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Ein Hauch von Amerika: Emanzipation im Nachkriegsdeutschland

Die Serie „Ein Hauch von Amerika“ in der ARD und der Mediathek zeigt ein Dorf in der Pfalz in den 50ern aus der Sicht zweier junger Frauen.

Maries Familie erwischt es am Anfang wirklich bös: Ihr Hund Dorle wird von einer im Acker niedergegangenen Fliegerbombe zerfetzt, ein US-Panzer überrollt ihren Leiterwagen mit der gesamten Kartoffelernte und brettert einmal über den Acker, und Maries Vater legt sich in der Folge so sehr mit US-Soldaten an, dass er im Militärgefängnis landet. Willkommen in der Miniserie Ein Hauch von Amerika, die jetzt im Ersten ausgestrahlt wird und in der ARD-Mediathek zum Streamen bereitsteht. Die Handlung spielt zu Beginn der 1950er Jahre, die Altnazis im kleinen pfälzischen Dorf mögen noch immer nicht mit der Besatzung kooperieren, der Pfarrer ist reaktionär, der Bürgermeister einfach geschäftstüchtig, und die Jugend tanzt in der Dorfkneipe Rock ’n‘ Roll.

Ein Hauch von Amerika hat wie die Serien Charité oder „Ku’damm“ einen bestimmten Punkt der deutschen Historie im Blickpunkt. Die Umwälzung der Lebensweise und Traditionen aufgrund des verlorenen Krieges und der gesellschaftlichen wie auch politischen Neuordnung sind das eine, noch viel mehr aber wird die Entwicklung von der Jugend vorangetrieben, die als Kinder im Krieg groß geworden waren. Marie und ihre Freundin Erika stehen im Mittelpunkt der Serie, ihr Ausprobieren beim Erwachsenwerden, ihre Lebenslust, aber auch – besonders bei Marie – die früh zugewachsene Verantwortung für die Familie bestimmen die Handlung, die weit über das Persönliche hinausgeht. So zeigt die Serie nicht nur, wie Marie sich in den Soldaten George verliebt, bevor ihr Verlobter Siegfried (Jonas Nay, bekannt aus „Deutschland 83“ und den Folgestaffeln) aus der russischen Gefangenschaft heimkehrt. Auch Erika wird harten Proben ausgesetzt.

Ein Hauch von Amerika zeigt nicht nur Ausländerfeindlichkeit und Rassismus in der deutschen Bevölkerung, auch der Rassismus von weißen GIs gegenüber den schwarzen GIs wird deutlich zum Ausdruck gebracht. Aber so dynamisch Handlung und Konflikte in der Serie auch vorangetrieben werden, so steif und statisch agieren oft die Schauspielerinnen und Schauspieler: Drehbuch und Dialoge sind durchwachsen, selbst einzelne Einstellungen zerfallen manchmal in ihre Teile, weil Ablauf und Handlung nicht flüssig gespielt und gedreht sind. Kurzweilig ist die Serie dennoch, und mit sechs 45-Minütern auch überschaubar in der Länge.

 

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