Zum Inhalt springen

„Ein mächtiger Gegner“ bei Arte: Industrie gegen Moral

Das erfolgreiche Anwaltspaar Sarah und Jared schaut sich glücklich an.
Ein erfolgreiches Paar: Anwältin Sarah Deléan (Caroline Dhavernas) feiert mit ihrem Freund Jared (Ako Chanoine) seine Beförderung, bevor sie privat und beruflich zwischen die Fronten eines Mordfalls gerät. (Foto: ARTE F /© Lou Scamble)

Industrie gegen Moral: Die frankokanadische Thrillerserie „Ein mächtiger Gegner“ über Mord, Umweltzerstörung und persönliche Verantwortung läuft jetzt bei Arte.

Was passiert, wenn beruflicher Erfolg, familiäre Schuld und globale Ausbeutung untrennbar ineinandergreifen? „Ein mächtiger Gegner“ ist eine spannungsgeladene Thrillerserie, die genau diese Frage stellt. Das frankokanadische Serienhighlight von Arte verbindet klassische Krimielemente mit hochaktuellen Themen wie Umweltzerstörung, Konzernmacht und individueller moralischer Integrität. Was sich daraus entfaltet, ist ein zunehmend beklemmendes Drama. „Ein mächtiger Gegener“ läuft jetzt bei Arte und kann in der Arte-Mediathek gestreamt werden.

Zwischen den Fronten

Im Zentrum steht Sarah Deléan (Caroline Dhavernas, „Wonderfalls“), eine erfolgreiche Anwältin in einer renommierten Montrealer Kanzlei. Sie betreut einen lukrativen Deal für den Bergbaukonzern Minexore, der eine Lithiummine in Québec übernehmen will. Minexore ist reich, mächtig, und ihr Ruf für Umweltvergehen und skrupellose Geschäftspraktiken eilt ihnen voraus. Parallel zum beruflichen Aufstieg gerät Sarahs Privatleben aus den Fugen: Ihre Mutter (Julie Vincent) liegt schwer krank im Koma, und in deren Haus macht Sarah eine verstörende Entdeckung. Blut tropft durch die Decke ihres Schlafzimmers. In der Wohnung darüber liegt eine Leiche. Was zunächst wie ein isoliertes Verbrechen wirkt, entpuppt sich schnell als Teil eines weit verzweigten Netzes aus Vertuschung, Gewalt und internationaler Ausbeutung. Je tiefer Sarah in die Hintergründe eintaucht, desto klarer wird, dass Minexore nicht nur im übertragenen Sinn „über Leichen geht“. Die Anwältin gerät dabei zunehmend zwischen die Fronten und muss sich entscheiden, für welche Seite sie kämpfen will.

Besonders hervorzuheben ist die Authentizität des Drehbuchs, an dem neben den Autorinnen Marie-Dominique Michaud und Sophie Deraspe auch der Kriminologe Frédéric Ouellet beteiligt war. Die Serie wirkt dadurch geerdet, realistisch und unangenehm nah an der Realität. Caroline Dhavernas trägt die Serie mit einer nuancierten, glaubwürdigen Darstellung einer Frau, die schrittweise erkennt, wie sehr sie selbst Teil eines zerstörerischen Systems geworden ist. Ihre innere Zerrissenheit wirkt nie aufgesetzt, sondern ergibt sich organisch aus der Handlung. Auch Robin Aubert als Kommissar Emile Lebau spielt eine grandiose Rolle als leicht skurriler Ermittler, der zwischen all der Spannung auch mal für den ein oder anderen Lacher sorgt.

Eine Gruppe von Demonstrant*innen geht mit Schildern auf die Straße.
In Guatemala haben Minen des Unternehmens Minexore das Trinkwasser vergiftet, Demonstrant*innen gehen auf die Straße. Foto: Arte / Pixcom

„Ein mächtiger Gegner“ ist eine intelligente, kompromisslose Thrillerserie, die Spannung und gesellschaftliche Relevanz überzeugend verbindet. Die Serie zeigt, wie eng persönliche Entscheidungen mit globalen Machtstrukturen verknüpft sind und wie hoch der Preis sein kann, wenn man zu lange wegschaut. Ein sehenswertes Arte-Format, das unterhält und zum Miträtseln einlädt.

Beitrag teilen:
kulturnews.de
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.