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Duse: Hamburg Ballett

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Foto: © Holger Badekow

Eine getanzte Künstlerbiografie: John Neumeier choreografiert an der Hamburger Staatsoper das Leben der Eleonora Duse.

Alles neu an der Staatsoper, seit Georges Delnon hier im Herbst die Intendanz übernommen hat? Nein, natürlich nicht: Mag in der Oper der Geist des Regietheaters eingezigen sein, das Ballett wird wie eh und je von John Neumeier geleitet, und der hält immer noch die Tradition des neoklassischen Handlungsballetts hoch.

„Duse“ ist eine getanzte Künstlerbiografie, wie Neumeier sie alle paar Jahre entwickelt: Diesmal geht es um Eleonora Duse (getanzt von Alessandra Ferri), die neben Sarah Benhardt und Mrs. Patrick Campbell die bedeutendste Theaterschauspielerin des ausgehenden 19. Jahrunderts war und die mit ihrem realistischen Spiel half, damals als avantgardistisch geltende Dramatiker wie Henrik Ibsen und Gabriele D’Annunzio durchzusetzen. Neumeier hat für „Duse“ die Form der „choreografischen Phantasien“ entwickelt: Getanzt wird keine Dokumentation über Duses Leben, sondern eine Einfühlung in den mythischen Charakter von Duses Schauspiel.

Im ersten Teil des Abends ergründet Neumeier die Kunst der Duse in beeindruckenden, manchmal allerdings auch allzu eindeutigen Bildern. Die große Qualität des Abends zeigt sich allerdings im zweiten Teil, als die tote Künstlerin im Jenseits noch einmal den Männern ihres Lebens begenet – abstrakt, sinnlich, von einer suggestiven Kraft, die eine bloße Karrierebiografie nie erreichen könnte.

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