„Die Stimme von Hind Rajab“: Die Rettung so nah
Im Kino läuft jetzt mit „Die Stimme von Hind Rajab“ ein ergreifender Film über ein Kind in Gaza, das im Auto der Eltern unter Beschuss gerät und verzwiefelt mit dem Handy um Hilfe ruft.
Ein kleines Kind stirbt. Das ist die erschütternde Essenz des Films „Die Stimme von Hind Rajab“ der tunesischen Regisseurin Kaouther Ben Hanla („Olfas Töchter“). Wir sehen das Kind nicht, wir hören nur seine Stimme – über das Handy, mit dem die 6-jährige Hind mit der Notrufzentrale des Roten Halbmonds in Ramallah spricht.
Die Tonaufnahmen mit den verzweifelten Hilferufen des Mädchens sind echt: Im Januar 2024 geriet das Auto mit ihrer ganzen Familie darin in Gaza unter Beschuss der israelischen Armee, und nur sie war nicht sofort tot. Der Anruf löst bei den Helfern Hektik aus: Sie versuchen, irgendwie einen Krankenwagen zu Hind zu schicken. Doch müssen sie auf das Go warten, das nur die israelische Armee erteilen kann. Wertvolle Stunden verrinnen, in denen die Helfer alles ausprobieren, während sie das Mädchen am Telefon zu trösten versuchen. Irgendwann kommt die erlösende Nachricht: Der Krankenwagen kann losfahren. Doch er wird nie bei Hind ankommen … Dabei verlässt die Kamera (so gut wie) nie die Notrufzentrale – so entsteht ein packendes, klaustrophobisches Kammerspiel. Ben Hanlas Film bezieht ausdrücklich Stellung und hat prominente Unterstützer gefunden: Zu den zahlreichen Produzenten gehören u. a. Brad Pitt, Joaquin Phoenix und Alfonso Cuarón. „Die Stimme von Hind Rajab“ funktioniert aber nicht nur als politisches Statement, sondern auch als Kinofilm, gerade weil er sich er auf diesen einen Fall konzentriert und der Zuschauer gefordert ist, seine eigenen Schlüsse daraus zu ziehen.