Egon Günther

Sein Film „Die Braut“ (Start: 27. 5.) ist nach „Lotte in Weimar“ (1975) und „Die Leiden des jungen Werther“ (1976) schon der dritte Goethe-Stoff des renommierten DEFA-Regisseur. Mit Veronica Ferres und Herbert Knaup in den Hauptrollen, erzählt der Film die Liebesgeschichte zwischen der Manufakturarbeiterin Chrstiane Vulpius und dem großen Dichter. Erst nach 18 Jahren wilder Ehe heiratete Goethe seine Geliebte, die – weil nicht standesgemäß – ein Leben lang Verleumdungen und Intrigen ausgesetzt war.

K!N: Herr Günther, wie erforscht ist eigentlich das Leben der Christiane Vulpius? Wieviel von ihr mußten Sie für diesen Film erfinden?

Egon Günther: Die Germanistik hat sich mit Christiane Vulpius fast gar nicht beschäftigt. Während ihre Rivalin Charlotte von Stein fast als Heilige gehandelt wird, verschweigen viele Biografien die Existenz der Vulpius sogar ganz. Kulturgeschichtlich bedingt sind viele Quellen vernichtet worden, vor allem Briefe. Es gehört sicherlich eine Portion Mut dazu zu sagen: Ich weiß nicht genau, was zwischen diesen beiden Menschen war, aber ich bilde mir einfach mal dreist ein, daß ich mit meiner Fiktion anhand der Fakten sehr weit an die reale Person herangekommen bin. Mich interessierte die Passion dieser Frau. Passion im wörtlichen Sinne: ihr Leiden und ihre Leidenschaft.

K!N: Veronica Ferres als Christiane – wie sind Sie auf diese Besetzung gekommen?

Günther: Ich kannte nur wenige Filme von ihr, aber ich spürte, daß sie etwas ganz besonderes hat, was für mich Christiane Vulipus eigen war. Das, was der Kunsthistoriker Winckelmann als „stille Einfalt, edle Größe“ bezeichnet hatte.

K!N: Wie lange haben Sie für diesen Film recherchiert?

Günther: Im Grunde beschäftige ich mich mit Goethe seit meinem Studium. Von Hause aus bin ich ja Germanist und die Figur der Vulipus hat mich nie losgelassen. Im Grunde also habe ich 30 Jahre lang dafür recherchiert. Man macht einen solchen Film, wenn man genug weiß, aber nicht zuviel. Die Domäne des Films ist die Fantasie und die Imagination. Hat man bereits zu viele Fakten angehäuft, kann ein Film nie mehr ein eigenes Leben entfalten.

K!N: War es einfach, die Drehgenehmigungen in Weimar für die historischen Schauplätze zu bekommen?

Günther: Im Gartenhaus konnten wir außen Filmen, die Innenräume haben wir geradezu vorbildlich und für viele verblüffend genau im Studio nachgebaut. In den oberen Räumen im Hause am Frauenplan durften wir zwar Aufnahmen machen, aber nicht mit Schauspielern. Ich wußte mir aber zu helfen und war am Ende sogar sehr glücklich darüber. Denn solch ein Film soll ja nicht unendlich viel Bildungsgut transportieren oder gar zu einer Sightseeing-Tour werden.Interview:

Interview: Axel Schock

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