MUSIK

MS Dockville: Auf diese fünf Acts freuen wir uns besonders

MS Dockville
Foto: Axel Schilling

Vom 16.–18. August findet in Hamburg-Wilhelmsburg wieder das MS Dockville statt, jener Hybrid aus Kunst- und Musikfestival, der neben seinem stets geschmackssicheren Line-up auch von der liebevollen, oftmals unvorhersehbaren Geländegestaltung sowie seiner Lage an Elbufer und eindrucksvoller Industriearchitektur lebt. Auch in diesem Jahr ist die Auswahl an Bands und Künstler*innen wieder so ausgesucht wie vielseitig: Unter anderem die österreichischen Pop-Eklektiker Bilderbuch, die britischen Soulmodernisten von Jungle, die Groove-Pop-Band Parcels, das Hamburger Techno-Marching-Kollektiv MEUTE, Indieheld Drangsal und die norwegische Synthpop-Atmosphärikerin Aurora sind in diesem Jahr auf den mittlerweile sieben verschiedenen Bühnen des Festivals zu sehen. Wir haben uns fünf Acts herausgesucht, auf die wir uns in diesem Jahr ganz besonders freuen:

1. Billie Eilish

In einem auch nur annähernd so kleinen Rahmen wie bei ihrer letzten Tour – in Hamburg trat sie noch im Februar vor etwa 900 Besucher*innen im Uebel & Gefährlich auf – wird man Billie Eilish sicher nie mehr zu sehen bekommen, doch ihren Headliner-Status hat sich die 17-Jährige auch mehr als verdient: Lange gab es keinen Popstar mehr – und Eilish kann mittlerweile guten Gewissens als solcher bezeichnet werden –, der nicht nur leere Projektionsfläche und uneinlösbares Versprechen gewesen ist, sondern all den Wirrnissen und Untiefen der Adoleszenz ein ernstzunehmendes Ventil geboten hat. Ästhetisch hat sich die Musikerin zwischen Goth, HipHop-Chic und Anime-Grellheit eine ganz eigene Nische geschaffen, und auch auf ihrem Debütalbum „When we all fall asleep, where do we go?“ reizt Eilish maximal aus, was an Weirdness inmitten zeitgenössischer Popmusik-Konventionen möglich ist. Mit ihrem fast flüsternden Gesang und der entkernten Produktion, in die sich hin und wieder subsonische Bässe hineinbohren, hat Eilish ihrem catchy Songwriting zudem ein unverwechselbares und ungemein kontemporäres Soundkostüm verpasst.

Wo? Grossschot

Wann? Freitag, 16. 8., 22–23 Uhr

2. Ex:Re

Mit ihrem selbstbetitelten Solodebüt hat Daughter-Sängerin Elena Tonra alias Ex:Re ein ungemein reflektiertes und bis an die Schmerzgrenze persönliches Trennungsalbum aufgenommen, das nichts mit verklärendem Herzschmerz gemein hat – und viele der besten Songs enthält, die die Musikerin je geschrieben hat. Von ihrem Bandsound hat sie sich dabei nur in Nuancen entfernt, etwa wenn sie ihrem charakteristisch melancholiedurchtränkten Songwriting in der großartigen Single „Romance“ eine fast technoide Grundierung unterschiebt. Ihr Auftritt auf dem MS Dockville ist der bisher einzige bestätigte Livetermin in Deutschland.

Wo? Vorschot

Wann? Sonntag, 18. 8., 19.30–20.20 Uhr

3. Yves Tumor

Sein Album „Safe in the Hands of Love“ wurde Ende 2018 zum Experimentalpop der Stunde, indem es sich im Minutentakt neu erfunden hat: als freejazzige Kopfkino-Improvisation, als elektronischer Loopfunk, als dräuender Industrial-Noise oder technoide Soundskulptur – alles zusammengehalten von Yves Tumors mal nonchalanter, mal beschwörender Stimme. Vielgesichtige Hypnosemusik zwischen frühen Animal Collective und späterem Flying Lotus, die fordert und nicht selten fremdartig wirkt, aber auch immer wieder Popbrücken zwischen ihre waghalsigen Stilmanöver baut. Wie das live aussieht? Wir sind gespannt!

Wo? Maschinenraum

Wann? Samstag, 17.  8., 21.50–22.50 Uhr

4. Jon Hopkins

Der Durchbruch kam für Jon Hopkins erst mit dem vierten Album: Mit „Immunity“ (2013) hat der Künstler eine so organische Version von Techno entworfen, das die Grenze zwischen Analogem und Digitalem bis zur Unkenntlichkeit verwischt waren; und mehr als an Funktionalem für die Peaktime war Hopkins auch 2018 auf dem etwa durch die Mitwirkung eines Chors vergleichsweise üppigen Nachfolger „Singularity“ an den Zwischenräumen interessiert, den Bruchstellen und der Melancholie danach. Introspektiveres Tanzen wird auf dem Dockville sonst nicht mehr möglich sein.

Wo? Vorschot

Wann? Sonntag, 18. 8., 20.50–21.50 Uhr

5. La Fleur

Apropos Techno: Die in Schweden geborene und nun in Berlin ansässige DJ La Fleur ist bisher weniger bekannt, dabei verspricht auch ihr Set viele tranceartige Momente – nachzuhören zum Beispiel auf der in diesem Jahr erschienenen EP „Aphelion“, in deren Titeltrack La Fleur eine ungemein dichte und melodische Version von Tech House ausbreitet, die sich immer dort auf ihren Funktionsrahmen rückbesinnt, wo sie gar zu hymnisch zu werden droht, während sie in „Hunting Grounds“ die maschinelle Kühle mit Vocoder-Gesangsfetzen konterkariert. Nachdem sie schon ein Boiler-Room-Set gespielt und den renommierten BBC Essential Mix programmiert hat, gibt La Fleur jetzt ihre Dockville-Premiere.

Wo? Klüse

Wann? Sonntag, 18. 8., 19.30–21.30 Uhr

Das Dockville ist nahezu ausverkauft, es sind aber noch Tagestickets für den Sonntag erhältlich.

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