Fatih Akin

Riskant, ungehobelt, mitunter brutal: Fatih Akins Debütfilm „Kurz und schmerzlos“ (ab 15. 10. in den Kinos) hinterläßt Spuren. Ein Gespräch mit dem Hamburger Regisseur über Prügeleien, „political correctness“ und darüber, warum Moritz Bleibtreu fehl am Platz war.

KULTUR!NEWS: Fatih, in „Kurz und Schmerzlos“ geht es um drei Außenseiter in Hamburg, die am Rande der Gesellschaft und der Legalität operieren. Dennoch hat dein Film mit dem klassischen Problemkino nichts zu tun.

Fatih Akin: Es geht mir nicht in erster Linie darum, gegen irgend was zu protestieren, sondern darum, Geschichten zu erzählen, die das Publikum fesseln.

K!N: Die Hauptfiguren in „Kurz und Schmerzlos“ sind Ausländer …

Akin: … aus einem einfachen Grund: Gabriel, Bobby und Costa haben in meinem Leben wirklich existiert. Ich bin überhaupt nicht auf die Idee gekommen, den Figuren eine andere Nationalität zu verleihen.

K!N: Keine soziologische Stoßrichtung also?

Akin: Nein. Das Problem des „Zeigefinger-Kinos“ ist doch, daß es ohnehin nur Gleichgesinnte erreicht, weil es von vorneherein in bestimmten Nischen abgespeichert wird.

K!N: Was fällt dir zum Rubrum „türkischer Filmemacher“ ein?

Akin: Völlig einverstanden – wenn nur das Adjektiv gestrichen wird.

K!N: Es gab für eine deutsche Produktion ungewöhnlich viele Schlägereien in deinem Film …

Akin: Sie sind für mich ein wichtiges filmisches Mittel, um das Publikum in die Story einzubinden. Gewalt im Kino hat mich immer schon fasziniert, weil sie unmittelbar ist und hervorragend Emotionen transportieren kann. Ich habe immer bedauert, daß Actionszenen in Deutschland meist schlecht gemacht sind, schlampig und lieblos.

K!N: Die Dialoge sind angenehm ungeschliffen. Welchen Freiraum hast du den Schauspielern gelassen?

Akin: Ein Gutteil der Formulierungen blieb ihnen überlassen. Ich wollte dem Ganzen etwas Rohes, Unfertiges geben. Deswegen habe ich Costa nicht mit Moritz Bleibtreu – den ich hätte haben können –, sondern mit Adam Bousdoukos besetzt, der zuvor noch nie als Schauspieler gearbeitet hat. Adam hat dem Film die Rauhheit gegeben, die mir vorschwebte. Einer wie Bleibtreu hätte eine Glattheit reingebracht, die mich weniger interessierte.

Interview: Jonas Demel

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