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Fabrizio Gatti: Der amerikanische Agent

Buchcover „Der amerikanische Agent“ von Fabrizio Gatti

Ein Mann ruft Fabrizio Gatti an und fordert den Journalisten auf, den Messenger-Dienst Telegram auf seinem Smartphone zu installieren. Es folgen in einer römischen Kirche regelmäßige Treffen Gattis mit dem Mann, der sich Simone Pace nennt. Und Pace erzählt und erzählt und erzählt. Es ist die Geschichte der Einflussnahme des US-amerikanischen Geheimdienstes CIA auf die Politik anderer Staaten. Es ist auch die Geschichte einer ganzen Generation italienischer Polizisten, die zu Beginn ihrer Karriere Anfang der 1980er angeworben wurden. Informationen werden gezielt abgeschöpft, Bomben gebaut, selbst als der kanadische Waffenentwickler Gerald Bull in Brüssel erschossen wird, ist Pace vor Ort.

Wirklich ganz groß aber wird die Erzählung, wenn sie von der Psychologie der Rekrutierung und der Menschenführung durch Lüge erzählt. Der Italiener Fabrizio Gatti ist Investigativjournalist, der sich selbst nicht schont, wenn er an Informationen kommen will. „Der amerikanische Agent“ aber ist kein reines Tatsachenbuch. Wenn Gatti bei seinen Treffen mit Pace den Kugelschreiber zückt, wissen wir, dass gleich die Erzählperspektive wechselt. Weil der Detailreichtum des Erzählten aber nie und nimmer mit einem Kugelschreiber eingefangen werden kann, müssen wir diesen Teil des Tatsachenromans immer hinterfragen, während Gattis Recherche in Gerichtsunterlagen, Katasterämtern oder bei Kneipiers vor Ort so auch in Zeitungsartikel einfließen könnte. jw

Fabrizio Gatti Der amerikanische Agent

Kunstmann, 2020, 400 S., 25 Euro

Aus d. Ital. v. Friederike Hausmann u. Rita Seuß

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