Die Braut haut ins Auge

Die Braut haut ins Auge

Sie haben deutsche Texte, und es ist Popmusik. Ansonsten aber läßt sich die Hamburger Frauencombo nicht festlegen: Ihr neuestes Werk „Pop ist tot“ (BMG HH) strotzt vor beschwingter Energie, kommt aber ohne aufgemotztes Rock-Getue aus. Mit Verve und feiner Ironie präsentiert die „Braut“ Sittenbilder aus der Großstadt – Sängerin Bernadette Hengst und Bassistin Peta Devlin erzählten uns mehr darüber.

KULTUR!NEWS: Bernadette, Peta, ist euer drittes Album ein Zeichen von Reife?

Bernadette Hengst: Die Themen sind schon nicht mehr ganz so jugendlich. Das passiert halt so, wenn man älter wird. Aber „erwachsen“ bedeutet ja nicht automatisch Ernsthaftigkeit. Es war wichtig, sich für etwas zu entscheiden und nicht ewig die herumirrenden Großstadtmädchen zu bleiben, die nicht wissen, wie es weitergeht.

K!N: Seid Ihr auf diese Weise zu anderen Themen gekommen?

Bernadette: Wir haben uns nie als Frauen-Themen-Band verstanden, aber es werden zunehmend Geschichten von Frauen um die 30. Wir haben ein Lied über eine Frau, die einen Verfolgungswahn hat und aus dem Grund denjenigen, von dem sie sich bedroht fühlt, mit einem Messer ersticht, eins über eine Kaufhausverkäuferin, die ihr Gedächtnis verliert, eins über eine Feuerwehrfrau …

K!N: Ist die Band eine regelrechte Verschwörung der Frauen?

Peta Devlin: Ja, das war früher fast schon wie ein Körper mit vier Köpfen.

Bernadette: Wir haben verschiedene Phasen durchgemacht, eine Zeitlang haben wir propragiert: zusammen im Bandbus sitzen, zusammen auf demselben Klo scheißen, dasselbe Essen essen , dieselben Typen haben … Das war auch ein Witz, aber dahinter steckte der Wunsch nach einer Einheit, die nur als Symbiose existieren kann.

K!N: Welche Gefühle löst der Girlie-Feminismus bei euch aus?

Peta: Alt zu sein! Ich könnte von der aktuellen Mode wirklich nichts anziehen. Es ist alles bauchfrei und hauteng – ich würde aussehen wie eine Wurst. Wir mußten uns irgendwie mit dem Girlie-Gehampel auseinandersetzen, aber es ist längst umgewandelt worden in Girlie-Mode und Girlism als Marketing-Konzept. Eigentlich hatten wir nie wirklich etwas damit zu tun.

Interview: Rolf von der Reith

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