Die besten Krimis 2026: Empfehlungen für den April
Für einen blutigen Zickzack-Frühling: Die besten Krimis im April 2026 mit Garry Disher, Michael Idov und Andrew Welsh-Huggins
Lieferboten geben immer nur beim Nachbarn ab? Andrew Welsh-Huggins begeistert in „The Mailman“ mit einem Kurier, der seinen Job ungewöhnlich gewissenhaft ausübt … Im Ranking der Lieferdienste dürfte er ganz oben stehen – aber wie sieht es mit unserer Liste der besten Krimis im April 2026 aus? Welsh-Huggins bekommt es jedoch mit einem Altmeister zu tun: Auch Garry Disher will mit „Zuflucht“ auf unserer Liste der besten Krimis im April 2026 ganz nach oben. Und Charles Den Tex startet mit „Repair Club“ gar eine Trilogie. Wie schlägt sich wohl Band eins „Geheimnisse eines Meisterspions“ auf unserer Liste der besten Krimis im April 2026?
Der noch im sowjetischen Lettland geborene Autor Michael Idov rast mit seinem actionharten Agententhriller in bester 007-Manier rund um den Erdball: Wie weit kommt „Das Riga-Komplott“ auf unserer Liste der besten Krimis im April 2026? Drehbuchautor Jacob Weinreich und Geheimdienst-Insider Lars Findsen wollen mit „Dunkelmann“ im Verbund unsere Liste der besten Krimis im April 2026 knacken. Und auch ein Krimiklassiker in Neuauflage steht auf unserer Liste der besten Krimis im April 2026: „Berliner Spiel“ des kürzlich verstorbenen Len Deighton.
Die besten Krimis im April 2026
6. Len Deighton: Berliner Spiel
Das Zickzack der Mauer ist schon beim Anflug erkennbar: Anfang der 1980er landet der britische Agent Bernard Samson zum Außendienst in Berlin. Er soll den wertvollen DDR-Informanten „Brahms Vier“ zum Bleiben überreden. Dieser hat kalte Füße bekommen und will rausgeholt werden. Da er brisante Beweise hat, dass es in der Chefetage der Londoner SIS-Zentrale einen „Maulwurf“ gibt, fühlt er sich nicht mehr sicher. Über eine undichte Stelle im Service wurde schon spekuliert, seit es in letzter Zeit bei operativen Aktionen vermehrt Fehlschläge gegeben hat. Agent Trent offenbart sich als Spitzel, er könnte jedoch zur Ablenkung geopfert worden sein, weil die Russen längst jemand anderen an einem Londoner Schreibtisch haben. Der in die Jahre gekommene Bernard kennt Frank aus der Berlinabteilung schon seit Kindheitstagen. Auch Dicky taugt nicht zum Verräter. Misstrauisch ist Bernard da eher bei seiner Frau Fiona, die ebenfalls beim Service arbeitet. Aber nicht, weil er sie verdächtigt, Staatsgeheimnisse durchzustechen, sondern ihn der Karriere wegen mit seinem Chef zu betrügen. So ertränkt er seinen Frust mit Gin und kriecht im Burberry-Trenchcoat durch Ostberliner Kanäle. Bei seinem Treffen mit „Brahms Vier“ erkennt Bernard, einen unverzeihlichen Fehler begangen zu haben …
Len Deighton, 1929 in London geboren, besticht im ersten Teil seiner „Game, Poker und Match“-Trilogie aus dem Jahr 1983 weniger mit Thriller-Action, als mit seinem ganz eigenen Mix aus lakonischen Dialogen und trockenem Zynismus. Längst sind Deightons Spionageromane moderne Klassiker. Jetzt erscheinen sie in aufgefrischter Übersetzung neu. Da ist es ein großer Spaß, die abgeklärten Zickzack-Kurse der (Doppel-)Agenten zu durchschauen.
Kampa, 2026, 400 S., 19,90 Euro
Aus d. Engl. v. Hedda Pänke
5. Garry Disher: Zuflucht
„Warum haben Sie das getan?“ – „Um dir zu beweisen, wozu ich fähig bin.“ Meisterdiebin Grace ist erstaunt, als ihr in die Hand geschossen wird. Von dem Ex ihrer neuen Verbündeten Erin lässt sie sich jedoch erst recht nicht aufhalten. Schließlich ist Erins Antiquitätenladen der perfekte Zufluchtsort für die beiden australischen Frauen, denen einige männliche Verfolger auf der Spur sind. Garry Disher verbindet wieder einmal gekonnt die sich kreuzenden Schicksalslinien seiner facettenreichen Figuren zu einem kunstvollen Erzählgeflecht. Disher at his best!
Garry Disher, geboren 1949, wuchs im ländlichen Südaustralien auf. Er schreibt Romane, Kurzgeschichten, Kriminalromane und Kinderbücher. Sein Werk wurde für den Booker Prize nominiert und mehrfach ausgezeichnet, u. a. viermal mit dem Deutschen Krimipreis sowie dreimal mit dem wichtigsten australischen Krimipreis, dem Ned Kelly Award. Garry Disher lebt an der Südküste von Australien in der Nähe von Melbourne.
Unionsverlag, 2026, 336 S., 24 Euro
Aus d. Engl. v. Peter Torberg
4. Jacob Weinreich u. Lars Findsen: Dunkelmann
Schon mal was vom Forsvarets Efterretningstjenste gehört? Nej? Dabei spielt der vielleicht unterschätzte dänische Auslandsgeheimdienst eine immer größere Rolle. Spätestens, seitdem die Weltmächte immer aggressiver nach Grönland greifen, gibt es dort viel zu tun. So steht auch eine vermeintlich harmlose chinesische Delegation unter Beobachtung, die in Kopenhagen eintreffen wird. Daniel Hartmann ist Analyst beim FE und checkt vorab, wer da so kommt. Er enttarnt, dass es sich bei einem gewissen Dong-Xin um eine falsche Identität handelt. Agentin Maja Birk, die sich gerade erst von einem gefährlichen Auslandseinsatz in der Türkei erholt, wird auf ihn angesetzt. Daniel rekrutiert derweil die chinesische Studentin Jia Ling, damit diese sich in die Gruppe einschleicht. Nicht ungefährlich, wie sich nicht nur für sie herausstellt. Maja und Daniel verstehen zwischen chinesischem Namenswirrwar und lautem Möwengeschrei fast nicht, wer da Mah-Jongg mit ihnen spielt: Bei einem Forschungsprojekt im Nordpolarmeer tickt längst der Zeitzünder. Das dänische Autorenduo Lars Findsen und Jacob Weinreich trumpft mit einem rasanten Spionagethriller vor hochaktuellem Hintergrund auf. Dabei kombiniert der erfahrene Drehbuchautor Weinreich seine gekonnte Supense-Action kongenial mit dem operativen Know-how des Geheimdienst-Insiders Findsen, der ein ehemaliger Chef des dänischen Nachrichtendienstes ist.
Scherz, 2026, 480 S., 18 Euro
Aus d. Dän. v. Friederike Buchinger
TOP 3
3. Charles Den Tex: Repair Club – Geheimnisse eines Meisterspions
Defekte Toaster, Haartrockner wie auch Bügeleisen sollte man im Sinne der Nachhaltigkeit und aus Kostenersparnis eher reparieren als entsorgen. So haben sich John, Lydia, George und Jaap auf kaputtes Hausgerät spezialisiert. Im Repair Club in Den Haag helfen sie Privatkunden mit ihrem technischen Know-how. Für John Antink haben Fehler beheben und Probleme beseitigen schon zu seinem Leben gehört, als er noch als Agent A53 für den Staatsdienst tätig gewesen ist. Seit sechs Jahren ist er im Ruhestand, doch selbst seiner Frau Vera und den Freunden aus dem Club ist unbekannt, was da einst so alles in seiner Akte gestanden hat. Damit wir John nicht nur beim Löten zusehen müssen, lässt der niederländische Spannungsautor Charles den Tex ihn in Rückblenden von seiner Vergangenheit einholen. Die führen in die späten 80er-Jahre, nach Ostdeutschland, den Libanon und in die Schweiz. So trifft man auch auf jenen KGB-Offizier, der damals noch als Platow und nicht als Putin operiert hat. Auch jetzt noch bedrängen zwielichtige Agenten John und seine Nachfolgerin Alisha. Die hat als schwarze Geheimdienstleiterin nicht nur gegen Vorurteile anzukämpfen, sondern braucht auch Hilfe bei vertrackten Einsätzen. Es lohnt sich, jetzt in die intelligent verschachtelte Spionageserie einzusteigen, bei der John versucht, alte und neue Fehler zu reparieren. Nur bei Handys hört für ihn die Nachhaltigkeit auf: Als Agent nutzt er sie sicherheitshalber nur als Wegwerfware.
Harper Collins, 2024, 496 S., 14 Euro
Aus d. Niederl. v. Simone Schroth
2. Michael Idov: Das Riga-Komplott
Kann man stolz darauf sein, wenn die Russen extra eine ihrer MiG-29 aufsteigen lassen, um einen vom Himmel zu holen? Für den einflussreichen Oppositions-Blogger Anton endet der Flug nach Lettland mit einer Zwangslandung in Belarus. Ein Rückschlag für Ari Falk, der als CIA-Abteilungsleiter in Riga den Blogger aus dem russischen Einflussbereich holen wollte. Kurz darauf stirbt Anton, bevor Falk ihn über die Türkei ausschleusen kann. Zudem gibt es einen blutigen Anschlag auf die CIA-Zentrale in Riga. Was das alles mit einem russischen Milliardär zu tun hat, dessen Vermögen nach seinem angeblichen Suizid verschwunden ist, ergründet Falk zusammen mit dessen verführerischer Tochter, der er allzu schnell verfällt … Istanbul, Tanger, London, Moskau, New York: Der noch im sowjetischen Lettland geborene amerikanische Autor Michael Idov rast mit seinem actionharten Agententhriller in bester 007-Manier quer um den Erdball. Dabei ist der coole Ari Falk in seinem Weezer-T-Shirt eine quirlige Millennial-Version der bekannten Altherren-Agenten. Der raffiniert mit der politischen Entwicklung verknüpfte Plot spielt im Jahr 2021 und offenbart mehr über aktuelle Dynamiken, als dass er nur grimmige Typen theatralisch sterben lässt, deren Namen auf -ikow oder -uschin enden. Zudem bricht Idov zwinkernd mit Genre-Stereotypen, wenn es Riga Balsam statt Wodka Martini gibt. Und es fällt ein Satz, den man von Bond garantiert niemals hören würde …
Suhrkamp, 2026, 328 S., 17 Euro
Aus d. Engl. v. Stefan Lux
1. Andrew Welsh-Huggins: The Mailman
Eine gewisse Passion bei der Ausübung einer Tätigkeit wird immer noch mit Bewunderung honoriert. So schaut man voller Anerkennung auf den selbstständigen Paketkurier Mercury Carter und dessen Antagonisten Finn, der sich selbst wohl in der Sparte „effektive Beschaffungslösungen“ verorten mag. Zwischen beiden entsteht durch Zufall ein Wettstreit der Obsessionen, bei dem die Eheleute Rachel und Glenn Stanfield zugleich Auslöser wie auch Opfer sind. Zusammen mit drei weiteren bewaffneten Männern dringt Finn in deren Wohnung ein. Im Gepäck: Klebeband, Kabelbinder, Skalpelle, Zangen, Gasbrenner, Bohrmaschine sowie eine Gartenschere. Da ahnen die schwangere Anwältin und ihr Mann drohendes Ungemach, als es geknebelt und mit hinterrücks gefesselten Händen runter in den schalldichten Keller geht. Sollte Finn nicht bekommen, was er fordert, wird sich Glenn ab jetzt minütlich von jeweils einem Körperteil trennen müssen. Vielleicht ist es ein bisschen übertrieben, um an ein scheinbar unbedeutendes Dokument von Rachel zu kommen, doch will Finn den Job für seinen Auftraggeber Jason zuverlässig und zeitsparend abwickeln. Dann aber klingelt – just als es Schnipp-Schnapp machen soll – der hartnäckige Kurier Carter mit einem Paket für Rachel, welches er partout nur persönlich übergeben will. Carter ist nicht der Typ, der sich leicht abwimmeln lässt. Damit sein Lieferplan nicht unnötig durcheinander gerät, greift er kurzerhand zu Pfefferspray und Schlagring, nimmt die drei Brutalos gekonnt aus dem Spiel, befreit Glenn und verfolgt mit ihm zusammen den in Richtung Chicago flüchtenden Finn, der seinerseits Rachel als Geisel festhält. Dieser einfallsreiche Thriller hat Tempo wie Amazon Prime auf Speed. Worum es eigentlich genau geht, bleibt durch zahlreiche wohldosierte Irritationen lange unklar: Glenn und Rachel verheimlichen sich gegenseitig etwas, und Mercury hat mehr als nur Berufsstolz im Gepäck. Andrew Welsh-Huggins sollte man nicht einfach als Domestic-Noir-Autor abstempeln. Bei ihm geht so richtig die Post ab!
Hoffmann und Campe, 2026, 400 S., 18 Euro
Aus d. Engl. v. Werner Löcher-Lawrence
Riskieren Sie auch einen Blick auf unsere Liste der besten Krimis im März 2026!