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Die Fantastischen Vier – 30 Jahre

30 Jahre nach ihrer Bandgründung feiern Die Fantastischen Vier ihr Jubiläum mit einer großen Stadiontour.

Smudo, man hat den Eindruck, ihr gleitet einfach von einem Jubiläum ins nächste. Das 25-Jährige ist noch nicht lange her, und jetzt zelebriert ihr gerade euer 30-jähriges Dienstjubiläum. Kommt ihr aus dem Feiern noch raus?

Smudo: Nur schwer. Am liebsten würde ich jeden Morgen im Jubiläumsmodus mit einem guten Gläschen Champagner aufstehen – aber dann wollen doch wieder die Kinder in die Schule gebracht werden, im Kühlschrank ist nichts mehr, und die Autobatterie hat den Geist aufgegeben. Von dem Dreißigsten sind wir jetzt selbst ein bisschen überrumpelt worden.

Euer Gründungskonzert hat am 7. Juli 1989 stattgefunden, und der Ort des Geschehens war ein Kindergarten in Stuttgart-Wangen.

Smudo: Ganz richtig. Eigentlich hätten wir also dieses Jahr schon die große Jubiläums-Stadiontournee machen müssen und nicht erst nächstes. In die Quere gekommen ist uns zum einen unser dürftiges Organisationstalent sowie die Tatsache, dass unser jüngstes Album „Captain Fantastic“ auch dank der Single „Zusammen“ ziemlich erfolgreich gewesen ist. Also tourt man dann eben zwei Jahre mit der Platte. Egal, wir sind erst seit Juli 30, wir feiern jetzt einfach das ganze Jahr durch.

Hat euch das Ausmaß des Erfolgs von „Zusammen“ überrascht?

Smudo: Ja. Das war unser größter Hit seit „Die da“ – soweit man das vergleichen kann, denn damals, und auch noch zu Zeiten von „Sie ist weg“ und „MfG“, wurden Songs noch richtig gekauft und nicht nur für ein paar Minuten gemietet.

Du stehst dem Streaming kritisch gegenüber?

Smudo: Nein, kritisch bin ich nicht. Technisch finde ich das auch für Filme super, es ist nur ungewohnt. Aber hier spricht der alte Sack. Dass Musik nicht nur aus dem Handy, sondern auch von drehenden Tellern kommen kann, ist für meine Kinder ein super vermiefter, nicht reeller Gedanke. Die können sich einen Alltag, wie es ihn in meiner Jugend gab, überhaupt nicht vorstellen. Meine Töchter wissen, was ein Plattenspieler ist, aber für sie ist das ein musealer Gegenstand.

Seit 30 Jahren seid ihr vier kreativ. Wie geht das?

Smudo: Da fragst du den Falschen. Ich weiß es nämlich nicht. Ich glaube, dass wir Vier plus unser Manager Bär ein ganz spezielles geistiges Biotop bilden und wir uns immer wieder gegenseitig beleben. Alleine würde das keiner von uns so durchziehen können. Es hilft wohl auch, dass der Erfolg bisher nie ausgeblieben ist und wir nach wie vor enge Freunde sind. Aber es gibt jetzt keine Maßnahmen, die wir ergreifen. Wir treffen uns und machen Songs. Manchmal kommt was dabei raus, oft auch nicht. Wir haben die Fähigkeit dranzubleiben.

Wie wichtig ist die Tatsache, dass ihr euch mögt?

Smudo: Sehr wichtig. Jeder wird gleich ernst genommen, und es wird fair über alles geredet. Wenn man gemeinsam etwas mit Mehrheit beschließt, tragen es auch die mit, die dagegen waren.

In der Film-Doku „Wer Vier sind“ von Thomas Schwendemann, der euch bei den Vorbereitungen von „Captain Fantastic“ und der Tour fast zwei Jahre begleitet hat, sagt euer Kollege Samy Deluxe: „Die sind einfach verrückt und deshalb über die Jahre interessant geblieben.“ Stimmt das?

Smudo: Samy hat mit uns an Songs gearbeitet, und er hat uns so gesehen, wie wir wirklich sind. Wir schlunzen im Studio in Jogginghosen rum wie verkaterte Hasch-Druffis in der Opa-Variante. Samy musste so lachen und meinte, er kenne niemanden, der in unserem Alter noch so agil sei. Ich glaube, wir haben irgendwie noch was Jungenhaftes. Wir sind verspielt, nicht nur in unserer Musik, sondern bei allem, was wir so machen.

Taugt der Film was?

Smudo: Mir hat er große Freude gemacht, auch wenn mich die Fantas sonst ja nicht so hinterm Ofen hervorlocken.

Jungenhaft verspielt, aber alt genug fürs Museum? „TROY 30 Jahre Die Fantastischen Vier“ heißt die Ausstellung, die im „StadtPalais – Museum für Stuttgart“ noch bis zum 29. März 2020 läuft.

Smudo: Mit 50 ist man irgendwo mittig zwischen diesen beiden Polen. Die Ausstellung ist total geil, toll durchdacht und interaktiv. Man hat das Gefühl, man ist mittendrin und kann sozusagen in einigen unserer Videoclips mitspielen. Dazu wird unsere Karriere chronologisch abgebildet, auch auf den Standortvorteil Stuttgart mit den vielen amerikanischen Soldaten wird eingegangen. Für musikinteressierte Menschen ist das spannend und relevant.

Wie spontan kam euch die Idee mit der Stadiontour?

Smudo: Davon haben wir schon richtig lange geträumt, und zum Dreißigjährigen haben wir den Plan reaktiviert. Die Show wird ganz anders als die der „Captain Fantastic“-Tour. Ich möchte sagen: feierlicher. Wir spielen alle unsere Hits, und es wird Sommer sein. Ich verspreche Spaß für die ganze Familie.

Wird es bis dahin auch neue Songs geben?

Smudo:Mal sehen. Am Ende von anderthalb langen Tour-Jahren haben wir alle vier den Kopf ein bisschen leer. Mal sehen, wie wir im Winter drauf sind.

Warum seid ihr nach fünf Jahren nicht mehr bei „The Voice“ dabei?

Smudo: Es gehört zum Konzept, immer mal wieder zu rotieren. Wir sind mit fünf Jahren Rekordhalter und waren echt mal dran. War eine tolle Zeit.

Fanta 50?

Smudo:Eins nach dem anderen. Jetzt feiern wir erstmal das nächste Jahr.

Interview: Steffen Rüth

TOUR 2020

30 JAHRE LIVE

25. 5. München

12. 6. Hamburg

13. 6. Leipzig

19. 6. Meppen

20. 6. Köln

27. 6. Frankfurt

4. 7. Stuttgart

Tickets gibt es bei Eventim.

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