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„Was berührt, das bleibt“: Enno Bunger im Interview

Das neue Album von Enno Bunger handelt vom Tod, der Trauer und vom Loslassen. kulturnews hat mit ihm gesprochen.

Enno Bunger veröffentlicht sein neues Album „Was berührt, das bleibt“. Mit kulturnews hat er im Interview darüber gesprochen.
Foto: Dennis Dirksen

kulturnews: Enno, hat es Situationen gegeben, in denen das Songschreiben als deine Superpower versagt hat?

Enno Bunger: Tatsächlich war das in den letzten zwei Jahren erstmals der Fall. Ich hatte immer eine gewisse Leichtigkeit und dieses Grundvertrauen, dass sich alles irgendwie ausgeht. Das hat Risse bekommen, als innerhalb kurzer Zeit meine Freundin und die Partnerin meines engsten Freundes an Krebs erkrankt sind. Anfangs konnte ich gar nichts mehr schreiben, war vollkommen blockiert und habe nur noch die Wände angestarrt. Gleichzeitig habe ich sehr viel Kraft daraus gezogen, wie die beiden mit der Diagnose umgegangen sind. Meine Freundin hatte eine ziemlich gute Prognose, aber Lenas war deutlich schlechter, und es hat mich ungemein berührt, mit welcher Stärke sie dann irgendwann auch losgelassen hat.

kulturnews: Dann hast du dich an dieser Stärke orientiert, um Songs wie „Stark sein“ und „Die Bäume streuen Konfetti“ schreiben zu können?

Bunger: Es war keine Frage des Wollens, sondern mehr eine Frage des Müssens. Für mich war schon immer die Musik mein bester Therapeut. Außerdem gab es auch die Bitte von meinem besten Freund Nils: Du bist da jetzt so nah dran, wenn du da irgendwas für die Musik rausziehen kannst, dann mach das. Als es um die Videos ging, war auch er derjenige, der vorgeschlagen hat, keine Schauspieler zu nehmen, sondern es einfach selbst zu machen.

kulturnews: Du hast zunächst die Single „Bucketlist“ veröffentlicht, und da dachte man zunächst, du beteiligst dich jetzt an der Phrasendrescherei vieler deiner Songwriterkollegen …

Bunger: Ich weiß, dass es Songs mit dieser Kopf-hoch-Aussage schon tausendmal gegeben hat. Aber es ist einer der neueren Songs, die ich nach dieser für mich eher düsteren Zeit einfach schreiben musste. Ich wollte mit einem positiven Gefühl zurückkommen und den Leuten nicht direkt den Tod ins Gesicht klatschen, auch wenn ich ihn ja auch da schon die ganze Zeit anspreche. Für mich ist das einfach die Quintessenz, die ich aus dieser Zeit ziehe. Ich wusste schon, dass ich damit einigen Leuten vor den Kopf stoße, auch weil es ein sehr poppiges Stück ist. Natürlich gibt es gerade einige Stücke, die auch in diese Richtung gehen. Trotzdem glaube und hoffe ich, dass mein Song doch ein bisschen mehr Tiefe hat und durch den Albumkontext gedeckt ist.

Interview: Carsten Schrader

Das neue Album „Was berührt, das bleibt“ könnt ihr hier bei Amazon bestellen. Im Oktober geht Enno Bunger auf Tour.

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