Spezial

Die Doku „Herr Bachmann und seine Klasse“ zeichnet eine berührende Blaupause für Gemeinschaft

Nähert man sich dem Ort Stadtallendorf mitten in der deutschen Provinz, zeigt sich zuerst die Silhouette rauchender Industriekomplexe. Aus der Ferne wirkt die Stadt wie ein riesiges Fabrikareal, umgeben von Wohnblocks auf der einen und einem alten Fachwerkdorf auf der anderen Seite. Inmitten dieser Szenerie porträtiert Regisseurin Maria Speth auf einfühlsame Weise, wie fruchtbar und bereichernd die Beziehung zwischen dem Lehrer Bachmann und seinen Schüler:innen unterschiedlichster Herkunft an der Orientierungsstufe einer Gesamtschule ist.

Als die Dokumentation „Herr Bachmann und seine Klasse“ an der Georg-Büchner-Schule in Mittelhessen entstand, hätte wohl kaum einer damit gerechnet, wie groß das Potenzial des dreieinhalbstündigen Porträts der Klasse 6b und ihres engagierten, einfühlsamen Lehrers ist.

Wo ist ein Mensch zu Hause?

Stadtallendorf
Foto: Madonnen Film GmbH

Zentrales Element der wirklichkeitsnahen Erzählung ist die Migrationsgeschichte. Einerseits bezieht die sich auf den Spielort Stadtallendorf, besonders intensiv wirken aber die sozialen Beziehungen in der Klasse, in der Schüler aus neun verschiedenen Ländern gemeinsam lernen und wachsen. Die Beziehungsebene erzählt der Film fast beiläufig und bietet stattdessen der einnehmenden Offenheit eine Bühne, mit denen Lehrer Bachmann den Kindern auf ganz natürliche Art begegnet. Ihm gelingt es, im Klassenzimmer einen Raum des Vertrauens zu schaffen – trotz oder gerade wegen der unterschiedlichen sozialen und kulturellen Erfahrungen der 12 bis 14-jährigen Schulkinder.

Es wird klar: Beim Lehren und Lernen geht es um mehr als reine Wissensvermittlung. Damit zeichnet die Doku eine beinahe utopisch anmutende Idee der Gemeinschaft. Auf diesen Streif der Hoffnung hat das Publikum im Jahr 2021 gewartet. Zu Recht gewann die Schuldoku bei der Berlinale im Juli 2021 also den Silbernen Bären – Preis der Jury und den Publikumspreis – Wettbewerb. Das ist für einen Dokumentarfilm mit Überlänge durchaus bemerkenswert.

Eine Doku als intellektuelles Erbe vor der Pensionierung

Herr Bachmann jongliert im Klassenzimmer, umgeben von seiner Klasse.
Foto: Madonnen Film GmbH

So wie Lehrer Bachmann diesen jungen Menschen im Klassenraum die Möglichkeit zur Entfaltung von Fähigkeiten, Schönheit und Würde gibt, wollten Regisseurin und Kameramann ihnen in der Montage vor allem eines geben: Die Möglichkeit Stars zu sein für absolut sehenswerte 217 Minuten. „Herr Bachmann und seine Klasse“ kommt am 13. September 2021 in die Kinos.

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