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fluctoplasma:: Kunst und Diskurs gegen Rechts

Das Festival fluctoplasma in Hamburg setzt sich für ein gesellschaftliches Miteinander in Vielfalt ein. Wir sprachen mit dem künstlerischen Leiter Dan Thy Nguyen.

Fluctoplasma
Dan Thy Nguyen (Foto: fluctoplasma)

Dan Thy, was bedeutet fluctoplasma, das Wort?

Dan Thy Nguyen: fluctoplasma ist ein Kunstwort. „Flucto“ steht für Bewegung, Veränderung und das Fluide. Plasma wiederum bedeutet:  freie Ladungsträger und Plasma besitzt dadurch eine besondere elektrische und energetische Leitfähigkeit. Für uns ist das ein starkes Bild für Gesellschaft: Menschen, Erfahrungen und Perspektiven stehen miteinander in Verbindung, setzen Energien frei und verändern sich durch Begegnung. fluctoplasma beschreibt damit eine fluide Stadtgesellschaft, die nicht starr oder abgeschlossen ist, sondern durch Austausch immer wieder neue Formen annimmt.

Und was ist fluctoplasma, das Festival?

fluctoplasma ist Hamburgs Festival für Kunst, Diskurs und Diversität. Seit sieben Jahren bringen wir Künstler:innen, Aktivisti:nnen und Denker:innen aus Europa  und aus dem globalen Kontext zusammen, deren Perspektiven im etablierten Kulturbetrieb häufig zu wenig Raum erhalten oder getrennt voneinander verhandelt werden. Dabei geht es uns nicht allein um Repräsentation. Wir wollen einen Ort schaffen, an dem unterschiedliche Erfahrungen, ästhetische Formen und politische Fragen aufeinandertreffen können. 2026 versammelt das Festival unter dem Titel „humanity in (dis)solution“ fast 100 Künstlerinnen in mehr als 50 Veranstaltungen. Gemeinsam fragen wir hier: Was bleibt vom Menschlichen, wenn Menschenwürde, Solidarität und demokratische Grundwerte zunehmend unter Druck geraten? Gerade in Zeiten der Rechten und autoritäten Disruptionen.

Denn nicht erst seit dem Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt gibt es einen hetzenden bis gewalttätigen rechten Backlash gegen Minderheiten, seien sie jüdisch, queer oder Bi_PoC. Wie verändert das noch einmal die Relevanz von fluctoplasma?

Die gesellschaftliche Entwicklung verändert nicht unsere Grundhaltung, aber sie verschärft die Bedingungen, unter denen wir arbeiten. Perspektiven, die ohnehin um Sichtbarkeit und Teilhabe kämpfen mussten, werden heute immer offener angegriffen. Menschen erleben, dass ihre Zugehörigkeit, ihre Sicherheit und zunehmend sogar ihre Menschlichkeit öffentlich zur Verhandlung gestellt werden.

Gerade deshalb ist Kunst auch eine Stärkung der Grundlagen unserer Demokratie. Meinungsfreiheit und Kunstfreiheit sind keine abstrakten Versprechen. Gemeinsam mit dem Gleichheitsgrundsatz und dem Schutz vor Diskriminierung bilden sie die Grundlage und zugleich den Auftrag unserer Arbeit. Daraus erwächst für uns eine Verantwortung: Kunst in ihrer ganzen Multiperspektivität sichtbar zu machen und das Europa, in dem wir leben, in seiner tatsächlichen Vielfalt zu zeigen und mit zu entwickeln.

Kunst kann rechte Gewalt nicht verhindern und politische Probleme nicht im Alleingang lösen. Sie kann aber Erfahrungen sichtbar machen, Widersprüche aushalten und Begegnungen ermöglichen. fluctoplasma ist deshalb kein dekoratives Zeichen für Vielfalt. Das Festival sieht sich als Teil einer demokratischen, zivilgesellschaftlichn Infrastruktur. Gerade in einer Zeit, in der menschenfeindliche Positionen an Einfluss gewinnen, brauchen wir Orte, an denen unterschiedliche Stimmen nicht nur geduldet werden, sondern unsere gemeinsame Gegenwart aktiv mitgestalten.

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