500 Euro UVP) zum Geburtstag, das nur mit einem speziellen Werkzeug wieder zu öffnen ist. Gleichwohl hat sie ihre Gefühle für Kollege Daniel noch gar nicht auf Eis gelegt. Da kommen ihr die Morduntersuchung und etwas Abkühlung ganz gelegen. Im vierten Band ihrer Polarkreis-Reihe lässt uns Viveca Sten zwischen den Verdächtigen hin und her schlittern. Niemand kann die Ereignisse in jener Nacht zu einem schlüssigen Bild zusammenbringen, und nicht nur eine Lüge wird Hanna und Daniel bei ihren Ermittlungen präsentiert. Gegenseitige Beschuldigungen bedrohen Freundschaften und führen zum dramatischen Showdown im Schnee, bei dem buchstäblich die Hütte brennt und jemand in einem Eisloch zu ertrinken droht. Viveca Sten überzeugt wieder einmal mit allerbestem Scandi-Crime, der ihre Polarkreis-Reihe so perfekt für lange Winternächte macht – und deutlich spannender ist, als leichtbekleidet zum Saufen vor die Tür zu gehen!
dtv, 2025, 528 S., 22 Euro
Aus d. Schwed. v. Dagmar Lendt
Riskieren Sie auch einen Blick auf unsere Liste der besten Krimis im November 2025!