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Eine Geschichte des Antisemitismus: Arte mit historischem Vierteiler

Eine Geschichte des Antisemitismus
Eine Geschichte des AntisemitismusFoto: © Effervescence Productions

Regisseur der Doku-Serie Eine Geschichte des Antisemitismus (ab heute auf Arte und in der Mediathek) ist der Franzose Jonathan Hayoun. Hayoun, der für Arte auch schon den Film „Rettet Auschwitz!“ drehte, wandert in seinem Vierteiler durch zwei Jahrtausende der Geschichte der Menschheit, um alle Ausformungen des Antisemitusmus  von den ersten Pogromen bis hin zur Shoa nicht nur zu dokumentieren, sondern auch zu analysieren. Dass eine solche Analyse bis hin zu den gegenwärtigen Formen des Antisemitismus notwendig ist, zeigen nicht nur immer neue Vorfälle in der AfD mit Parteiaustritten in der Folge oder Verschwörungsmythen im Rahmen der Corona-Pandemie, Hayoun machte vor zehn Jahren in Frankreich sogar auf einen antisemitischen Vorfall innerhalb der französischen Linken aufmerksam.

Stéphane Hessel, politischer Aktivist („Empört euch“), hatte in einem Zeitungsbeitrag im Jahr 2012 geschrieben (Zitatquelle: Wikipedia): „Die durchlässige deutsche Besatzungspolitik gestattete noch am Ende des Krieges eine offene Kulturpolitik. Man durfte in Paris Stücke von Jean-Paul Sartre aufführen oder Juliette Gréco hören. Wenn ich einen kühnen Vergleich als Betroffener wagen darf, so behaupte ich: Die deutsche Besatzung war, wenn man sie zum Beispiel mit der heutigen Besetzung von Palästina durch die Israelis vergleicht, eine relativ harmlose, von Ausnahmen wie den Verhaftungen, Internierungen und Erschießungen, auch vom Raub der Kunstschätze abgesehen. Das war alles schrecklich. Aber es handelte sich um eine Besatzungspolitik, die positiv wirken wollte und deshalb uns Widerstandskämpfern die Arbeit so schwermachte.“

Jonathan Hayoun, damals Präsident der Vereinigung jüdischer Studenten in Frankreich, fand nicht den Vergleich, aber das Hessels Ergebnis des Vergleichs empörend, Hessel (während des Zweiten Weltkriegs Widerstandskämpfer und wie Hayoun Jude) beachte die Deportation von Juden und Widerstandskämpfern sowie deren systematische Vernichtung überhaupt nicht.

Mit diesem Widerspruch machte Jonathan Hayoun auf eine der großen Gefahren des heutigen Antisemitismus aufmerksam: die Kritik an Israel wegen der rigorosen Verteidigung der eigenen Bürgerinnen und Bürger, die wie im Fall BDS (Boycott, Divestment and Sanctions) bis hin zur Aberkennung des Existenzrechts Israels reicht. Eine Geschichte des Antisemitismus mag an solchen politischen Einstellungen nicht viel ändern, die Serie ist aber nichtsdestotrotz aus genau diesen Gründen notwendig. jw

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