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Die besten Krimis 2026: Empfehlungen für den Mai

Die besten Krimis im Mai 2026: Buchcover von Denise, Louise Hegarty, Susanne Kaiser, Pascal Garnier, Horst Eckert, Len Deighton

Der Wonnemonat wird blutig: Die besten Krimis im Mai 2026 mit Denise Mina, Horst Eckert und Susanne Kaiser.

Krimiklassiker neu erweckt: Mit „Die große Hitze“ holt Denise Mina den legendären Hardboiled Detective Philipp Marlowe zurück an die Bar – und damit sollte ihr doch eigentlich der Spitzenplatz auf unserer Liste der besten Krimis im Mai 2026 sicher sein, oder? Krimiklassiker neu entdeckt: Auch die Neuauflage von „Mond gefangen in einem toten Auge“ des Noir Autoren Pascal Garnier 1949-2010) steht auf unserer Liste der besten Krimis im Mai 2026. Und mit „Berliner Spiel“ des erst kürzlich verstorbenen Len Deighton steht sogar noch ein weiterer Klassiker auf unserer Liste der besten Krimis im Mai 2026.

Mit „Fair Play“ von Louise Hegarty steht aber ein Debüt auf unserer Liste der besten Krimis im Mai 2026. Die irische Autorin bricht mit den Leseerwartungen und spielt clever mit den überkommenen goldenen Regeln, die in den 20er-Jahren für Detektivgeschichten definiert wurden. Susanne Kaiser legt den zweiten Fall mit LKA-Ermittlerin Obalski vor und tritt mit „Witch Hunt“ auf unserer Liste der besten Krimis im Mai 2026 an. Und schließlich ist da noch Horst Eckerts flammendes Plädoyer für unerschrockenen Investigativjournalismus. „Die Praktikantin“ heißt sein Titel auf unserer Liste der besten Krimis im Mai 2026.

Die besten Krimis im Mai 2026

6. Len Deighton: Berliner Spiel

Die besten Krimis im Mai 2026: Buchcover „Berliner Spiel“ von Len DeightonDas Zickzack der Mauer ist schon beim Anflug erkennbar: Anfang der 1980er landet der britische Agent Bernard Samson zum Außendienst in Berlin. Er soll den wertvollen DDR-Informanten „Brahms Vier“ zum Bleiben überreden. Dieser hat kalte Füße bekommen und will rausgeholt werden. Da er brisante Beweise hat, dass es in der Chefetage der Londoner SIS-Zentrale einen „Maulwurf“ gibt, fühlt er sich nicht mehr sicher. Über eine undichte Stelle im Service wurde schon spekuliert, seit es in letzter Zeit bei operativen Aktionen vermehrt Fehlschläge gegeben hat. Agent Trent offenbart sich als Spitzel, er könnte jedoch zur Ablenkung geopfert worden sein, weil die Russen längst jemand anderen an einem Londoner Schreibtisch haben.

Der in die Jahre gekommene Bernard kennt Frank aus der Berlinabteilung schon seit Kindheitstagen. Auch Dicky taugt nicht zum Verräter. Misstrauisch ist Bernard da eher bei seiner Frau Fiona, die ebenfalls beim Service arbeitet. Aber nicht, weil er sie verdächtigt, Staatsgeheimnisse durchzustechen, sondern ihn der Karriere wegen mit seinem Chef zu betrügen. So ertränkt er seinen Frust mit Gin und kriecht im Burberry-Trenchcoat durch Ostberliner Kanäle. Bei seinem Treffen mit „Brahms Vier“ erkennt Bernard, einen unverzeihlichen Fehler begangen zu haben …

Len Deighton, 1929 in London geboren, besticht im ersten Teil seiner „Game, Poker und Match“-Trilogie aus dem Jahr 1983 weniger mit Thriller-Action, als mit seinem ganz eigenen Mix aus lakonischen Dialogen und trockenem Zynismus. Längst sind Deightons Spionageromane moderne Klassiker. Jetzt erscheinen sie in aufgefrischter Übersetzung neu. Da ist es ein großer Spaß, die abgeklärten Zickzack-Kurse der (Doppel-)Agenten zu durchschauen.

Kampa, 2026, 400 S., 19,90 Euro

Aus d. Engl. v. Hedda Pänke

5. Horst Eckert: Die Praktikantin

Buchcover „Die Praktikantin“ von Horst Eckert„Sie richten mehr Schaden an, als Sie ahnen!“ – „Das hoffe ich.“ Die selbstbewusste Carla lässt sich von dem dubiosen Geheimdienstmann nicht beirren. Durch Zufall ist sie als Redaktions-Prakti­kantin bei der Morgenpost gleich einem internationalen Polit-Skandal auf die Spur gekommen. Wird etwa der Mord an einem regimekritischen Exilrussen von einem deutschen Minister gedeckt? Horst Eckert hochbrisanter Thriller liest sich als flammendes Plädoyer für un­erschrockenen Investigativ-Journalismus – und ist dabei verstörend zeitgemäß.

Horst Eckert, 1959 in Weiden/Oberpfalz geboren, lebt seit vielen Jahren in Düsseldorf. Er arbeitete 15 Jahre als Fernsehjournalist, u.a. für die „Tagesschau“. 1995 erschien sein Debüt „Annas Erbe“. Seine Romane gelten als „im besten Sinne komplexe Polizeithriller, die man nicht nur als spannenden Kriminalstoff lesen kann, sondern auch als einen Kommentar zur Zeit“ (Deutschlandfunk). Sie wurden unter anderem mit dem Marlowe-Preis und dem Friedrich-Glauser-Preis ausgezeichnet und ins Französische, Niederländische und Tschechische übersetzt.

Heyne, 2026, 384 S., 17 Euro

4. Pascal Garnier: Mond gefangen in einem toten Auge

Buchcover „Mond gefangen in einem toten Auge“ von Pascal GarnierSeien wir ehrlich: Experimente machen am meisten Spaß, wenn es pufft und knallt. Auch Noir-Autor Pascal Garnier (1949–2010) liebt es, seine gesellschaftlichen Versuchs­anord­nun­gen unter literarischen Laborbedingungen detonieren zu lassen. Als Petrischale dient ihm diesmal eine neugebaute, ländliche Senioren­residenz in Südfrankreich. Zunächst ist das Ehepaar Martial und Odette dort allein mit dem Haus­meister Monsieur Flesh. Und das bedeutet: permanente Sonntagslaune. Garnier fügt aber nach und nach mehr Bewohner hinzu, bis es kritisch wird. Maxime und Màrlene ziehen ein, die allein­stehende lesbische Léa und die Animateurin Nadine. Jetzt erhitzt nicht nur die stetig steigende Außen­temperatur ein männliches Ego: Ge­fühle fangen an zu brodeln, Knochen knacken und eine eingebildete Fliege nervt.

Schließlich mischt Garnier dieser Gemengelage von außen auch noch ein paar Roma bei, die in der Nähe auftauchen und die Senioren somit vermeintlich belagern. Nadine kann weder mit Haschischkuchen noch mit Lach­therapie die Emotionen runterkühlen. Also: Bumm! Eine Revolverkugel pfeift durch die Luft. Pascal Garnier hat augenscheinlich Spaß daran, das hochverdichtete Setting explodieren zu lassen. Apropos Auge: Bei Ex­peri­menten wie diesem ist die Gefahr groß, körperlichen Schaden zu nehmen …

Septime, 2026, 132 S., 20 Euro

Aus d. Franz. v. Michael von Killisch-Horn

TOP 3

3. Susanne Kaiser: Witch Hunt

Die besten Krimis im Mai 2026: Buchcover „Witch Hunt“ von Susanne KaiserStrafwerkzeuge aus dem Mittelalter haben mitunter einen schlechten Ruf, sind jedoch effektiv.  So hat etwa der hölzerne Schand­pfahl vom altertümlichen Marktplatz als digitaler Pranger längst seine moderne Form gefunden. Zu gerne bedienen sich Hater, Incels oder sonstig Zukurzgekommene der neuen Macht­instrumente im Netz, um es diejenigen heimzuzahlen, denen sie die Schuld für ihre Misere geben. Das gerade auch erfolgreiche Frauen da Opfer einer regelrechten Hexen­jagd werden können, erfährt eine Politikerin des bayerischen Landtags: Sie ist nicht nur Hatespam sondern auch Vergewaltigungs- sowie Mord­fantasien ausgesetzt. LKA-Ermittlerin Obalski wird undercover als Social-Media-Beraterin in ihr Team geschleust, um so auf die Spur der Internet-Trolle zu kommen. Als jedoch nicht nur eine Bombendrohung eingeht, sondern auch gegen weitere Frauen in München ge­hetzt und gar eine Richterin ermordet wird, gerät Obalski unter enormen Erfolgs­druck.

Susanne Kaiser blickt im zweiten Band ihrer packenden Reihe auf eine bedrohliche Entwicklung, welche aktuell durch Deepfakes einen erschreckenden Höhe­punkt erreicht. Mit der Hackerin Nila wird deutlich, welche Techniken die Digital­­forensik dagegen stellt. Weit mehr als Frauenhass verbirgt sich hier jedoch hinter allen Taten: Obalski deckt eine raffinierte Mani­pulations­aktion auf, die einem fast mittelalterlich anmutenden Geschäftsmodell dienen soll …

Wunderlich, 2026, 304 S., 24 Euro

2. Louise Hegarty: Fair Play

Buchcover „Fair Play“ von Louise HegartySie versteckt die Mordwaffe (eine Champagnerflasche), legt falsche Fährten und vernebelt durch irritierende Hinweise die Sicht auf die Auflösung. Abigail bereitet alles für ihr taditionelles Krimidinner (Dresscode: Goldene Zwanziger) vor. Zu Silvester lädt sie Freunde und Weggefärten ihres Bruders Benjamin stilecht in ein Landhaus ein, um in dessen Geburtstag reinzufeiern. Der gesellige Spaß wird zum traurigen Ernst, als Benjamin am nächsten Morgen leblos (Der Arzt diagnostiziert vorschnell: Selbstmord) aufgefunden wird. Wer sich jetzt auf einen klassischem Whodunnit mit Locked-Room-Mystery freut, wird nicht enttäuscht. Doch legt die irische Autorin Louise Hegarty wie ihre Figur Abigail falsche Fährten: Ihr Roman­debüt bricht mit den Leseerwartungen und spielt clever mit den überkommenen („goldenen“) Regeln, die in den Zwanziger Jahren für Detektivgeschichten definiert worden sind.

So ist sich Privatdetektiv Bell (bekannt aus Bestsellern und natürlich mit einem „Watson“ an seiner Seite) durchaus seiner fiktionalen Identität bewusst. Wie es sich gehört, weiß er um seine Aufgabe, die begrenzte Zahl von Ver­dächtigen nacheinander zu befragen und mit immer neuen Theorien über den Tathergang die Spannung bis zur Auflösung aufrecht zu erhalten. Louise Hegarty springt mit Witz und Ironie zwischen verschiedenen Ebenen, entlarvt die Erzähl­realität als Fiktion und wendet sich mit Exkursen an die Lesenden. Wie im echten Leben offenbaren Trauerverarbeitung und facettenreiche Nachbetrachtung des Todesfalls auch Lebenslügen und vermeintliche Freundschaften. So ist Hegartys Rätselkrimi zugleich Hommage wie lustvolle Dekonstruktion.

dtv, 2026, 352 S., 25 Euro

Aus d. Engl. v. Eva Bonné

1. Denise Mina: Die große Hitze

Buchcover „Die große Hitze“ von Denise MinaNormalerweise trinke ich nicht morgens um halb elf im Büro. Wenn jedoch ein neuer Philipp-Marlowe-Roman herein­flattert, lege ich die Füße auf die Schreibtischplatte und angle mir die Flasche „Writer’s Tears“ aus der untersten Schublade. Wie sonst sollte sich Hardboiled Heuner für diese besondere Lektüre stilecht in Lese­position bringen? Okay – richtiger wäre diesmal wohl eher schottischer Whisky statt irischer – schließlich stammt die Autorin Denis Mina ja aus Glasgow. Sie reiht sich als erste Frau in die namhafte Autorenriege, die nach Chandler den legendären Hard­boiled Detective wiederbelebt. Das freut auch Übersetzerin und Heraus­geberin Else Laudan, die den charakteristischen Sound mit den unverwechselbaren Metaphern für Mina gekonnt ins Deutsche überträgt. Also sind wir zurück im Los Angeles der ausklingenden 1930er Jahre: Trotz der Hitzewelle hat Eigenbrötler Marlowe selten eine trockene Kehle und immer einen lockeren Spruch auf der losen Zunge. Respektlos gegenüber Autoritäten steht er auf der Seite der Underdogs und stolpert immer wieder über Leichen und schöne Frauen.

Für vierzig Dollar am Tag plus Spesen wirft sich der Privat­schnüffler in seinen Billiganzug, um Baby Maude ihren Pasco Pete wieder­zubringen. Doch die Suche ist bald vom Tisch, denn hinter der erstbesten Müllecke knabbern schon die Ratten an Pasco Petes Resten. Da kontaktieren Marlowe auch schon die feinen Montgomerys, um ihre durchgebrannte Tochter Chrissie aufzuspüren … Wer sich gerne zwischen Plotlinien treiben lässt und wen ein sich schnell drehendes Personenkarusell nicht verwirrt, der kann auf Denis Mina vertrauen: Mit ihrer anspielungsreichen und gut recherchierten Chandler-Pastiche hält sie souverän den Rhythmus zwischen Pulp und Prosa. Wenn Mina etwa mit dem schwulen Jimmy the One eine historische Figuren anverwandelt, oder aus dem Chandler-Kosmos Empfangsdame Mabel und Polizistentochter Anne Riordan aufgreift, sind das gelungene Referenzen an das Original. Klar, in Bezug auf geschlechtsgerechtes Verhalten und responsibly drinking ist es nicht vorbildhaft, wenn man Marlowe in den dunklen Schlund einer räudigen Kellerbar folgt, in der Trinken als religiöse Praxis zelebriert wird … Muss ich den Jungs von erzählen, dass Marlowe wieder da ist. Die treff ich gleich zum täglichen Sundowner an der Bar im Keller …

Riskieren Sie auch einen Blick auf unsere Liste der besten Krimis im April 2024!

 

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