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Die Firma

Diesen Monat eröffnen die Neuunternehmer von Die Firma „Das zweite Kapitel“ (aktuelle CD) ihres florierendes Rap-Unternehmens auf der Bühne. kulturnews sprach mit Vorstandsmitglied Tatwaffe über Geschäftspolitik und Firmenphilosophie.

kulturnews: Tatwaffe, in Euren Songs geht es um Kriege, soziale Ungerechtigkeit, Glaubensfragen, eine bessere Welt. Lauft Ihr Gefahr, euch als Propheten zu sehen oder zu ernst zu nehmen?

Tatwaffe: Wir nehmen uns so weit ernst, daß wir glauben, daß wir mit der Musik, die wir machen, etwas verändern können. Und wenn nur einer dadurch auf eine Idee kommt, auf die er sonst nicht gekommen wäre. Jeden anderen, der Rap macht, nehmen wir in dem Sinne auch ernst, weil da muß man etwas zu sagen haben muß. Was wir auf CD erzählen sind Möglichkeiten, keine Wahrheiten. Daher können wir gar keine Neuzeit-Nostradamuse sein. Und wenn es halt nicht ernst ist, dann ist es zumindest ehrlich. Ich zum Beispiel lese viel und tausche mich gerne aus, und das wirkt sich auch auf die Musik aus. Nur Party machen auf CD tun genug andere.

kulturnews: Herrscht bei euch deshalb zeitweise arges Pathos?

Tatwaffe: Das mit dem Pathos kann ich nicht verstehen. Na gut, unsere Musik ist eine Kitschwandlung, hart am Rande, weil es Bilder erzeugt. Im Gegensatz zu anderer Rap-Musik, die meist zu abstrakt ist und nichts auslösen kann. Ich finde, Musik sollte immer die inhaltliche Stimmung des Textes wiedergeben. Wenn ein Song von Krieg handelt, legt man da keinen Boogaloo drunter, klar. Aber arges Pathos weise ich von mir. Wir sind schließlich keine Unicef-Botschafter.

kulturnews: Klingt ziemlich nüchtern und abgeklärt. Seid ihr nicht gerne Rapstars?

Tatwaffe: Ich habe gar keinen Bock, ein Star zu sein. Ich kann das Wort schon nicht leiden. Wenn Leute die Platte kaufen, freut mich das, und wenn ich davon leben kann, noch mehr. Aber das Kribbeln, die eigene CD, die vielleicht unzählige Käufer findet, zuhause aufzulegen, fühle ich schon lange nicht mehr. Ich mache ja nicht erst seit gestern Musik. Wenn also jemand sagen würde: Hier, nimm entweder eine Million, verkauf die Platte, und geh nie ins Fernsehen, oder geh ins Fernsehen, werde ein Star und die Leute kennen dein Gesicht zu der Platte, würde ich sagen: Her mit dem Geld.

Interview: Volker Sievert

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