Die besten Krimis 2026: Empfehlungen für den März
Frühlingsgefühle, anyone? Die besten Krimis im März 2026 mit Daniel Faßbender, Gianrico Carofiglio und Len Deighton.
In „Heaven’s Gate“ nimmt uns Daniel Faßbender mit in ein Surferparadies im Westpazifik – doch scheint dort nicht immer für jeden die Sonne … Faßbenders grandioser Surfkrimi ist ein heißer Anwärter für den Spitzenplatz auf unserer Liste der besten Krimis im März 2026. Aber auch Gianrico Carofiglio geht auf unserer Liste der besten Krimis im März 2026 ins Rennen. In „Der Horizont der Nacht“ lässt er einen Anwalt zweifeln – betrügt der sich selbst? Oder führt gar Kristof Magnusson unsere Liste der besten Krimis im März 2026 an, der sonst ja eigentlich gar nicht im Krimigenre unterwegs ist? Sein temporeicher und extrem spannender Spionageroman „Die Reise ans Ende der Geschichte“ entlarvt die Aufbruchstimmung und den Optimismus nach Ende des Kalten Krieges.
Auch ein Klassiker in Neuauflage könnte unsere Liste der besten Krimis im März 2026 anführen: „Berliner Spiel“ aus dem Jahr 1983 ist der Auftakt von Len Deightons „Game, Poker und Match“-Trilogie. Mit Henry Wise steht auch ein Debütant auf unserer Liste der besten Krimis im Mai 2026. „Holy City“ spielt im ländlichen West-Virgina und zeigt, dass eine Rückbesinnung auf die Kindheit und Jugendzeit durchaus schreckliche Folgen haben kann. Oder führen Christine Grän und Marianne von Waldenfels unsere Liste der besten Krimis im März 2026 an? Mit „Die Frau, der Ruhm und der Tod“ ist ihre Retrokrimireihe in den 70-ern angekommen.
Die besten Krimis im März 2026
6. Henry Wise: Holy City
„Junge, geht es dir gut?“ – „Klar, Mama.“ – „Du nimmst doch nicht wieder Drogen, oder?“ Sam schwitzt und zittert – Cold Turkey. Zu den Drogen ist er durch eine Entstellung gekommen, die er seit seiner Highschoolzeit ertragen muss. Bei einem brutalen Überfall konnte sein Freund Will Seems ihn nicht verteidigen. Dieser fühlt sich auch als Erwachsener immer noch für Sam verantwortlich, als er nach langer Zeit in seinen Heimatort in Süd-Virgina zurückkehrt. Als Deputy untersucht Will nun den Mord an seinem Freund Tom, der damals ebenfalls zugegen war. Mit seinem grausam gut erzählten Debüt führt uns Henry Wise an die Abgründe einer ländlichen Gegend, in der nicht nur rülpsende Ochsenfrösche verstörend sind. Wen es in die Gefilde der Kindheit zurückzieht, dem sollte gewahr sein, dass einen Schreckliches erwartet …
Polar, 2026, 344 S., 26 Euro
Aus d. Engl. v. Karen Witthuhn
5. Grän & Waldenfels: Die Frau, der Ruhm und der Tod
Das Leben ist kein Schlagermove. Erst recht nicht in den heutzutage gern arg verklärten 1970er-Jahren, als man vermeintlich mit stets zehn cm hohen Plateausohlen, gelben Schlaghosen und grellbunten Polyesterhemdchen frohgelaunt dem Discofox frönte. Solch exzentrische Selbstverschandelungen gab es meist nur samstags im Drei-Programme-TV, wenn zum abendlichen Käse-Igel der bonbonfarbenen Welt des Edelkitschs eine schillernde Bühne bereitet wurde. Christine Grän und Marianne von Waldenfels können sich offensichtlich gut daran erinnern, oder sie haben bestens recherchiert.
Im zweiten Band ihrer Retrokrimireihe trällert sich im Jahr 1975 eine Monika Lindner als „Mona Lisa“ ins grelle Scheinwerferlicht der Hitparade. Doch als das Schnulzensternchen bei einer Live-Talkshow interviewt wird, fällt sie – Karamba, Karacho – tot in die langflorigen Zotteln des Flokatiteppichs. Schuld war die Zyankali-Cola. Das TV-Publikum und Manager Otto Nachtsheim brauchen mehr als nur griechischen Wein, um mit so einem Schock klar zu kommen. Hauptkommissarin Clara Frings wittert Mord und begibt sich in die Abgründe der halbseidenen Schlagerbranche. Dabei geben die Autorinnen ihrem Whodunit neben dem popkulturellen Kolorit auch einen politischen wie gesellschaftlichen Rahmen: Clara kämpft gegen Diskriminierung, Schlagertexter Sascha muss seine Homosexualität verbergen, Ulrike Meinhof erhängt sich am Fenstergitter von Zelle 719 in Stammheim, und aus der DDR führt der Weg nur über die Glienicker Brücke. Und während all dem basteln leicht zu begeisternde Teens unschuldig ihre ersten Yps-Gimmicks zusammen … Ein Zeit-Konzentrat, bei dem Boomern eine wohlige Lust auf Scheiblettenkäse und Schwarzwälder Kirschtorte befallen dürfte. Und wann wird’s mal wieder richtig Sommer? Dann ist zumindest wieder Schlagermove.
Droemer, 2025, 320 S., 18 Euro
4. Len Deighton: Berliner Spiel
Das Zickzack der Mauer ist schon beim Anflug erkennbar: Anfang der 1980er landet der britische Agent Bernard Samson zum Außendienst in Berlin. Er soll den wertvollen DDR-Informanten „Brahms Vier“ zum Bleiben überreden. Dieser hat kalte Füße bekommen und will rausgeholt werden. Da er brisante Beweise hat, dass es in der Chefetage der Londoner SIS-Zentrale einen „Maulwurf“ gibt, fühlt er sich nicht mehr sicher. Über eine undichte Stelle im Service wurde schon spekuliert, seit es in letzter Zeit bei operativen Aktionen vermehrt Fehlschläge gegeben hat. Agent Trent offenbart sich als Spitzel, er könnte jedoch zur Ablenkung geopfert worden sein, weil die Russen längst jemand anderen an einem Londoner Schreibtisch haben. Der in die Jahre gekommene Bernard kennt Frank aus der Berlinabteilung schon seit Kindheitstagen. Auch Dicky taugt nicht zum Verräter. Misstrauisch ist Bernard da eher bei seiner Frau Fiona, die ebenfalls beim Service arbeitet. Aber nicht, weil er sie verdächtigt, Staatsgeheimnisse durchzustechen, sondern ihn der Karriere wegen mit seinem Chef zu betrügen. So ertränkt er seinen Frust mit Gin und kriecht im Burberry-Trenchcoat durch Ostberliner Kanäle. Bei seinem Treffen mit „Brahms Vier“ erkennt Bernard, einen unverzeihlichen Fehler begangen zu haben …
Len Deighton, 1929 in London geboren, besticht im ersten Teil seiner „Game, Poker und Match“-Trilogie aus dem Jahr 1983 weniger mit Thriller-Action, als mit seinem ganz eigenen Mix aus lakonischen Dialogen und trockenem Zynismus. Längst sind Deightons Spionageromane moderne Klassiker. Jetzt erscheinen sie in aufgefrischter Übersetzung neu. Da ist es ein großer Spaß, die abgeklärten Zickzack-Kurse der (Doppel-)Agenten zu durchschauen.
Kampa, 2026, 400 S., 19,90 Euro
Aus d. Engl. v. Hedda Pänke
TOP 3
3. Kristof Magnusson: Die Reise ans Ende der Geschichte
Für den BND-Mitarbeiter und Doppelagenten Dieter Germeshausen sind Schriftsteller die perfekten Spione: „Sie reisen viel, beobachten gern Menschen, sitzen stundenlang auf Parkbänken oder in einem Café und machen sich Notizen … Egal ob Sie auf einem Botschaftsempfang oder einer Sexparty sind – niemand wundert sich. Sie können überall sein und mit allen reden – denn Sie sind Dichter.“ Um nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion untertauchen zu können, braucht Germeshausen dringend Geld – und wirbt für einen zwielichtigen Deal in Kasachstan ausgerechnet den jungen, erfolgreichen Poeten Jakob Dreiser an. Mit „Die Reise ans Ende der Geschichte“ legt Kristof Magnusson einen temporeichen Plot voller irrer Wendungen vor, der für einen Spionageroman eigentlich viel zu lustig ist. Und zugleich gelingt es dem deutsch-isländischen Autor auch noch, die Aufbruchstimmung und den Optimismus Mitte der 90er entlarvend nachzuzeichnen. Wie naiv das Gerede vom Ende der Geschichte gewesen ist, wissen wir spätestens seit Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Klett-Cotta, 2026, 320 S., 25 Euro
2. Gianrico Carofiglio: Der Horizont der Nacht
Rechtsprechung führt selten zu Gerechtigkeit. Eine bittere Wahrheit, die nicht zuletzt immer wieder auch Stoff für unzählige Gerichts-Thriller ist. Wenn allerdings der ehemalige italienische Richter und Staatsanwalt Gianrico Carofiglio diesen Fakt zum Gegenstand eines Romans werden lässt, geht es weniger um das Schicksal einer Beschuldigten als um deren Anwalt. Avvocato Guerrieri vertritt die Angeklagte Elvira Castell, die ihm gegenüber den Mord an dem Lebensgefährten ihrer Zwillingsschwester gestanden hat. Guerrieri legt seine Verteidigung so an, dass die tödlichen Schüsse auch in Notwehr abgefeuert sein könnten. In seiner Funktion als Rechtsbeistand ein alltäglicher wie legitimer Versuch, Elvira zu einer milderen Strafe zu verhelfen. Allerdings zweifelt Guerrieri zunehmend an seinem Handeln, da er mit seiner cleveren Darstellung der Ereignisse und juristischer Finesse vor Gericht die Wahrnehmung von Geschehnissen zugunsten seiner Mandantin manipuliert. Nicht der Gerechtigkeit wegen, sondern letztendlich, um den Prozess zu gewinnen.
Gianrico Carofiglio, fängt in seiner Betrachtung des Anwalts dessen schwindende Überzeugung ein, ob er gegenüber seinem Gewissen überhaupt noch redlich handeln kann. Nicht das Gericht, sondern er trägt die Verantwortung über die Sichtweise auf eine Tat. Eindrücklich zeigt Carofiglio wie Wahrheit durch Fakten verzerrt werden kann und vermutlich überhaupt nicht greifbar ist. Anwalt Guerrieri wagt am Ende einen bescheidenen Neuanfang, um sich aufrichtig einem Menschen zuzuwenden – möge er gelingen …
Folio, 2026, 272 S., 26 Euro
Aus d. Ital. v. Verena von Koskull
1. Daniel Faßbender: Heaven’s Gate
Das Tor zum Himmel: Wer diese Welle zu reiten vermag, dem erscheint sie als Heaven’s Gate, wenn sie über einem bricht und man durch den Wassertunnel gleitet. Die philippinische Insel Surogoa ist seit zehn Monaten Zufluchtsort für jemanden, der dieses Himmelstor sehen kann. Ein ehemaliger Profisurfer, der wegen seiner Karaoke-Künste von allen hier nur Caruso genannt wird, obwohl er doch Deutscher ist. Surfen und die Tage lässig angehen sind sein liebster Zeitvertreib, um seine Ex zu vergessen. Nebenbei kommen manchmal sogar ein paar Pesos rein, da er als Privatdetektiv besser ist als der lausige Bulle Choco Mucho. Doch viel lieber tanzt sich Caruso nachts mit der Hotpants tragenden Halbfilipina Chérie im Arm und der Rumflasche am Hals durch die Bumbum-Läden der Insel. Aus seiner Hängematte holt ihn jedoch eines Tages die betörende Ángel mit einem folgenreichen Auftrag: Ihr 21-jähriger Sohn Juan ist seit zwei Wochen spurlos verschwunden. Caruso holt sich Hilfe bei einem nerdigen Hacker namens Yahoo, stellt den richtigen Leuten die richtigen Fragen. Die Antworten sind das Problem. So wird er mehrmals grün und blau geschlagen und wacht lädiert mit Platzwunden in einer dunklen Zelle auf. Anscheinend sind seine Nachforschungen so unerwünscht wie Juans dubiose Geschäftsidee, die er vor seinem Verschwinden plant hat. Yahoo findet eine Spur, die nach Deutschland weist. Ausgerechnet zum ehemaligen Kokskönig Dietmar „Diego“ Miehle mit seinem Pablo-Escobar-Schnäuzer, der wegen einer gewagten Import-Export-Masche 20 Jahre im Knast gesessen hat. Nun klärt er in einer Schule ganz brav über die Gefahren von Drogen auf, bis er endlich seine Memoiren veröffentlichen kann, welche bestimmt zum Megaseller werden. Als er durch Caruso von Ángels Auftrag erfährt, zucken seine Muskeln wieder im Gleichklang. Diego hat Adrenalin. Er wird dringend auf Surogao gebraucht …
Actionsatt, humorvoll und verdammt lässig: Daniel Faßbender rockt mal eben den deutschsprachigen Hardboiled-Krimi, dass es eine pure Freude ist. Inspiriert durch einen Surfurlaub und Jörg Fausers Klassiker „Das Schlangenmaul“ findet Faßbender zu einem eigenständigen wie coolen Sound, mit dem er die Stereotypen des Genre gekonnt neu belebt. In der packenden Story müssen sich Caruso und Diego mit Brutalo-Russen, einem rechtsextremen Fürsten, hintertückischen Polizisten und korruptem Politiker-Gesocks herumschlagen. Allein mit lockeren Sprüchen und Machogehabe kommen sie dabei jedoch nicht immer weiter. Femme fatale Ángel und eine Gruppe angstfreier Öko-Aktivist:innen sorgen für reichlich Gegenwind. Ob bei einem Hahnenkampf im Westpazifik oder beim Workout in einem trashigen Vorort-Gym bei Hannover, Daniel Faßbender schaut auf Details, nimmt uns hautnah überallhin mit. Als einmal ein armer Gecko aus einem Wasserspender befreit wird, merkt man: Dieser hat mehr Glück, als es auf Suroga üblich ist. Denn in Faßbenders sauguten Krimidebüt werden (leider) nicht alle menschlichen Akteure überleben. Statt zum Himmel öffnet sich für einige sogar ein Tor zur Hölle …
Diogenes, 2026, 304 S., 19 Euro
Riskieren Sie auch einen Blick auf unsere Liste der besten Krimis im Februar 2026!